Kommotionssyndrom

Synonyme: Kommotionssyndrom, Commotio cerebri, leichtes Schädel- Hirn- Trauma

Definition

Kommotionssyndrom

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Das Kommotionssyndrom ist ein leichtes Schädel-Hirn- Trauma und ist definiert durch: kurzzeitige Bewusstlosigkeit oder qualitative oder quantitative Veränderung der Bewusstseinslage < 60 min.

  • Erinnerungslücke ( retro/ anterograde Amnesie) < 24h
  • Fehlen neurologischer Herdsymptome
  • Score der Glasgow Coma Scale 14-15 ( meist 15 )

Ätiologie

Kommotionssyndrom

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Die Ursachen des Kommotionssyndroms sind:

  • meist Kopftrauma entweder durch äußere Gewalteinwirkung oder Unfälle

Epidemiologie

Kommotionssyndrom

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Das Kommotionssyndrom ist relativ häufig.

  • die jährliche Inzidenz liegt bei 180/ 100.000 Einwohner
  • 80 % der in eine Klinik überwiesenen Schädel- Hirn Traumata sind leichtgradig, 10 % mittelschwer und 10 % schwer

Differentialdiagnosen

Kommotionssyndrom

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Anamnese

Kommotionssyndrom

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Beim Kommotionssyndrom sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • vor kurzem erworbenes Kopftrauma?
  • kurzzeitige Bewusstlosigkeit oder qualitative oder quantitative Veränderung der Bewusstseinslage < 60 min?
  • Erinnerungslücke ( retro/ anterograde Amnesie) < 24h?
  • Fehlen neurologischer Herdsymptome?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Kommotionssyndroms sind relevant:

  • cCT, Röntgen- Schädel erforderlich
  • allgemein-körperliche und neurologische Untersuchung
  • EEG nur in ganz frischem Stadium, d.h. innerhalb der ersten Stunden nach dem Trauma, allgemein oder selten auch herdförmig verändert, ohne das dies Schlüsse auf morphologische Veränderungen des Hirngewebes gestattet 
  • CT des Hirnparenchyms ist in der Regel normal
  • selten können aber doch Kontusionsblutungen oder kleinere epi- oder subdurale Hämatome gefunden werden

Klinik

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Das Kommotionssyndrom kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Kardinalsymptom ist die sofort einsetzende Bewusstseinsstörung, tritt meist als Bewusstlosigkeit auf
  • mehrere Minuten nach dem Kopftrauma stellt sich eine Erinnerungsstörung ein, die bist zu 1 Stunde rückwärts reichen kann
  • während dieser Zeit können die Patienten einfache Aufgaben lösen und der neurologische Status ist normal
  • die Erinnerung hellt über 1- 2 Stunden wieder auf
  • Terminalschlaf tritt nicht ein
  • Dauer der Bewusstlosigkeit beträgt zwischen wenigen Minuten und einer Stunde

Schmerzsyndrom

  • Kopfschmerz, Nackenschmerz, Nackensteife

Vegetatives Syndrom

  • Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, orthostatische Dysregulation, distale Hyperhidrose, vegetativer Tremor

sensorisches Syndrom

  • Licht/ Geräuschempfindlichkeit, Geruchs und Geschmacksstörungen

Neurasthenisches Syndrom

  • depressive Verstimmung, neuropsychologische Leistungseinbußen, Reizbarkeit, Schlafstörungen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Kommotionssyndrom umfassen folgendes:

  • bei Schmerzen ist die kurzfristige Gabe von Paracetamol am unbedenklichsten ( Paracetamol Supp. o. Tbl. 3 mal 500mg/ Tag oder Metamizol- Natrium 1-bis 4 mal 1-2 Tbl. a. 500mg)
  • ab dem dritten Tag sind auch Acetylsalicylsäure (ASS) 1000mg/ Tag oder Diclofenac 3-mal 50mg/ Tag möglich
  • bei anhaltenden Schmerzen mit der Gefahr einer Chronifizierung empfiehlt sich unter Umständen die Verordnung eines trizyklischen Antidepressivums ( z.B. Amitriptylin initial 25, dann 50 bis 75 mg zur Nacht), eventuell auch Physiotherapie
  • dagegen ist die dauerhafte Gabe konventioneller Schmerzmittel kontraindiziert, ein analgetikainduzierter Dauerkopfschmerz ist viel zu häufig die Folge eines solchen Behandlungsfehlers

Komplikationen

Kommotionssyndrom

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Beim Kommotionssyndrom kommen folgende Komplikationen vor:

  • retrograde Amnesie
  • Erbrechen
  • Übelkeit

Zusatzhinweise

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  • meist von vestibulären Symptomen begleitet: Schwindel, Erbrechen, Nystagmus
  • diese Symptome allein gestatten nicht die Diagnose einer Hirnbeteiligung, da sie auch durch eine Commotio labyritnhi verursacht sein können
  • eine leichte kochleäre Schädigung lässt sich durch überschwellige Hörprüfung nachweisen

Literaturquellen

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  • Poeck,Hacke,Neurologie,Springer Verlag
  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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