Intraventrikuläre Hämorrhagie

Synonyme: Intraventrikuläre Blutung, IVH

Definition

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • ein häufiges Problem Frühgeborener < 1500 g (< 32. Gestationswoche) stellt die Entwicklung einer Hirnblutung dar
  • bei 40% dieser Risikopatienten lassen sich Blutungen unterschiedlichen Ausmaßes nachweisen

Ätiologie

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • IVH sind noch immer eine der schwerwiegensten Komplikationen bei Frühgeborenen
  • sie entsteht idR in den ersten Lebenstagen, mit einem Maximum am 3. Tag nach der Geburt
  • ist umso häufiger, je unreifer das Frühgeborene ist
  • so werden häufiger Blutungen bei Azidose, arterieller Hypotension, Amnioninfektionssyndrom und angeborener Sepsis sowie natürlich bei traumatischen Einwirkungen, z.B. bei der Entbindung des Kindes aus Beckenendlage, gefunden
  • Blutungsgerinnungsstörungen werden nicht als prädisponierende Faktoren für eine IVH angenommen

Epidemiologie

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • höhergradige Hirnblutungen kommen in ca. 6-10% der Fälle vor
  • IVH sind nach einem Reifealter von 34 SSW eher selten und meistens mit Blutungsgerinnungsstörungen (Vitamin-K-Mangelblutungen) assoziiert

Differentialdiagnosen

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • Inspektion
  • Sonographie
  • Atemstillstand?
  • Bewegungsarmut?
  • schlaffe Parese der gesamten Skelettmuskulatur?
  • vorgewölbte Fontanelle?
  • Blutdruckabfall?
  • Temperaturstörungen?
  • metabolische Azidose?
  • generalisierte Krampfanfälle?
  • Hämatokritabfall?

Diagnostik

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • die IVH lässt sich leicht sonographisch diagnostizieren
  • Einteilung in 4 Grade
  • Grad I: handelt sich im eigentlichen Sinne nicht um eine intraventrikuläre Blutung, sondern um eine, die sich nur auf das Stratum germinativum selbst beschränkt und nicht in den Seitenventrikel einbricht
  • Grad II: hier handelt es sich um eine IVH, da jetzt Blut im Seitenventrikel sichtbar ist
  • Grad III: Fortsetzung von Grad II, wenn mehr als die Hälfte des Ventrikellumens  mit Blut gefüllt ist und zur Dilatation des Ventrikels gekommen ist
  • Grad IV: hier leigt neben der intraventrikulären Blutung auch eine Parenchymblutung periventrikulär vor, wleche die Folge einer Stauungsblutung aus dem Stromgebiet der Vena terminalis ist
  • deshalb ist die Grad IV-Blutung keine Fortsetzung der Grad III-Blutung, sondern kann auch bei einer ausgedehnten subependymlaen Hämorrhagie vorkommen, die zu einer Kompression der Vena terminalis führt

Klinik

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • geringgradige Blutungen können asymptomatisch verlaufen
  • das Spektrum der akuten schweren Blutung umfasst:
  • Atemstillstand
  • Bewegungsarmut
  • schlaffer Parese der gesamten Skelettmuskulatur
  • vorgewölbter Fontanelle
  • Blutdruckabfall
  • Temperaturstörungen
  • metabolischer Azidose
  • generalisierten Krampfanfällen
  • nach einiger Zeit ist häufig ein Hämatokritabfall zu verzeichnen

Therapie

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  • eine spezifische Therapie gibt es nicht
  • akute neurochirurgische Interventionen sind nicht möglich
  • deshalb beschränken sich alle bisherigen Maßnahmen auf die Prävention der Blutung durch die richtige Wahl eines möglichst schonenden Entbindungsmodus und eine postnatale Behandlung des Frühgeborenen unter Vermeidung von physiologischen Stress (Minimal Handling) und unter Aufrechterhaltung der Homoiostase
  • die postnatale Gabe von Phenobarbital zur Prävention einer Blutung hat keine positiven Auswirkungen auf Häufigkeit oder Schweregrad und führt im Gegenteil eher noch zu einer häufigeren Notwendigkeit einer maschinellen Beatmung, die selbst mit mehr Hirnblutungen assoziiert ist
  • die Gabe von Indomethacin in einer prophylaktischen Dosis führte in einer randomisierten Studie zur Reduktion der Inzidenz von IVH
  • in einer weiteren Studie wurde dieser Effekt bestätigt, jedoch konnte ein positiver Effekt der Indomethacinprophylaxe auf das neurologische Outcome der behandelten Frühgeborenen letztendlich nicht nachgewiesen werden
  • so dass eine generelle Empfehlung nicht gegeben wird
  • ob gerinnungshemmende Substanzen geeignet sind, Hirnblutungen beim Frühgeborenen zu verhindern oder deren Progression zu beeinflussen, ist in der Diskussion

Komplikationen

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?

Die Informationen für diesen Bereich werden derzeit von unseren med2click-Autoren erstellt.


Zusatzhinweise

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?

Prognose:

  • auch niedriggradige Hirnblutungen können zu einer Einschränkung der psychomotorischen Entwicklung führen
  • bei ihnen scheint die Hirnentwicklung gehemmt
  • bei höhergradigen Hirnblutungen ist die Hirnschädigung evident, da es zu einer zumindest zeitweiligen Ventrikeldilatation mit Druckschädigung des Gewebes oder zu einer deutlich sichtbaren Läsion des Hirnparenchyms kommt

Literaturquellen

Intraventrikuläre Hämorrhagie

Bearbeitungsstatus ?
  1. R. Korinthenberg - Neuropädiatrie: evidenzbasierte Therapie - Urban u. Fischer
  2. B. Koletzko - Kinderheilkunde und Jugendmedizin - Springer Verlag

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen