Kopfschmerz und Migräne

Synonyme: Spannungskopfschmerz(Pädiatrie), chronischer täglicher Kopfschmerz (Pädiatrie), chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp (Pädiatrie), idiopathische Kopfschmerzen (Pädiatrie), Migräne (Pädiatrie)

Definition

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Als Kopfschmerzen werden sämtliche Schmerzen im Bereich des Kopfes bezeichnet. Sie werden eingeteilt in: primäre (idiopathische) Kopfschmerzen, z.B. Migräne, Spannungskopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz usw. und sekundäre (symptomatische) Kopfschmerzen, die z.B. durch die Einnahme von Medikamenten oder durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden.


Ätiologie

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne sind:

Spannungskopfschmerzen:

Die Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Verschiedene Faktoren scheinen an der Entstehung des Krankheitsbildes beteiligt zu sind:

  • Verspannungen der Nacken- und Kiefermuskulatur
  • Psychischer Stress
  • Schädigungen der HWS
  • Schwellenwertsenkung des nozizeptiven Systems

Migräne:

Entstehung ist ebenfalls nicht vollständig geklärt:

  • eine initiale Hemmung der kortikalen neuronalen Aktivität führt zur Aura,
  • es kommt zu einer Abnahme der Durchblutung, die okzipital beginnt und sich sehr langsam nach parietal und temporal ausbreitet,
  • eine Freisetzung von vasoaktiven Substanzen (Substanz P und Serotonin) sowie eine Aktivierung von Prostaglandinen führen zu einer Änderung des zerebralen Gefäßtonus und zu einer Induktion einer aseptischen Entzündungsreaktion im perivaskulären Gebiet von Duragefäßen,
  • diese führt über eine exzessive Aktivität trigeminaler Schmerzfasern zum typischen Kopfschmerz.
  • Die Mitbeteiligung weiterer Hirnstammzentren (z.B. Area postrema) erklärt die vegetative Begleitsymptomatik.

Deutlich seltener treten im Kindes- und Jugendalter sekundäre Kopfschmerzformen auf z.B. durch:

  • Trauma
  • Medikamente
  • Tumore oder andere raumfordernde Prozesse

Epidemiologie

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Folgende epidemiologische Daten zu Kopfschmerz und Migräne liegen vor:

  • In Deutschland haben >90% aller Kinder bis zum 12. Lebensjahr Erfahrungen mit Kopfschmerzen.
  • 60% hiervon sind Kopfschmerzen vom Spannungstyp und 12% entfallen auf Migräne.
  • Prävalenz und Inzidenz steigen seit 30 Jahren kontinuierlich an
  • 35% der 7-Jährigen, und sogar 54% der 15-Jährigen leiden unter episodischen Kopfschmerzen.
  • Bei 30% der Kinder mit episodischen Kopfschmerzen handelt es sich um eine Kombination aus Migräne und Spannungskopfschmerz.
  • Die Prävalenz der Migräne beträgt bei Kindern 4% und bei Jugendlichen 11%.

Differentialdiagnosen

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Bei Kopfschmerzen und Migräne sind folgende Informationen von Bedeutung:

Bei Kopfschmerzen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Symptomatik seit wann?
  • Wie stark?
  • Wie lang?
  • Wie häufig?
  • Wo?
  • Charakter: Dumpf? Drückend? Pulsierend, Stechend?
  • Was verbessert oder verschlimmert Symptomatik?
  • Andere Symptome?
  • Kopfschmerz vor der Schwangerschaft bereits aufgetreten?
  • Anfallsartig oder ständig?
  • Einnahme von Schmerzmitteln?
  • liegen die Schmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat vor?
  • Verstärkung durch körperliche Aktivität?
  • Übelkeit/Erbrechen?
  • Einseitig oder beidseitig lokalisiert?
  • Licht-/Geräuschüberempfindlichkeit?
  • Ist ein erhöhter Augeninnendruck bekannt?
  • Verletzungen am Kopf oder an der Halswirbelsäule?
  • Stress? Depressionen? Ängste?

