Influenza B

Synonyme: Grippe

Definition

Influenza B

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Die Influenza B ist eine Infektionserkrankung durch Orthomyxoviridae der Gattung Influenza der Art B.

Sie ist ein hoch fieberhafter Infekt, der sich zur hämorrhagischen oder interstitiellen Pneumonie entwickeln kann.


Ätiologie

Influenza B

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Erreger: Influenza B - Virus, Typ Orthomyxoviridae

  • segmentiertes RNA - Genom
  • ausgeprägte Antigenvariabilität
  • charakteristisch durch spikeartige Oberflächenstrukturen gebildet von Glycoproteinen Hämagglutinin(HA) und Neuraminidase (NA)
  • 16 versch. HA und 9 NA bekannt
  • Primäre Zielzellen sind zilientragende Epithelzellen im Resprirationstrakt

Übertragung durch:

  • Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion
  • Mensch zu Mensch, Kontakt mit  kontaminierten Gegenständen, Trinkwasser

Epidemiologie

Influenza B

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  • Für die Influenza B Viren ist der Mensch das einzige Wirtsreservoir
  • Sie führt nur sporadisch zu Erkrankungen (Haupterreger Influenza A)
  • Jährlich versterben 20.000 Menschen in Deutschland an Influenza

Differentialdiagnosen

Influenza B

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Anamnese

Influenza B

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Bei der Influenza B sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 °C)?
  • Trockenen Reizhusten?
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen?
  • Allgemeine Schwäche?
  • Schweißausbrüche?
  • Halsschmerzen?

Diagnostik

Influenza B

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Zur diagnostischen Abklärung der Influenza B sind relevant:

  • Nasen- oder Rachenabstrich
  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Blutentnahme
  • PCR
  • Virusisolierung
  • Elektronenmikroskopisch
  • Antigennachweis
  • Antikörperbestimmung

Klinik

Influenza B

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Die Influenza B präsentiert sich meist wie folgt:

Inkubationszeit: Stunden - Tage

  • charakteristisch sehr plötzlicher Krankheitsbeginn

Symptomatik: Dauer 7 - 14 Tage

Die Influenza-typische Symptomatik (influenza-like illness, kurz ILI) ist durch

  • plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 °C)
  • trockenen Reizhusten
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen

gekennzeichnet.

 weitere Symptome

  • Schweißausbrüche
  • Halsschmerzen
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Schüttelfrost
  • Nasenschleimhäute geschwollen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen

Vollbild:

  • primäre hämorrhagische oder interstitielle Pneumonie
  • sekundäre bakterielle superinfizierte Pneumonie

Therapie

Influenza B

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Influenza B umfassen:

Ordnungsmaßnahmen

  • nationale Umsetzungen des WHO-Stufenplanes mit Nutzung multipler Informationskanäle unter Aufrechterhaltung der allgemeinen Aufmerksamkeit durch flankierende Erklärungen

Allgemeine Maßnahmen

  • Aktive Bettruhe
  • Auch vor jeder Berührung des Kranken oder infizierter Gegenstände sollen die Hände mit einem guten Desinfektionsmittel behandelt werden (Amtliches Unterrichtsbuch 1930, S. 296)
  • Der Schutzwert aufwendiger Hygieneartikel gegenüber der hygienischen Händedesinfektion nach einem Protokoll ist unklar

Pharmakotherapie

Supportativ

Cistus incanus 6 x1-2 Tbl (á 400 mg Extrakt) enoral (Bindung von Influenzaviren)

Symptomatisch

  • Fiebersenkung und Schmerztherapie:

Paracetamol bis zu 6 x 500 - 1000 mg/d nach Bedarf; < 10 g/d!

Ibuprofen - 4-6 x 400 mg/d p.o. oder 3 x 800 mg/d retardiert

Dexibuprofen - 2-3 x 300 mg p.o.

Diclofenac - 4 x 50 mg /d p.o.

Naproxen - 2-4 x 200 mg /d p.o.

  • Antitussiva:

Pentoxyverin – 100-150 mg/d

Dextromethorphan – 22-88 mg/d

Noscapin – 75-150 mg/d

  • evtl. Behandlung einer Pneumonie: antimikrobielle Chemotherapie (ambulant/Pflegeheim/stationär erworben)
  • Myokarditis, symptomatische Behandlung, Therapie der Grunderkrankung (zweifelhafte Wirkung von Ribavirin (Ray 1989))

Kausal

Neuraminidase-Hemmer: therapeutisches Fenster 48h

  • Oseltamivir 2 x 75 mg 5d lang unter klinischer Beobachtung, bei Einnahme mit den Mahlzeiten NW↓
  • Zanamivir 2 x 2 Inhalation á 5 mg tgl. 5d lang, bei Hochrisikopatienten und Oseltamivir-resistenten Viren (keine Mitteilungen zu experimentellen Anwendungen unter klinischer Beobachtung)

 Schulzulassung

  • nach klinischer Heilung

Maßnahmen für Kontaktpersonen

  • Fiebermessung bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Indexpatienten

Impfprophylaxe:

  • Jährliche Impfung wegen hoher Viruswandlung (Oktober-November), s. Impfung gegen Influenza

Komplikationen

Influenza B

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Bei der Influenza B kommen folgende Komplikationen vor:

v.a. bei älteren Patienten:

  • bakterielle Superinfektionen bis zu Pneumonie
  • Exazerbation einer bakteriellen Besiedlung

bei schweren Verläufen :

  • perakuter Tod innerhalb weniger Stunden
  • Influenzapneumonie
  • Enzephalitis
  • Myokarditis

bei Kindern:

  • Otitis media

Reye Syndrom: wenn Kinder bei Influenza B Erkrankung mit Salicylaten (ASS) behandelt werden (Kontraindikation)

  • Fieber?
  • plötzlicher Krankheitsbeginn?
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl?
  • Leberschädigung mit Enzephalitis

verzögerte Rekonvaleszenz:

  • Müdigkeit und Schwäche für Wochen
  • Hypotonie

Zusatzhinweise

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Der direkte Influenza B - Virus - Nachweis ist namentlich meldepflichtig.

WHO-Stufenplan:

http://www.who.int/csr/disease/influenza/pandemic/en/index.html>

WHO pandemic phase descriptions and main actions by phase [pdf 341kb]


Literaturquellen

Influenza B

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  1. (2009) RKI - Ratgeber Infektionskrankheiten/ Merkblätter für Ärzte http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Influenza.html>
  2. (2006) Groß - Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie - Thieme
  3. (2003) Roche - Lexikon Medizin - Urban & Fischer
  4. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  5. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  9. (2009) AWMF-Leilinie Tiefe Atemwegsinfektionen/Pneumonie (http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/082-001.htm#09)>
  10. (2009) WHO pandemic phase description and main actions by phase: http://www.who.int/csr/disease/influenza/GIPA3AideMemoire.pdf. Zuletzt geprüft: 09. September 2009.

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