Intoxikationspsychose

Synonyme: Organisch bedingte Halluzinose, akute Alkoholhalluzinose, chronische Alkoholhalluzinose

Definition

Intoxikationspsychose

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Die Intoxikationspsychose ist eine Wahrnehmungsstörung, die meist im Rahmen eines Alkoholentzugs nach 12-24 Stunden auftritt [2] und sich innerhalb von 24-48 Stunden zurückbildet. Sie kann jedoch auch im Rahmen von Medikamentenintoxikationen oder Drogenabusus und -entzug vorkommen.


Ätiologie

Intoxikationspsychose

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Die Ursachen der Intoxikationspsychose sind:

  • Entzug von Alkohol oder Medikamenten
  • Medikamentenintoxikationen: Digoxin, Glucokortikoide, Amantadin, Cimetidin, Ranitidin, Sildenafil, Betablocker, Clarithromycin, Benzodiazepine, L-Dopa, dopaminerge Medikamente (z.B. Bromocriptin), Trizyklische Antidepressiva, Narkotika, 
  • Drogenabusus oder -entzug: D-Lysergsäurediethylamid (LSD), Meskalin, Kokain, Narkotika, Ecstacy, Amphetamine

Epidemiologie

Intoxikationspsychose

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Die Intoxikationspsychose ist selten. Genaue epidemiologische Daten sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • M:F = 4:1
  • v.a. zw. 40. und 50. Lj.

Differentialdiagnosen

Intoxikationspsychose

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Anamnese

Intoxikationspsychose

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Bei der Intoxikationspsychose sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Fremdanamnese!
  • Alkohol-, Drogenabusus?
  • Medikamentenanamnese
  • psychotische Episode in der Geschichte?
  • Familienanamnese?

Diagnostik

Intoxikationspsychose

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Zur diagnostischen Abklärung der Intoxikationspsychose sind relevant:

  • internistische, neurologische Untersuchung
  • Münchner Alkoholismus-Test, Alkoholismusinventar
  • Labor (BSG, CRP, Quick, PTT, T3, T4, TSH, Elektrolyte, toxikologische Bestimmungen, Kortisolbestimmung)
  • evtl. Liquordiagnostik zur Abklärung von DDs, v.a. bei Fieber!
  • evtl. EEG zur Abklärung von DDs
  • evtl. CCT, MRT zur Abklärung von DDS

Klinik

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Die Intoxikationspsychose als Alkoholhalluzinose wirkt sich folgendermaßen aus:

  • Alkoholentzug bewirkt meist lebendige, komplexe visuelle Halluzinationen [1], die häufig von Agitation, Unruhe und autonomer Hyperaktivität begleitet werden.
  • auch akustische oder taktile Halluzinationen kommen vor
  • Pat. reagieren mit Rechtfertigungsversuchen, Depression, Angst
  • im Gegensatz zum Delirium tremens kommen keine Bewußtseinsstörungen vor und die Vitalwerte sind meist normal

Medikamente bewirken meist

  • komplexe visuelle Halluzinationen, die mit Verwirrung und Orientierungsstörungen einhergehen

Therapie

Intoxikationspsychose

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Intoxikationspsychose umfassen folgendes:

  • Flüssigkeitszufuhr
  • bei Alkoholikern Thiamingabe, ume ine Wernicke-Enzephalopathie zu verhindern
  • evtl. Vitaminzufuhr, Magnesium etc.
  • Benzodiazepine, um die Symptome der psychomotorischen Agitation zu dämpfen: Diazepam, Lorazepam oder Chlordiazepoxid
  • bei Alkoholentzug sollten nicht verabreicht werden: Ethanol, Phenothiazine und Butyrophenone (Haloperidol! senken die Krampfschwelle), Antikonvulsiva und zentral wirkende Betablocker wie Propranolol.

Komplikationen

Intoxikationspsychose

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Es liegen der Zeit keine Informationen zu den Komplikationen der Intoxikationspsychose vor.


Zusatzhinweise

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Es liegen derzeit keine Zusatzhinweise zur Intoxikationspsychose vor.


Literaturquellen

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  1. (1998) Manford M, Andermann F -
    Complex visual hallucinations. Clinical and neurobiological insights - Brain 121 ( Pt 10):1819-40.
  2. (1953) Victor M, Adams RD - The effect of alcohol on the nervous system - Res Publ Assoc Res Nerv Ment Dis. 32:526-73.
  3. (2003) Klingelhöfer J, Rentrop M  - Klinikleitfaden, Neurologie und Psychiatrie - Urban & Fischer, München
  4. (2009) Gleixner C, Müller M, Wirth S  - Neurologie und Psychiatrie, für Studium und Praxis - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  5. (2009) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden, Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer, München-Jena
  6. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  7. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  8. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  9. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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