Keloide

Synonyme: fibroblastische Diathese, Narbengeschwulst, Wulstnarbe

Definition

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Keloide entstehen durch übermäßige Neubildung von Bindegewebe mit überschießender Synthese von Matrixproteinen bei Verletzungen oder Entzündungen der Haut. Die Keloide sind als benigne Tumoren zu klassifizieren und breiten sich über die ursprünglich verletzten Hautareale hinaus.


Ätiologie

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Prävalenz

  • höchste Prävalenz in jungen Lebensjahren
  • Familiäre Häufung
  • Rassendisposition (Farbige)

Epidemiologie

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Differentialdiagnosen

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Anamnese

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  • Frühere unphysiologische Narbenbildung
  • Serome oder Hämatome im Wundbereich
  • fehlende Entlastung der Wunde durch Drainagen
  • infizierter Operations- , bzw. Wundbereich
  • postoperative Wundinfektion mit Wundruptur
  • fehlende Subkutannaht, dadurch erhöhte Spannung
  • Fremdkörper in der Wunde
  • Fehlerhafte Intrakutannaht mit Wunddehiszenzen
  • ungeeignetes (zu dickes) Nahtmaterial
  • fehlerhafte Hautschnittführung, d.h. Hautinzisionen nicht in den Hautspaltlinien
  • Stoffwechselstörungen (Hypoalbuminämie, Hypovitaminosen, Diabetes)
  • Zytostatikaeinnahme
  • Faktor-XIII-Mangel
  • Teilweise von Verletzung unabhängige Entstehung bei Bindegewebserkrankungen (z.B. bei Sklerodermie)

Diagnostik

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i.d. R. Blickdiagnose (s. Klinik)


Klinik

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  • Bevorzugte Lokalisation: Brustbereich, bes. Sternum, Ohren, Schultern, Decolleté
  • verzweigte Wucherungen von bandartigem oder knolligem Aussehen.
  • an den Randpartien häufig krebsscherenartige Ausläufer in das gesunde Gewebe
  • Geschwulst wächst immer über ursprüngliche Läsion hinaus (s. Differentialdiagnose hypertrophe Narbe)
  • Glatte Oberfläche, meist von narbenartigem Aussehen, vielfach von feinen Gefäßen durchzogen, sehr empfindlich und leicht verletzbar
  • häufig dunklere bzw. rötliche Verfärbung
  • häufiger Beschwerden durch spontanen Schmerz, Juckreiz, Spannungsgefühl, Brennen,Druckempfindlichkeit

Therapie

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Operative Therapie

  • Operative Narbenkorrekturen bei Keloiden in sichtbaren Körperbereichen, z.B. am Hals oder an den Ohrläppchen sowie bei therapieresistenten Fällen
  • Wundverschluss mit Z- oder W-Plastiken, „flap repair“, „skin graft“ oder Lappenplastiken
  • alleinige operative Entfernung wegen der hohen Rezidivneigung obsolet!
  • Nach chirurgischer Exzision immer zusätzlich einige der folgenden Maßnahmen durchführen!

Therapie mit Medikamenten, Gelen und Salben

  • Ein Narbenspezifikum in Gelform bestehend aus Extractum Cepae (Zwiebelextrakt), Allantoin und Heparin-Natrium wirkt antiproliferativ durch Hemmung der Fibroblasten, antiphlogistisch und glättend auf Narbengewebe. Therapie frühzeitig beginnen, um eine erneute Bildung von Keloiden zu verhindern.
  • Wirksamkeitsverstärkung des Narbenspezifikums bei Kombination mit Ultraschall
  • Kombination des Narbengels mit jeder anderen Therapie möglich
  • Intraläsionale Injektion von Kortikosteroiden (z.B. Narbeninfiltration mit 10%iger Triamcinolon-Kristallsuspension). Nicht mit Lokalanäshetikum verdünnen, da sonst weniger wirksam
  • Unmittelbarer Einsatz von Imiquimod nach der Operation , einmal täglich einreiben. Die auftretende Entzündungsreaktion mit Brennen ist für die Wirkung wesentlich!
  • Injektion von Verapamil (2,5 mg/ml) direkt nach der Keloidexzision in die Wundränder, Wiederholung an den Tagen 7, 14, 28, 56

Kompressions- oder Drucktherapie

  • Durch Verminderung der Durchblutung Verlangsamung des Stoffwechsels im Narbengewebe
  • Unterbrechung der Drucktherapie von max. 30 Minuten pro Tag
  • Durchführung mittels spezieller Bandagen oder Kompressionskleidung,
  • Nachteil: Behandlungsdauer zwischen 6 Monaten und 2 Jahren.

