Laryngospasmus

Synonyme: Stimmritzenkrampf, Glottiskrampf

Definition

Laryngospasmus

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Laryngospasmus ist ein reflexartiger akuter Verschluss des Kehlkopfs durch Irritation der Atemwege.

Bei Reizung des N. laryngeus superior kommt es zur Kontraktion der thyrohyoidalen Muskeln.


Ätiologie

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Zu den Irritationsstimuli, die ein Laryngospasmus auslösen können, gehören:

  • bei zu flachem Narkosestadium während Inhalationsnarkosen durch Intubation, Extubation, Einsetzen von Guedel-, Wendeltuben
  • Magensonde
  • Laryngoskopie
  • Bronchoskopie
  • Blut, Sekret, bzw. Magensaft im Tracheabereich
  • schmerzhafte periphere und vagale Stimuli (z.B. Peritoneumreizung, andere vagale Stimuli)

Risikopatienten: Kinder, Pat. mit Laryngitis


Epidemiologie

Laryngospasmus

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Das Auftreten von Laryngospasmus während der Narkose:

  • unabhängig vom Patientenalter - 0,9%
  • bei Kindern unter 9 J. - 1,7%

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Bei Laryngospasmus sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • prädisposition des Pat. (z.B. Asthma, Allergien) vor OP abfragen

Diagnostik

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Zu den diagnostischen Maßnahmen bei einem Laryngospasmus gehören:

  • Sauerstoffsättigung
  • Blutdruck
  • Kapnometrie
  • Pat. beobachten (Stresssymptome)

Klinik

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Die klinischen Symptome beim Laryngospasmus sind:

Veränderungen der Atmung abhängig vom Verschlussgrad:

  • partieller Verschluss: Stridor, diaphragmale Atmung
  • totaler Verschluss: paradoxe Atembewegungen (schlingerndes Schiff), keine Beatmung mehr möglich)

Therapie

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Die therapeutischen Maßnahmen beim Laryngospasmus:

  • Ruhe bewahren
  • Sauerstoff: 100% über die Maske, Esmarch-Handgriff zum frei halten der Atemwege
  • Beseitigung auslösender Stimuli: z.B. vorsichtiges Absaugen von Sekret und Blut im Larynxbereich, Entfernung von Guedel- oder Wendeltubus
  • Beatmung: vorsichtige Beatmungsversuche (Cave: bei zu hohem Beatmungsdruck Aufblähen des Mangens), durch anhaltend pos. Beatmungsdruck versuchen, den Spasmus zu durchbrechen
  • Vertiefung der Narkose: durch kurz wirksames i.v. Anästhetikum wie Etomidat, Propofol oder Thiopental
  • Muskelrelaxation: Succinylcholin 10-20 mg i.v., Cave: bei bereits bestehender Hyperkapnie, Hypoxämie und Bardykardie kann es zum Herzstillstand kommen
  • Nottracheotomie oder Krikotomie als ultima ratio, wenn kann Muskelrelaxans verfügbar

Komplikationen

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Zu den Komplikationen beim Laryngospasmus sind derzeit keine Informationen verfügbar.


Zusatzhinweise

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Die Prävention von Laryngospasmus:

  • v.a. bei prädisponierten Pat. (z.B. Asthmatiker) gute präop. Sedierung, keine unnötigen Schmerzstimuli vor Narkose, beruhigende Atmosphäre
  • Hypersalivation vermeiden (z.B. Atropin vor Muskelrelaxans-Antagonisierung)
  • anästhesiologische und chirurgische Manipulationen erst bei ausreichend tiefer Narkose
  • ggf. Intubation bzw. Laryngoskopie unter zusätzlicher Lokalaästhesie (z.B. Lidocain)

Literaturquellen

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Schäfer R, Eberhardt M (2005) - Klinikleitfaden, Anästhesie - Urban und Fischer, München

Larsen, R (2006) - Anästhesie - Urban & Fischer, München

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  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

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