Komplette cervikobrachiale Plexuslähmung

Synonyme: Vollständige Paralyse des Plexus cervicobrachialis

Definition

Komplette cervikobrachiale Plexuslähmung

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Die komplette Plexuslähmung ist eine Läsion der im Plexus brachialis verlaufenden Fasern aus C5 bis Th1 i.S. einer kombinierten oberen und unteren Plexuslähmung unterschiedlicher Genese mit Sensibilitätsstörungen und Muskelatrophien im durch diese Fasern innervierten Bereich.


Ätiologie

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Die Ursachen der kompletten Plexuslähmung sind:

  • akut: Trauma, Armplexusneuritis, Geburtskomplikation
  • chronisch: entzündliche oder neoplastische Raumforderungen (Pancoast-Tumor), radiogene Plexusschädigung, Engpasssyndrome der oberen Thoraxapertur

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zur kompletten Plexuslähmung sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • komplette Plexuslähmung seltener als isolierte obere/untere Plexuslähmung
  • isolierte obere Plexuslähmung (Typ Erb) häufiger als untere (Typ Déjerine-Klumpke)

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der kompletten Plexuslähmung sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • vorausgegangenes Trauma, Bestrahlung?
  • bekannte bösartige Vorerkrankungen?
  • weitere Ausfälle (Schluckstörungen, Heiserkeit, Sehstörungen, Atemnot)?
  • Schmerzen?
  • Sensibilitätstörungen/Lähmungen und deren Ausfallsmuster?
  • Muskelschwund?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der kompletten Plexuslähmung sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Bewegungsumfang/Kraftgrad, Sensibilitätstestung, TSR,BSR,RPR abgeschwächt/erloschen
  • Liquorpunktion: unauffälliger Befund außer bei komplettem Plexusausriss: blutiger Liquor
  • Elektrophysiologie: EMG zur Abgrenzung von proximaleren Wurzelläsionen, evtl. Spontanaktivität, blockierte SSEPs sowie verlängerte Plexusüberleitung bei kompletter Lähmung; NLG verlängert
  • Bildgebung: bei V.a. auf raumfordernden Prozess MRT der Axilla bzw. des cervikalen Rückenmarks, Myelo-CT
  • Schweißsekretionstest: bei Plexusläsionen pathologisch, bei Wurzelläsionen normal (autonome Fasern treten erst nach Spinalganglion hinzu)

Klinik

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Die komplette Plexuslähmung kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Paresen: der Armabduktion und -aussenrotation und der Ellenbogenbeugung sowie der kleinen Handmuskeln und der langen Finger- und Handbeuger,
  • selten N. phrenicus (C4) mitbetroffen → Dyspnoe
  • Sensibilitätstörung: an Schulter, Oberarmaußenseite, radialer Unterarm, ulnarer Fingerseite, ulnarer Handkante und Unterarm
  • Horner-Syndrom relativ typisch (Ptosis, Miosis, Enopthalmus)
  • Ausfall des BSR, des RPR, des TSR und des Trömner-Reflexes
  • evtl. Pfötchenstellung

 


Therapie

Komplette cervikobrachiale Plexuslähmung

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der kompletten Plexuslähmung umfassen folgendes:

Je nach Ursache:

  • zunächst konservativ: Lagerung des Arms auf Abduktionsschiene, passives Durchbewegen; bei ausbleibender Besserung nach 2 Monaten:
  • operative Revision: Resektion komprimierender Raumforderungen (Tumoren, Hämatome)
  • keine Therapie bei radiogenen Läsionen verfügbar

Komplikationen

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Bei der kompletten Plexuslähmung kommen folgende Komplikationen vor:

  • Muskelatrophie
  • Kontrakturen
  • Ateminsuffizienz bei Zwerchfellbeteiligung

Zusatzhinweise

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  • Prognose umso schlechter, je ausgeprägter die Sensibilitätsstörungen und je mehr auch proximal gelegene Schultermuskeln mitbeteiligt sind
  • ungünstige Prognose bei Geburtslähmungen

Literaturquellen

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1. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

2. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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