Kutane Leishmaniose

Synonyme: Leishmaniose der Haut, Leishmaniasis der Haut

Definition

Kutane Leishmaniose

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Die kutane Leishmaniose ist eine chronisch-granulomatöse Hautveränderung durch Protozoen des Genus Leishmania.


Ätiologie

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Ätiologie der kutanen Leishmaniose:

Erreger der Alten Welt:

  • L. donovani (Ostafrika, Indien, China),
  • L. infantum (Mittelmeerraum, Asien),
  • L. tropica (Mittelmeerraum, Vorderer Orient, Zentralasien),
  • L. major (Mittelmeerraum, Vorderer Orient, Zentralasien, Subsahara),
  • L. aethiopica (Ätiopien, Kenia, Sudan)

Erreger der Neuen Welt:

  • L. chagasi (Süd- und Mittelamerika),
  • L.-brasiliensis-Komplex (Süd- und Mittelamerika einschl. Guayana, Panama und Brasilien),
  • L.-mexicana-Komplex (Mittelamerika, Venezuela, Kolumbien, Amazonasgebiet)
  • Leishmaniosen sind Zoo- oder Anthroponosen, der Mensch kann sowohl Zwischen- als auch Endwirt sein
  • Erregerreservoir: lebende Nagetiere, Hunde, Mensch
  • Überträger: Sandmücken, in der Alten Welt v.a. Phlebotomus-Arten 

Epidemiologie

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Epidemiologie der kutanen Leishmaniose:

  • weltweit viele Millionen Menschen betroffen
  • kann in jedem Lebensalter vorkommen
  • Männer und Frauen etwa gleich betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Fragen zur kutanen Leishmaniose umfassen:

  • Wann ist die Hauterkrankung erschienen?
  • Reiseanamnese? Insektenstich?
  • Lokalisation der Hautveränderungen? 
  • Was für Beschwerden: Juckreiz?, Schmerz?
  • Verlauf?
  • Hat sich der Befund verbreitert oder verändert? Wenn ja, wohin?
  • Autoimmune Erkrankungen? andere Grunderkrankungen?
  • Medikamenteneinnahme? Selbstmedikation? bisherige Therapie? Mit welchem Erfolg?

Diagnostik

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Diagnostik der kutanen Leishmaniose:

Erregernachweis (Material durch Abschabung aus dem Randwall des Ulkus oder durch eine Stanzbiopsie gewonnen):

  • Giemsa-Färbung
  • Kultur (Spezialmedium)
  • PCR (Nachweis, Differenzierung von Subspezies) 
  • Antikörpernachweis (Komplementbindungsreaktion, Immunfluoreszenztest, ELISA): bei kutaner Leishmaniose selten, bei mukokutaner oder diffuser Leishmaniose häufiger und bei viszeraler Leishmaniose immer

Biopsie und Histologie:

  • invasive lympho-histiozytär-granulomatöse Infiltrate in der Dermis
  • in Histiozyten: intrazellulär Donovan-Körperchen 

Klinik

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Klinik der kutanen Leishmaniose:

  • nach einem Monat an stichexponierten Körperteilen an der Stelle der Parasiteninokulation:
  • Entwicklung einer juckenden Papel
  • daraus entsteht eine harte, trockene, weiße oder hämorrhagische Kruste über einem schmerzlosen, flachen Ulkus mit aufgeworfenem Randwall
  • Sekundärinfektionen mit regionaler Lymphangitis möglich
  • bei Leishmaniosen der Neuen Welt (Mittel- und Südamerika) ist Schleimhautbefall mit destruirendem Wachstum (mukokutane Form) nicht selten

Sonderformen:

  • rezidivierende Form: mit zentraler Abheilung und peripher fortschreitenden gelblichen und rötlich-bräunlichen papulösen Läsionen sowie Schwellung der regionären Lymphknoten
  • anergische Form: klinisch große Ähnlichkeit mit der lepromatösen Lepra
  • kutane Leishmaniose bei Immundefizienz: duffuse kutane Leishmaniose mit ausgebreiteten plaqueartigen und knotigen Hautveränderungen

Therapie

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  • kutane Leishmaniosen der Alten Welt heilen oft spontan 

Behandlung der größeren und multiplen Veränderungen:

  • Exzision
  • Kryotherapie
  • Paromomycin-Salbe (Aminosidinsulfat: 15 % Paromycinsulfat in Vaselinum album mit 10 % Harnstoff für 3 Monate, Erfolgsrate: 78-80 %) oder
  • fünfwertige Antimonverbindungen - intraläsional
  • bei schwerem Verlauf: systemische oder intraläsionale Therapie mit den fünfwertigen Antimonpräparaten (Glucantime oder Pantostam: 1-3 ml 2 mal wöchentlich für 3-5 Wochen, Erfolgsrate: 90 %)

Komplikationen

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  • kutane Leishmaniose der Alten Welt: Ulkusbildung
  • kutane Leishmaniose der Neuen Welt (Mittel- und Südamerika): ulzerierende Zerstörung der Uvula, des Gaumens und des Larynx

Zusatzhinweise

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Prävention:

  • Schutz vor der Sandmücke: Repellentien 

Literaturquellen

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  • Ingrid Moll (2005), Duale Reihe, Dermatologie, Thieme Verlag, 6. Auflage
  • Peter Fritsch (2009), Dermatologie und Venerologie für das Studium, Springer Verlag
  • Norbert Suttorp (2003), Infektionskrankheiten, Georg Thieme Verlag
  • Peter Altmeyer, Klaus Hoffmann (2005), Basiswissen Dermatologie: Eine vorlesungsbegleitende Darstellung, W3l GmbH Verlag
  • F -C Vogeler, K Gottschalk (2007), Das zweite- kompakt: Dermatologie, Augenheilkunde, HNO,  Springer Verlag


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