Langzeitbehandlungen mit Kortikosteroiden

Synonyme: exogenes Cushing Syndrom mit sekundärer Nebenniereninsuffizienz

Definition

Langzeitbehandlungen mit Kortikosteroiden

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Durch eine Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden kann es zu einer sekundären (und tertiären) Nebennierenrindeninsuffizienz durch Suppression der körpereigenen Kortisol- und ACTH (CRH) -produktion kommen.


Ätiologie

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Durch eine Langzeittherapie mit Kortikosteroiden kommt es zur Unterdrückung der körpereigenen CRH-Produktion im Hypothalamus (tertiäre Nebenniereninsuffizienz) und ACTH-Produktion im Hypophysenvorderlappen (sekundäre Nebenniereninsuffizienz). Als Folge kommt es zu einer Suppression der Kortisolproduktion in der Nebennierenrinde. Eine langfristige exogene Kortikoidzufuhr kann zur Atrophie beider Nebennieren führen.


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Langzeittherapien mit Kortikosteroiden sind derzeit keine Daten verfügbar.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Nebenniereninsuffizienz durch Langzeittherapie mit Kortikosteroiden sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • seit wann besteht die Kortisontherapie?
  • in welcher Dosierung?
  • Grunderkrankung(en)?
  • weitere Medikamente?
  • bereits bestehende Nebenwirkungen der Langzeitkortikoidtherapie?
  • Schwäche?
  • rasche Ermüdbarkeit?
  • Gewichtsveränderungen?
  • Appetitlosigkeit?
  • Übelkeit oder Erbrechen?
  • Durchfälle?
  • Schwindel?
  • rezidivierende Infekte?
  • vorangegangene Operationen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Nebenniereninsuffizienz durch Langzeittherapie mit Kortikosteroiden sind relevant:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung
  • Labor (ACTH-Spiegel, Kortisolspiegel, Auto-Antikörper)
  • CRH- Test (Bestimmung von ACTH und Kortisol nach CRH-Gabe)
  • ACTH-Test (Bestimmung des Kortisolanstiegs nach Gabe von ACTH)
  • Sonographie der Nebennieren
  • MRT des Schädels (Tumore?)
  • ggf. CT Abdomen
  • ggf. Abdomenleeraufnahme
  • ggf. Angiographie (zum Ausschluß von Karzinommetastasen im Bereich der NN)

Klinik

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Eine Nebenniereninsuffizienz durch Langzeittherapie mit Kortikoiden kann folgende Symptome zeigen:

  • Hypotonie
  • Hypoglykämie
  • Gewichtsverlust
  • muskuläre Hypotonie
  • gastrointestinale Beschwerden (Übelkeit, Erbrechen, Diarrhoe, abdominelle Schmerzen)
  • blasse Haut
  • rezidivierende Infekte

Therapie

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Bei einer vollständigen Nebenniereninsuffizienz (Atrohie der Nebennieren) nach Langzeittherapie mit Kortikoiden sollte eine lebenslange Hormonsubstitution erfolgen:

  • Glukokortikosteroide: Cortisonacetat 15 - 20 mg am Morgen und 10 - 15 mg am Nachmittag (allgemein: 2/3 morgens, 1/3 nachmittags gegen 15 Uhr); ; alternativ: Hydrocortison 10 - 15 mg am Morgen und 5 - 10 mg am Mittag und Abend (wichtig: bei Belastungen, z.B. Infekte, Operationen, Dosis steigern!)
  • Mineralokortikoide: Fludrokortison -Einstellung der Dosis anhand einer Normalisierung der Plasma-Reninspiegel
  • Androgene: Dehydroepiandrosteron - bei Frauen mit Libidoverlust
  • evtl. antihypertensive Therapie
  • Thromboembolieprophylaxe
  • Therapie der als Nebenwirkungen unter Langzeit-Kortikoidtherapie aufgetretenen Erkrankungen
  • Patientenschulung
  • Notfallausweis

Die Therapie der Addison-Krise umfaßt:

  • intensivmedizinische Überwachung und Therapie
  • vor Therapie Kortisol, ACTH, Elektrolyte im Blut bestimmen
  • 100 mg Hydrocortison iv., danach 200mg über 24h
  • NaCl 0,9% und Glukose 5%-Infusionen , Ziel-ZVD: 8-12 mm Hg
  • Ausgleich einer metabolischen Azidose mit Natriumbikarbonat
  • BZ überwachen
  • keine kaliumhaltigen Lösungen infundieren

Komplikationen

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Bei einer Langzeitbehandlung mit Kortikosteroiden können folgende Komplikationen auftreten:

  • Atrophie der Nebennierenrinden (durch langfristig fehlende ACTH-Stimulation)
  • exogenes (iatrogenes) Cushing-Syndrom durch hohe Kortisondosen
  • Addison-Krise durch abruptes Absetzen der Kortikoide (Kortikoidtherapie immer langfristig ausschleichend beenden)

Addison-Krise:

  • Blutdruckabfall, Oligurie
  • Schock
  • Pseudoperitonitis
  • Erbrechen
  • Durchfälle
  • Exsikkose
  • metabolische Entgleisung (Hypoglykämie, metabolische Azidose)
  • Koma

Zusatzhinweise

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Eine Langzeittherapie mit Kortikoiden in physiologischen Dosen zeigt keine wesentlichen Nebenwirkungen. Bei Einnahme höherer Dosen Kortison über einen längeren Zeitraum können neben der Nebenniereninsuffizienz noch folgende Nebenwirkungen auftreten:

  • Osteoporose
  • aseptische Knochennekrosen
  • Wundheilungsstörungen
  • Akne
  • Kortisonhaut (pergamentartig)
  • Glaukom
  • Katarakt
  • Diabetes mellitus
  • Ödeme
  • Blutbildveränderungen
  • Immunsuppression

Literaturquellen

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  2. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  3. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  4. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  5. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media

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