Leptospirose

Synonyme: Morbus Weil, Reisfelderleptospirose, Canicola-Fieber, Stuttgarter Hundeseuche, japanisches Herbstfieber, Schweinehüterkrankheit, Erbsenpflückerkrankheit

Definition

Leptospirose

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Die Leptospirose ist eine akut verlaufende Infektionskrankheit, die als Zoonose beim Menschen auftritt und durch das Bakterium Leptospira interrogans (aus der Ordnung der Spirochäten) hervorgerufen wird.


Ätiologie

Leptospirose

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  • Die Leptospirose ist eine weltweit vorkommende Zoonose; Überträger können Wild- und Haustiere sein, z.B. Nagetiere, Rinder, Schweine, Hunde, Schafe, Ziegen
  • Die Tiere können sowohl asymptomatisch infiziert sein als auch daran versterben
  • Übertragung: über den Urin der Tiere; Mikroläsionen der Haut als Eintrittspforte; selten über Lebensmittel oder aerogen
  • Inkubationszeit 2-26 Tage, durchschnittlich 10 Tage

Epidemiologie

Leptospirose

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  • Die Leptospirose ist weltweit verbreitet, kommt jedoch v.a. in den Tropen vor
  • Tropen, Singapur, Hawaii, südliche USA
  • Risikogruppe: Wassersportler, Förster, Gärtner, Kanalarbeiter, Jäger, Bergarbeiter, Arbeiter auf Reis- oder Zuckerrohfeldern
  • gefährdet insbesondere Angler, Wassersportler sowie Kanal-, Feld- und Abwasserarbeiter, Tierpersonal, Tierärzte, Landwirte
  • Inzidenz: 40 Fälle /Jahr in D
  • Ausbrüche möglich, z.B. bei Teilnehmern eines Triathlon, die sich vermutlich über Seewasser infizierten: 98 von 834 Triathlon- Teilnehmern (12%) erkrankten 1998 in Illinois, USA [1]

Differentialdiagnosen

Leptospirose

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Anamnese

Leptospirose

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Bei der Leptospirose sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Angehöriger einer der Risikogruppen (Abwasserarbeiter, Wassersportler, Fleisch/ Schlachthofpersonal)?
  • Freizeitanamnese
  • Tierkontakt?
  • plötzliches hohes Fieber?
  • Hautveränderungen?
  • Kopfschmerzen? Lichtempfindlichkeit? Nackensteifigkeit
  • Bauchschmerzen?
  • Wadenschmerzen?
  • Atemreizung?
  • Hautveränderungen?
  • Durchfall?

Diagnostik

Leptospirose

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Zur diagnostischen Abklärung der Leptospirose sind relevant:

1. Anamnese und evtl. Klinik (wenn auch meist nicht spezifisch; eine Verdachtsdiagnose kann bei unklarem Fieber mit Konjunktivitis gestellt werden)


2. Labor:

  • unspezifisch: Leukozytose mit Linksverschiebung (aber auch normale Leukozyten möglich), Kreatinin bei 50% [7], Transaminasen ↔ oder leicht bis mäßig ↑, Hyponatriämie in schweren Fällen, selten Thrombozytopenie bei schweren Verläufen mit hämorrhagischer Diathese
  • Urinanalyse: Proteinurie, Leukozyturie, manchmal Mikrohämaturie [5]
  • Serologie: zur Diagnosesicherung

3. evtl. Lumbalpunktion

  • zur DD oder bei Unsicherheiten bei ZNS-Beteiligung
  • Protein leicht bis moderat ↑, Glukose normal, neutrophile oder lymphozytäre Pleozytose

Klinik

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Die Leptospirose kann sowohl subklinisch (mit anschließender Serokonversion), selbstlimitierend systemisch oder systemisch mit schwerwiegender Symptomatik und Multiorganversagen verlaufen.


Die Leptospirose präsentiert sich klassischer Weise durch einen zweiphasigen Verlauf, wobei dieser bei weniger als 50% der Patienten vorliegt [3]:


Es kommen folgende Symptome vor: [2,3]

  • Plötzlich hohes Fieber, Myalgie, Rigor und Kopfschmerzen bei 75-100% der Patienten nach 2-26 Tagen (durchschnittliche Inkubationszeit 10 Tage)
  • nichtproduktiver Husten bei 25-35%
  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bei 50%
  • seltener: Knochenschmerzen, Halsschmerzen, Arthralgien, Bauchschmerzen
  • häufig Konjunktivitis (daher bei unklarem Fieber und Konjunktivitis an Leptospirose denken!)
  • bei Kindern selten Cholezystitis möglich [4]
  • Hepatomegalie, Splenomegalie
  • Lymphadenopathie
  • aseptische Meningitis wird bei 50-85% nach 7 Tagen gefunden, wenn eine Liquorpunktion stattfindet [5]
  • hämorrhagische Diathese mit Thrombozytopenie [6]
  • Hautausschlag

Falls ein zweiphasiger Verlauf vorliegt, beschreibt eine Organmanifestation wie Nephritis, Hepatomegalie, oder Meningitis die 2. Phase nach einigen Tagen mit symptomfreiem Intervall.