Kryotherapie:

  • oberflächliche Vereisung narbiger Hautbereiche mit einer speziellen Sonde
  • die Kälte bewirkt Zellschädigung, verminderte Kapillardurchblutung, Thrombosierung und ischämische Nekrose.
  • Abgestorbenes Gewebe später vorsichtig ablösen, wodurch die Narbe zunehmend flacher wird
  • Erfolgsquote bei 64% aller Keloide.
  • Während der Behandlung Schmerzausschaltung mittels Lidocain-/Prilocain-Salbe

Silikongelfolien:

  • Silikon bewirkt durch Hydratation der Narbe eine Reduktion der Angiogenese und somit auch eine verminderte Produktion von Kollagen.
  • Rote und dunkle Narben werden blasser
  • Juckreiz und Spannungsgefühl lassen schon nach wenigen Tagen nach.

Lasertherapie:

  • Laserstrahlenbewirken ein Absterben der Zellen, die Narbe schrumpft und die Haut strafft sich.
  • Kombinationstherapie von Er:YAG-Laser-Behandlung plus Kompression
  • CAVE: keine alleinige Behandlung mit Laser, da Rezidivinduktion infolge der Überhitzung des umgebenden Gewebes

Bestrahlung:

  • nach Exzision Bestrahlungen in niedrigen Dosen mit dreimal 400 cGy oder einer Gesamtdosis von 1000-1600 cGy in mehreren Einzeldosen
  • Erfolgsquoten von 88 -99%.
  • Bestrahlungen in der frühen postoperativen Phase (innerhalb der ersten 48 Stunden nach Entfernung)

Geeignete Kombinationstherapien:

  • Narbenspezifikum und Kortikosteroide
  • Narbenspezifikum und Ultraschall
  • Narbenspezifikum und Druckverbände
  • Kryotherapie und Narbenspezifikum

Prophylaxe

Eine Narbenprophylaxe kann prä, intra- und postoperativ erfolgen.

  • Bei elektiven und ästhetischen Operationen anamnestisch Risikofaktoren erfassen.
  • Intraoperativ auf spannungsfreie Naht achten
  • bei großen und tiefen Wunden alle Strukturen (Faszie, Muskulatur und Unterhautgewebe) exakt adaptieren.
  • Immer Prävention bei Operationen im Brust-, bes.im prästernalen Bereich
  • Wunden sachgerecht exzidieren und reinigen
  • Gewebsquetschungen vermeiden
  • Wundränder vor Wundverschluss spannungsfrei adaptieren
  • Atraumatisches Nahtmaterial und geeignete Nahttechniken verwenden.
  • Postoperativ Fäden nicht zu früh entfernen
  • Auf ausreichende Wundpflege achten, (keine Austrocknung der Wunde, Narbe elastisch halten)

Vorgehen bei Risikopatienten:

  • nach Abschluss der Wundheilung mit konservativen Methoden (Gele, Salben Cremes) und/oder mit Druckkompression behandeln
  • evtl. Bestrahlungen in der frühen postoperativen Phase (s. Therapie)

Komplikationen

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Zusatzhinweise

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Literaturquellen

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  1. My-CME: Basiskurs für Ärzte: Narben. Zertifiziert von der Bayerischen Ärztekammer
  2. Willital G.H. Narbenbehandlung – ein Update. Ästhetische Dermatologie 2009;1: 1-6
  3. Worret, WI, Vogt, HJ. Narbentherapie in der Dermatologie.Dtsch Arztebl 2004; 101:A 2819–2824
  • (2007) Petres, Rompel - Operative Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Springer
  • (2009) Rassner G - Dermatologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  • (2009) Fritsch P - Dermatologie und Venerologie für das Studium - Springer
  • (2007) Altmeyer P - Dermatologische Differenzialdiagnose, Der Weg zur klinischen Diagnose - Springer
  • (2005) Braun-Falco O, Plewig G, Wolff HH, Burgdorf WHC, Landthaler M - Dermatologie und Venerologie - Springer, Heidelberg
  • (2003) Jung E, Moll I - Dermatologie - Thieme, Duale Reihe

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