Intrauterine Wachstumsretardierung

Synonyme: IUW; intrauterine Mangelentwicklung, Small for gestational age , pränatale Dystrophie, IUGR

Definition

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Intrauterine Wachstumsretardierung [1;2]

  • Bezeichnung für Neugeborene, die für ihr Gestationsalter zu klein sind, bzw. intrauterin gemessen wurden („Small for gestational age“, SGA). Das Geburtsgewicht liegt hierbei unter der 10. Perzentile.
  • Die intrauterine Wachstumsretardierung ist nicht unbedingt mit einem pathologischen Wachstum gleichzusetzen. Sie kann auch einfache genetische Ursachen (Größe der Mutter) haben.

Ätiologie

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Mögliche Ursachen für eine Intrauterine Wachstumsretardierung [1;2]

Mutter

  • Hypertonus
  • Präeklampsie
  • Schwere Anämie
  • Diabetes mellitus
  • chronische Nierenerkrankungen
  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Ess- Brechstörungen
  • Nikotinabusus
  • Medikamenten- oder Drogenabusus
  • Aufenthalt in großer Höhe, Sauerstoffmangel
  • Plazentainsuffizienz
  • Vorzeitige Plazentalösung
  • Placenta praevia
  • Gestörte Plazentation

Fetus

  • Fehlbildungen
  • Chromosomenstörungen, z.B. Trisomien Trisomie 21
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Intrauterine Infektionen
  • Strahlenexposition

Epidemiologie

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Aktuell sind keine Daten zur Epidemiologie zur Intrauterinen Wachstumsretardierung vorhanden.

Differentialdiagnosen

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Anamnese

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Anamnese bei V.a. Intrauterine Wachstumsretardierung

  • In welcher SSW befindet sich die Patientin (Mutterpass)?
  • Weiß sie das nicht genau: Wann war der erste Tag der letzen Regelblutung? (Dann Berechnung nach der Naegele- Regel)
  • Wurden regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt?
  • Wann wurde die letzte Ultraschalluntersuchung durchgeführt?
  • Wurde bei den letzten Untersuchungen der V.a. auf ein „zu kleines“ Kind geäußert?
  • Wurden weitere Maßnahmen ergriffen und welch waren das?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen der Patientin?
  • Welche sind das und wie werden sie ggf. behandelt?
  • Ist das die erste Schwangerschaft der Patientin?
  • Wie viele Schwangerschaften  und Geburten gab es vorher?
  • Wurden die Kinder gesund geboren?
  • Wenn nicht: welche Erkrankungen habe sie?
  • Gibt es einen Hinweis auf genetische Störungen?
  • Ggf.: Hatte die Patientin Fehlgeburten?
  • Wie viele waren es?
  • Wurde hierbei der V.a. eine genetische Störung geäußert und wurde eine genetische Beratungsstelle aufgesucht?
  • Wie war der Gewichtsverlauf der Patientin in der Schwangerschaft?
  • Wie war das Ausgangsgewicht?
  • Wie groß ist die Patientin?
  • Wie groß ist der Vater des Kindes?
  • Raucht die Patientin?
  • Trinkt die Patientin regelmäßig Alkohol?
  • Nimmt sie regelmäßig oder unregelmäßig Medikamente ein?
  • Welche sind das und in welcher Dosierung?
  • Nimmt die Patientin Drogen?
  • Welche sind das?
  • Gibt es in der Familie Hinweise auf genetische Störungen?

Diagnostik

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Diagnostik bei V.a. eine Intrauterine Wachstumsretardierung [1;2;3;4;5]

1. Gestationsalter feststellen

  • Naegele- Regel (erster Tag der letzten Regel + 7 Tage - 3 Monate + 1 Jahr = ET)
  • Mutterpass

2. Körperliche Untersuchung

  • Messung des Symphysen- Fundusabstandes  (Größenbestimmung), falls bereits möglich

3. Sonographie und Doppler- Sonographie

  • Normalerweise ca. 10., 20. und 30. SSW
  • Erkennung von Fehlbildungen; dann ggf. weitere Diagnostik
  • Fetale Gewichtsschätzung: Messung von Kopf- und Abdomenumfang
  • Ponderal- Index: Geburtsgewicht (g) / Geburtslänge (cm)³ x 100 soll zwischen 1,1-1,4 sein
  • Beurteilung der fetalen Herzfrequenz
  • Beurteilung bei V.a. Herzfehler
  • Beurteilung der fetalen Versorgung
  • Beurteilung der Fruchtwassermenge (AFL soll mind. 15 cm betragen)

4. evtl. CTG

  • Beurteilung der Herztöne des Kindes
  • Ggf. Wehenaufzeichnung

5. Ggf. Chordozentese

  • Nabelschnurpunktion
  • Fetalblutanalyse mit Karyotypisierung
  • BGA
  • Diagnostik von Infektionen
  • Cave: Abortrate von 0,3- 1,9%

6. Labor

  • Evtl. verminderte Östriolkonzentration der Mutter

Klinik

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Klinische Zeichen bei Intrauteriner Wachstumsretardierung [1;2]

  • Symphysen- Fundusabstand vermindert
  • Geringe Gewichtszunahme, v.a. im 3. Trimenon
  • Kleiner Bauchumfang (relativ)
  • Intrauteriner Wachstumsretardierung bei vorangegangener Geburt
  • Hypertensive Schwangerschaftserkrankung der Mutter
  • Genußmittelabusus
  • Abdomenumfang des Feten im Ultraschall vermindert
  • Zu wenig Fruchtwasser
  • Pathologisches CTG und/ oder Doppler- Sonographie

Therapie

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Vorgehen bei  Intrauteriner Wachstumsretardierung [1;2]

  • Ausschaltung der Noxen bei Genußmittelabusus
  • Engmaschige Überwachung von Patientin und Fetus
  • Ggf. Bettruhe
  • Ggf. frühzeitig Indikation zur Geburtseinleitung; großzügige Sectio- Indikation, da Geburtsstress häufig von den Kindern nicht gut toleriert wird.
  • Ggf. Induktion der Lungenreife durchführen

Komplikationen

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Mögliche Komplikationen bei Intrauteriner Wachstumsretardierung  [1]

  • Zentralisierung des fetalen Kreislaufs mit Dekompensation
  • Tod des Kindes durch Mangelversorgung
  • Bleibende Störungen durch die Mangelversorgung

Zusatzhinweise

Intrauterine Wachstumsretardierung

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Zusatzinformationen zur Intrauterinen Wachstumsretardierung [2]

In Studien werden Zusammenhänge zwischen Entwicklung in der Fetalzeit und späteren Erkrankungen diskutiert. z.B. folgende:

  • Diabetes mellitus II
  • Erkrankungen des Herz- Kreislaufsystems

Literaturquellen

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  1. Hebammenschule am KSSG, Dr. P. Böhi: Intrauterine Wachstumsretardierung; 2002
  2. Deutsches Ärzteblatt 2007; 104(10): A- 644/ B- 567/ C- 543: Fetalzeit und spätere Gesundheit: Das Beispiel intrauterine Wachstumsrestriktion; PD Dr. med. Ernst Bender
  3. AWMF Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, AG Medizinrecht: Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge, Register Nr. 015/ 044; Stand 08/2010
  4. AWMF Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für maternofetale Medizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe: Doppler- Sonographie in der Schwangerschaft; Register Nr. 015/019; Stand 07/2008
  5. Deutsches Ärzteblatt 95, Heft 50, Dez. 1998; Bekanntmachung der Bundesärztekammer: „Richtlinien zur pränatalen Diagnostik von Krankheiten und Krankheitsdispositionen“

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

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