Therapie

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Da die Leptospirose meist selbstlimitierend verläuft, ist in den meisten Fällen keine Therapie notwendig.


Einige Antibiotika wirken zwar in vitro und bei Tieren gegen die Leptospiren, es wird jedoch kontrovers diskutiert, ob Menschen von einer Antibiotikagabe profitieren. Bei leichten Verläufen, die ambulant behandelt werden, kann ggf. darauf verzichtet werden.


Bei ambulanter Behandlung kann sonst z.B. verabreicht werden:

  • Doxycyclin 100mg alle 12 h bzw. bei Kindern > 8 Jahre 2 mg/kg täglich auf 2 Dosen verteilt bis maximal 200mg täglich, Dauer 5-7 Tage
  • bei Kindern < 8J und Schwangeren Amoxicillin 25-50mg/kg auf 3 Dosen täglich verteilt

Im Krankenhaus sollte bei schwer kranken Patienten eine i.v.-Behandlung mit z.B. Penicillin, Doxycyclin, Ceftriaxon oder Cefotaxim stattfinden.

Expositionsprophylaxe möglich:

  • Doxycyclin 200mg 1x/Woche wirkt besser als ein Plazebo [9]
  • Kosten-Nutzen und Risiko sollten vorher abgeschätzt werden

Komplikationen

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  • Der schwerste Verlauf ist der Morbus Weil (Weil-Krankheit)
  • hämatogene Ausbreitung der Bakterien mit Besiedelung von Leber und Nieren => Ikterus und Nephritis
  • auch Meningitis möglich

Grundsätzlich können folgende Komplikationen bei der Leptospirose vorkommen:

Risikofaktoren für einen schweren Verlauf mit hoher Mortalität umfassen: [8]

  • Lungenbeteiligung, z.B. Hämoptyse
  • ZNS-Beteiligung

Zusatzhinweise

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Die Leptospirose unterliegt der Meldepflicht.

  • auch durch gesunde Schleimhäute kann das Bakterium in den Körper gelangen
  • Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt
  • in einer kalten, trockenen oder sauren Umgebung sterben Leptospiren schnell ab

Literaturquellen

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  1. Morgan J, Bornstein SL, Karpati AM, Bruce M, Bolin CA, Austin CC, Woods CW, Lingappa J, Langkop C, Davis B, Graham DR, Proctor M, Ashford DA, Bajani M, Bragg SL, Shutt K, Perkins BA, Tappero JW, Leptospirosis Working Group (2002): Outbreak of leptospirosis among triathlon participants and community residents in Springfield, Illinois, 1998. Clin Infect Dis. 34(12):1593.
  2. Katz AR, Ansdell VE, Effler PV, Middleton CR, Sasaki DM (2001): Assessment of the clinical presentation and treatment of 353 cases of laboratory-confirmed leptospirosis in Hawaii, 1974-1998. Clin Infect Dis. 33(11):1834
  3. Bertherat E, Renaut A, Nabias R, Dubreuil G, Georges-Courbot MC (1999): Leptospirosis and Ebola virus infection in five gold-panning villages in northeastern Gabon. Am J Trop Med Hyg. 60(4):610.
  4. Wong ML, Kaplan S, Dunkle LM, Stechenberg BW, Feigin RD (1977): Leptospirosis: a childhood disease. J Pediatr. 90(4):532.
  5. Berman, SJ, Tsai, C, Holmes, K, et al (1973): Sporadic anicteric leptospirosis in South Vietnam. Ann Intern Med,. 79:167.
  6. Yang HY, Hsu PY, Pan MJ, Wu MS, Lee CH, Yu CC, Hung CC, Yang CW (2005): Clinical distinction and evaluation of leptospirosis in Taiwan--a case-control study. J Nephrol. 18(1):45.
  7. Johnson WD Jr, Silva IC, Rocha H (1975): Serum creatine phosphokinase in leptospirosis. JAMA. 233(9):981.
  8. Pappachan MJ, Mathew S, Aravindan KP, Khader A, Bharghavan PV, Kareem MM, Tuteja U, Shukla J, Batra HV (2004): Risk factors for mortality in patients with leptospirosis during an epidemic in northern Kerala. Natl Med J India. 17(5):240.
  9. Takafuji ET, Kirkpatrick JW, Miller RN, Karwacki JJ, Kelley PW, Gray MR, McNeill KM, Timboe HL, Kane RE, Sanchez JL (1984): An efficacy trial of doxycycline chemoprophylaxis against leptospirosis. N Engl J Med. 310(8):497.

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