Intrazerebrales Hämatom

Synonyme: cerebrale Kontusionsblutung

Definition

Intrazerebrales Hämatom

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Das intrazerebrale Hämatom ist eine durch mechanische Gewalteinwirkung auf den Schädel und das Gehirn entstandene im Hirnparenchym gelegene Blutansammlung.


Ätiologie

Intrazerebrales Hämatom

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Die Ursachen des intrazerebralen Hämatoms sind:

  • Schädel-Hirn-Traumata jeder Art

Pathogenese:

  • Einreißen tiefer gelegener kleiner Hirngefäße, meist in Kontusionszonen des Frontal- und Temporalhirns
  • besonders gefährdet sind Patienten mit Störungen der Blutgerinnung bzw. unter therapeutischer Antikoagulation
  • Auftreten immer mit Hirnkontusion und oft mit traumatischen Sub- oder Epiduralblutungen

Epidemiologie

Intrazerebrales Hämatom

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Das intrazerebrale Hämatom ist relativ selten.

  • bei 1-5% aller Schädel-Hirntraumata
  • Männer sind häufiger betroffen als Frauen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Intrazerebrales Hämatom

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Beim intrazerebralen Hämatom sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • vorangegangenes Trauma?
  • Kopfschmerzen?
  • Sehstörungen?
  • Übelkeit und Erbrechen?
  • fokale Ausfälle?
  • Bewusstseinsverlauf seit Trauma (evtl. Fremdanamnese)?
  • epileptische Anfälle?
  • bekannte Vorerkrankungen (Gerinnungsstörungen)?
  • Medikamentenanamnese?

Diagnostik

Intrazerebrales Hämatom

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Zur diagnostischen Abklärung des intrazerebralen Hämatoms sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Perimetrie, Meningismuszeichen, Kraftprüfung, Reflexe, H.a. fokalneurologische Defizite, Vigilanzprüfung nach GCS
  • bildgebende Verfahren: cCT mit hyperdenser Raumforderung im Parenchym, H.a. traumatisch bedingte Begleitverletzungen (Frakturen); Rö-HWS
  • Liquorpunktion: bei V.a. intraventrikuläre Blutung bzw. traumatische Subarachnoidalblutung
  • Labor: Blutbild, Gerinnungsstatus

Klinik

Intrazerebrales Hämatom

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Das intrazerebrale Hämatom kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Erbrechen und Übelkeit
  • Hemiparese
  • Blutdruckanstieg
  • Atemstörungen
  • Bewusstseinstrübung
  • weite lichtstarre Pupillen als Zeichen des ansteigenden Hirndrucks/beginnender Dezerebration

NB: Evtl. freies Intervall wie bei epiduralen Hämatomen!


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim intrazerebralen Hämatom umfassen folgendes:

  • konservativ abwartende Therapie unter Intensivüberwachung: bei kleineren, nicht-raumfordernden Hämatomen
  • neurochirurgische Therapie: Kraniotomie und Entlastung, wenn irgend möglich, insbesondere bei klinisch zunhehmendem Hirndruck (dann Raumforderung bereits 25 cm3) tief liegende Hämatome > 2 cm werden stereotaktisch punktiert
  • Optimierung des Gerinnungsstatus: evtl. FFP, Vitamin K-Präparate

Komplikationen

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Beim intrazerebralen Hämatom kommen folgende Komplikationen vor:

  • Ventrikeleinbruch mit Hydrocephalus occlusus und Hirndrucksteigerung

Zusatzhinweise

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  • intrazerebrale Hämatome können sich auch noch Tage nach der primären Verletzung entwickeln bzw. deutlich größenprogredient sein

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Bruch H-P, Trentz O (2006) – Berchthold – Chirurgie – Elsevier GmbH, München

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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