Juvenile myelozytäre Leukämien

Synonyme: JMML, MDS/MPN, Blutkrebs

Definition

Juvenile myelozytäre Leukämien

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Die juvenile myelomonozytäre Leukämie (JMML) wird zu den myeloprolifertiven / myelodysplastischen Erkrankungen (MDS/MPN) des frühen Kindesalters gezählt. Es handelt sich um eine Neoplasie der hämatopoetischen Stammzellen mit exzessiver Vermehrung von myeloischen und monozytären Zellen in Knochenmark und Blut.


Ätiologie

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Mögliche Ursachen einer juvenilen myelozytären Leukämie können sein [4]:

  • genetische Veränderungen in 80 % der Fälle
  • 20% Patienten mit Neurofibromatose-1
  • 25% Mutationen in den Ras-Onkogenen
  • 30 % PTPN11-Mutationen
  • Noonan-Syndrom bei Säuglingen
  • keine exogenen Ursachen bekannt (10% JMML bei Säuglingen < 3 Monate → V.a. angeborene Erkrankung)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der juvenilen myelozytären Leukämie liegen folgende Daten vor [4]:

  • mittleres Erkrankungsalter: 2 Jahre
  • gehäuft bei Säuglingen
  • m > w
  • 0,6 Fälle / 1 Million Kinder /Jahr (Studie in Grossbritanien)

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der juvenilen myelozytären Leukämie sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Müdigkeit /Apathie?
  • Fieber?
  • Schwäche?
  • Gewichtsverlust?
  • Blässe?
  • Husten?
  • vermehrte Infekte? 
  • spontane Entstehung von Hämatomen? Petechien?
  • vorgewölbter Bauch (Hepato-, Splenomegalie)?
  • Lymphkonotenschwellungen?
  • Hautveränderungen (Ausschläge, 6 oder mehr Cafe au lait-Flecken, 2 oder mehr knotige Verdickungen/Fibrome)? 
  • Sehstörungen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der juvenilen myelozytären Leukämie sind relevant:

  • Anamnese durch die Eltern 
  • körperliche Untersuchung (Hepato-, Splenomegalie?, Lymphknotenstatus, Hautveränderungen, Gewicht)
  • Labor (BB mit Diff-BB: Leukozytose, Monozytose > 1x 109/l,  <20% Blasten und Promonozyten, Anämie, Thrombozytopenie )
  • Knochenmarkspunktion mit Zytologie, Zytogenetik und Histologie (absolute Monozytose, <20% Blasten und Promonozyten, kein Philadelphia Chromosom , kein BCR-ABL-Fusionsgen)
  • chromosomale Veränderungen
  • Sonographie des Abdomens
  • evtl. Computertomographie Thorax und Abdomen 

Diagnosekriterien der JMML [4]:

Alle 3 Kriterien erforderlich:

  • Kein Philadelphia-Chromosom oder BCR/ABL-Fusionsgen.
  • Monozytose im peripheren Blut >1 x 109/L.
  • < 20% Blasten (inkl. Promonozyten) im Blut und im Knochenmark

2 oder mehr der Kriterien erforderlich:

  • Hämoglobin F ↑
  • Unreife Granulozyten und kernhaltige rote Zellen im Blut nachweisbar
  • Konzentration der weissen Blutkörperchen >1 x 109/L.
  • Klonale Abnormalität in den Chromosomen nachweisbar 
  • GM-CSF -Hypersensitivität von myeloiden Progenitorzellen in vitro nachweisbar 

Klinik

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Bei der juvenilen myelozytären Leukämie können folgende Symptome auftreten:

  • Müdigkeit /Apathie
  • Fieber
  • Schwäche
  • Gewichtsverlust
  • Blässe
  • Husten
  • vermehrte Infekte 
  • spontane Entstehung von Hämatomen, Petechien
  • vorgewölbter Bauch (bei Hepato-, Splenomegalie)
  • Lymphkonotenschwellungen
  • Hautveränderungen (Ausschläge, 6 oder mehr Cafe au lait-Flecken, 2 oder mehr knotige Verdickungen/Fibrome)? 
  • Sehstörungen (bei Optikusgliom/ Neurofibromatose-1)
  • Hyperpigmentierung von Axilla und Leisten (NF-1)
  • Wirbelsäulenskoliose, Tibiaverkrümmung (NF-1)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei juveniler myelozytärer Leukämie umfassen:

  • Therapie in spezialisierten Zentren durch Hämatologen
  • frühzeitiger Einsatz von Breitbandantibiotika und ggf. Immunglobulinen bei Infekten
  • Evtl. Erythrozytensubstitution
  • Evtl. Thrombozytensubstitution
  • Impfungen (v.a. Pneumokokken und Hämophilus influenzae)
  • es existieren keine speziellen Chemotherapie-maßnahmen bei JMML, die Chemotherapie dient nicht der Heilung, sondern erfolgt palliativ, Chemotherapie-Schemata mit z.B. 6-Mercaptopurin, Fludarabin-Cytarabin und 13-cis-Retinolsäure [4]
  • Evtl. Splenektomie oder Milzbestrahlung
  • Stammzelltransplantation (einzige Möglichkeit der Heilung)

Komplikationen

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Bei der juvenilen myelozytären Leukämie können folgende Komplikationen vorkommen:

  • schwere Infektionen 
  • Sepsis
  • Multiorganversagen
  • Blutungskomplikationen

Zusatzhinweise

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Myelodysplastische / myeloproliferative Syndrome (MDS/MPN):

  • chronisch myelomonozytäre Leukämie (CMML)
  • juvenile myelomonozytäre Leukämie (JMML)
  • atypische BCR-ABL negative-chronisch myeloische Leukämie (atypische CML)
  • unklassifizierbare myelodysplastische-myeloproliferative Syndrome (unklassifiezierbare MDS/MPN)

Ohne Therapie verläuft die JMML tödlich, eine Heilung ist - auch nach einem Rückfall- durch eine Stammzelltransplantation (Überlebensrate 50 %) möglich [4].


Literaturquellen

Juvenile myelozytäre Leukämien

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  2. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  3. (2000) Feil, Bertram: Genexpression des Adaptorproteins Shc bei Patienten mit Juveniler Myelomonozytärer Leukämie (JMML). Dissertation. Medizinische Fakultät und Universitätsklinikum Freiburg
  4. www.jmmlfoundation.org: Juvenile Myelomonocytic Leukemia: Alles über JMML

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