Intrauteriner Fruchttod

Synonyme: IUFT, Absterben des Fetus

Definition

Intrauteriner Fruchttod

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Intrauteriner Fruchttod [1;2]

  • Tod des ungeborenen Kindes nach dem 6. Schwangerschaftsmonat
  • Nach §31 des Gesetzes gilt ein Kind als tot geboren, wenn nach der Geburt weder das Herz schlägt noch die Nabelschnur pulsiert oder eine natürliche Lungenatmung einsetzt. Das Gewicht muß nach §21 Abs.2 mindestens 500g betragen. Eine Mitteilung an das Standesamt muß spätestens am folgenden Werktag erfolgen.
  • Beträgt das Gewicht unter 500g, handelt es sich nach dem Gesetz um eine Fehlgeburt. Diese wird dann auch nicht im Personenstandsregister geführt.

Ätiologie

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Mögliche Ursachen für einen Intrauterinen Fruchttod [1]

  • Hypoxie bei Plazentainsuffizienz
  • Intrauterine Infektionen
  • Fehlbildungen
  • Nabelschnurkomplikationen
  • Vorzeitige Plazentalösung
  • Morbus haemolyticus fetalis

Epidemiologie

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Epidemiologische Erhebungen zum Intrauterinen Fruchttod liegen derzeit nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Anamnese bei V.a. Intrauterinen Fruchttod

  • In welcher SSW befindet sich die Patientin?
  • Wann fand die letzte Schwangerenvorsorgeuntersuchung statt?
  • Wurden dabei Auffälligkeiten festgestellt?
  • Wie war der Verlauf der Schwangerschaft?
  • Wie war der Gewichtsverlauf der Schwangeren?
  • Hatte die Patientin Infektionen während der Schwangerschaft?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen der Patientin?
  • Wie werden sie behandelt?
  • Wieviele Schwangerschaften und Geburten hatte die Patientin?
  • Wie verliefen diese?
  • Gab es Fehlgeburten oder Todgeburten?
  • Sind die geborenen Kinder gesund?
  • u.U. welche Behinderungen liegen vor?
  • Gibt es bekannte Fehlbildungen oder Behinderungen in der Familie?
  • Hat die Patientin Kindsbewegungen?
  • Wann hat sie die letzten Kindsbewegungen verspürt?
  • Hat sie überhaupt Kindsbewegungen wahrgenommen?

Diagnostik

Intrauteriner Fruchttod

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Diagnostik bei V.a. Intrauterinen Fruchttod [1;3;4;5]

1. Klinik (u.a. keine Kindsbewegungen mehr)

2. Sonographie mit der Fragestellung nach

  • Feststellung der Herztätigkeit?
  • Gravierende Fehlbildungen?
  • Feststellung von Kindsbewegungen?

3. Doppler- Sonographie mit der Fragestellung nach

  • Fehlbildungen?
  • Blutströmungsmuster?
  • Herzaktivität meßbar?

4. Körperliche Untersuchung

Leopold´sche Handgriffe (1894)

  • Sensitivität 88% [5]
  • Spezifität 94% [5]
  • 1. Leopold Handgriff: Fundusstand, Poleinstellung im 2. und 3. Trimenon
  • 2. Leopold Handgriff: Stellung der Rückens und kleiner Teile
  • 3. Leopold Handgriff: Poleinstellung, wenn vorangehender Teil noch nicht ins Becken eingetreten; Ballotement (Kopf pendelt hin und her) [6]
  • 4. Leopold Handgriff: Art und Höhenstand des vorangehenden Teiles, wenn Kopf im Becken

Zangenmeister Handgriff

  • Auch als 5. Leopold Handgriff bezeichnet
  • Missverhältnis mütterliches Becken zu kindlichem Kopf

Klinik

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Klinisches Bild des Intrauterinen Fruchttodes: [1]

  • Keine Kindsbewegungen mehr, auch in Sonographie
  • Keine Herzaktivität mehr nachweisbar in der Sonographie
  • Verringerung des Körpergewichts der Schwangeren
  • Verminderung des Bauchumfangs
  • Rückgang schwangerschafsbezogener Symptome wie Übelkeit, Brustspannen etc.
  • Fundusstand (Leopold´sche Handgriffe) geht zurück

Therapie

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Vorgehen bei  Intrauterinem Fruchttod [1;2;7]

Bei gewünschter Karyotypisierung:

  • zeitgleich, aber vor der vaginalen Geburt, da zu diesem Zeitpunkt eine höhere Wahrscheinlichkeit für den Erhalt aussagekräftigen Materials besteht

Einleitung der vaginalen Geburt:

  • Vorbereitung der Zervix mit Prostaglandinen z.B. Gemeprost 1mg vaginal alle 3h, max. 5mg /24h. Abwägen bei Patientinnen mit vorangegangener Sectio, da hier ein erhöhtes Risiko einer Uterusruptur besteht. [8] (evtl. um eine erneute Sectio bei intrauterinem Fruchttod zu vermeiden)
  • Dann Weheninduktion mit z.B. Solproston 1,0-8,3 μg/min. i.v.; nach Wirkung regulieren, jedoch max. 1500 μg in 24h
  • Evtl. Periduralanästhesie
  • vorher: Bestimmung von Fibrinogen, Thrombozyten und PTT wegen der Gefahr einer Koagulopathie

im 3. Trimenon:

  • erst Misoprostol vaginal
  • Einleitung mit Oxytocin in üblicher Dosierung

Wenn keine Einleitung einer vaginalen Geburt gewünscht wird, kann evtl. auch abgewartet werden: bei 80-80% der Patientinnen setzen innerhalb von 2 Wochen Wehen ein. Cave: bei längerem Abwarten erhöht sich das Risiko einer Koagulopathie (s. Komplikationen)


Komplikationen

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Mögliche Komplikationen des Intrauterinen Fruchttodes [1]

  • Dead fetus syndrom: gerinnungsaktivierende Substanzen induzieren bei der Mutter eine Verbrauchskoagulopathie. Meist nach 4 Wochen oder früher nach Versterben des Fetus.

Zusatzhinweise

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Zur Zeit gibt es keine Zusatzhinweise zum intrauterinen Fruchttod.


Literaturquellen

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  1. Gynäkologie und Geburtshilfe; Stauber, Weyerstahl, 2001 Thieme Verlag
  2. Bundesministerium der Justiz; §31 Lebendgeburt, Totgeburt Fehlgeburt
  3. Leitlinie der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.(DGGG), Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht: Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge, Register Nr. 015/044, Stand August 2010
  4. Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für maternofetale Medizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Doppler- Sonographie in der Schwangerschaft, Register Nr. 015/019, Stand 07/2008
  5. Studie: Accuary of Leopold maneuvers in secreening for malpresentation: a prospective study by Lydon- Rochelle, Albers, Gorwoda, Craig, Qualls, Birth. 1993; 20(3):132-5
  6. Lageanomalien bei Beckenendlage, Hebammenschule am KSSG, Dr. P. Böhi, 2006
  7. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  8. Lydon-Rochelle M, Holt VL, Easterling TR, Martin DP (2001): Risk of uterine rupture during labor among women with a prior cesarean delivery. N Engl J Med. 345(1):3.

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