Diagnostik

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Zur diagnostischen Abklärung von Kopfschmerzen und Migräne sind relevant:

  • In der Regel rein klinische Diagnose
  • allgemeinpädiatrische und neuropädiatrische Untersuchung
  • Kopfschmerzkalender
  • Blutdruckmessung
  • evtl. augenärztliches, HNO-ärztliches und zahnärztliches Konsil
  • EEG (unspezifische fokale Verlangsamung)
  • transkranielle Doppler-Sonographie der hirnversorgenden Gefäße
  • MRT/CT/Röntgen zum Ausschluß organischer Ursachen wie Tumore oder HWS-Schädigungen

Klinik

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Kopfschmerzen und Migräne können eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Spannungskopfschmerzen:

  • Über Stunden anhaltender oder dauerhafter Kopfschmerz
  • In der Regel beidseitig lokalisiert
  • Drückender oder dumpfer Schmerz
  • Keine Verschlechterung durch körperliche Aktivität
  • Treten die Schmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat in mindestens 3 aufeinander folgenden Monaten auf spricht man von chronischen Spannungskopfschmerzen
  • Zusätzlich oft Depressionen oder Ängste
  • Übelkeit/Erbrechen kann gelegentlich auftreten

Migräne:

  • unregelmäßig auftretender anfallsweiser Kopfschmerz
  • oft an einer Kopfseite, aber auch beidseits möglich
  • meist 4 bis 48 Stunden
  • Attacken sind bei Kindern oft kürzer als bei Erwachsenen
  • mit und ohne Aura möglich
  • pochend, pulsierend, stechend, quälend
  • bei Bewegung vermehrt
  • Einschränkung der Leistungsfähigkeit
  • begleitend Übelkeit, Erbrechen, Lichtscheu, Lärmempfindlichkeit

Therapie

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Die therapeutischen Möglichkeiten bei Kopfschmerzen und Migräne umfassen folgendes:

leichte Migräne (seltene Anfälle):

  • allgemeine Maßnahmen (Stufe I): Pfefferminzöl (10%) auf Schläfe, Nacken
  • Reizabschirmung
  • Schlaf

schwere Migräne (kein Ansprechen auf allgemein Maßnahmen und Analgetika):

  • Akkuttherapie (Stufe II)
  • Analgetika: Ibuprofen 10 mg/kg KG p.o.; Paracetamol 15 mg/kg KG p.o.
  • bei mangelnden Erfolg: Serotoninrezeptor-Antagonist (> 12 Jahre): Sumatriptan 10-20 mg intranasal
  • und/oder Antiemetika: Metoclopramid 0,1 mg/kg KG als ED; Domperidon 1 gtt/kg KG als ED

schwere Migräne (> 2 Anfälle pro Monat, Anfallsdauer > 48 h, extreme Schmerzintensität, Akkuttherapie nicht wirksam, extreme Begleitsymptomatik, stark prolongierte Aura, Migränekomplikationen):

  • medikamentöse Migräneprophylaxe (Stufe III)
  • Kalzium-Antagonist: Flunarizin 5 mg/kg KG/d
  • Antikonvulsiva: Valproinsäure 20-40 mg/kg KG/d; Topiramat 1-2 mg/kg KG/d
  • Betablocker: Metoprolol 1-2 mg/kg KG/d; Propranolol 1-2 mg/kg KG/d
  • Antidepressiva: Amitryptilin 1-2 mg/kg KG/d
  • verhaltensmedizinische Verfahren sowie andere psychologische Verfahren: Biofeedback, Muskelrelaxation

Spannungskopfschmerzen:

  • Enspannungsverfahren z.B. Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen
  • Mäßiges Ausdauertraining an mindestens 3 Tagen der Woche
  • Antidepressiva z.B. Amitriptylin (1mg/kg KG/d)
  • Magnesium (400mg/d)
  • Analgetika: Flupirtin (6-8 Jahre: 50mg, 9-12 Jahre: 100mg), Paracetamol (6-8 Jahre: 250mg, 9-12 Jahre: 500mg)
  • Physiotherapie
  • TENS (1-2x tgl. 30-40 Min.)
  • Akupunktur
  • Nichtsteroidale Antirheumatika sind für die Langzeittherapie ungeeignet und sollten nicht verwendet werden
  • Der Einsatz von Muskelrelaxantien ist derzeit noch nicht ausreichend untersucht. Bei ausbleibendem Therapieerfolg kann ein Versuch jedoch sinnvoll sein
  • Psychotherapie bei Vorliegen von Depressionen oder Angstzuständen

Komplikationen

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Folgende Komplikationen können bei Kopfschmerzen und Migräne auftreten:

  • Bei der "komplizierten Migräne" halten die neurologischen Ausfälle nach einer Migräneattacke länger als 7 Tage an.
  • Ischämische Insulte können vorkommen.
  • Depressionen und/oder Angstzuständen bei allen chronischen Kopfschmerzen.
  • Kinder können im schulischen und privaten Bereich dauerhaft eingeschränkt werden.

Zusatzhinweise

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Folgende Zusatzhinweise zu Kopfschmerzen und Migräne liegen derzeit vor:

  • Bei Kindern kann die Gabe von ASS ein Reye-Syndrom auslösen und ist somit für die Schmerztherapie in dieser Altersgruppe absolut kontraindiziert

Literaturquellen

Kopfschmerz und Migräne

Bearbeitungsstatus ?

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen