Influenza

Synonyme: Grippe

Definition

Influenza

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Die Influenza ist eine Infektionserkrankung durch Orthomyxoviridae der Gattung Influenza.

Sie ist ein hoch fieberhafter Infekt, der sich zur hämorrhagischen oder interstitiellen Pneumonie entwickeln kann.

Sie tritt meist als Epidemie während kalter Jahreszeit auf. (typ. "Grippesaison" von Dezember bis April).

Außerdem ist sie von der gewöhnlicher Erkältung bzw. vom grippalen Infekt zu unterscheiden.


Ätiologie

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  • Erreger: Influenzaviren der Gruppe Orthomyxoviren, 3 Typen (A,B,C)
  • Fragmentiertes Genom ermöglicht Austausch einzelner Abschnitte (sog. Reassortement)
  • Folge: Entstehung immer neuer Subtypen
  • Sprunghafte Antigenveränderung (Antigenshift) durch Rekombination tierischer und menschlicher Influenzaviren
  • charakteristisch durch spikeartige Oberflächenstrukturen gebildet von Glycoproteinen Hämagglutinin(H) und Neuraminidase (N)
  • 16 versch. H und 9 N bekannt
  • primäre Zielzellen sind zilientragende Epithelzellen im Resprirationstrakt

Übertragung der Influenza durch:

  • Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion
  • Mensch zu Mensch, Kontakt mit  kontaminierten Gegenständen, Trinkwasser

Inkubationszeit: durchschnittlich 2-3 Tage, hohe Kontagiosität 


Epidemiologie

Influenza

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Genaue epidemiologische Angaben zur Influenza bei Kindern sind zur Zeit nicht bekannt.

  • Inzidenz der Influenza A allgemein: 15,4:100.000 (2005)
  • In größeren Zeitabständen (ca. 15 bis 20 Jahre) führt ein Antigen-Shift zur weltweiten Pandemie
  • Schwerste heute bekannte Pandemie: "Spanische Grippe"(1918) 500 mio. Menschen erkrankten, etwa 20 mio. verstarben
  • Jährlich versterben 20.000 Menschen in Deutschland an Influenza 

Differentialdiagnosen

Influenza

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Anamnese

Influenza

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Bei der Influenza sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 °C)?
  • trockener Reizhusten?
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen?
  • allgemeine Schwäche?
  • Schweißausbrüche?
  • Halsschmerzen?
  • Schutzimpfung vorhanden?
  • Weitere Betroffene im Umfeld?
  • Immunsuppression?
  • Erkrankungen?
  • Medikamenteneinnahme?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Influenza sind relevant:

Klinik und

  • Nasen- oder Rachenabstrich
  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Blutentnahme
  • anschließend PCR, Virusisolierung elektronenmikroskopisch, Antigennachweis, Antikörperbestimmung
  • Inluenza-A-Schnelltest (80% Sensitivität) zur Frühdiagnose geeignet

Klinik

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Symptomatik: Dauer 7 - 14 Tage

Die Influenza-typische Symptomatik (influenza-like illness, kurz ILI) ist durch

  • plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber (≥ 38,5 °C)
  • trockenen Reizhusten
  • Muskel- und/oder Kopfschmerzen gekennzeichnet.

 weitere Symptome

  • Schweißausbrüche
  • Halsschmerzen
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl
  • Schüttelfrost
  • Nasenschleimhäute geschwollen
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit und Erbrechen

Vollbild:

  • primäre hämorrhagische oder interstitielle Pneumonie
  • sekundäre bakterielle superinfizierte Pneumonie

klinisches Erscheinungsbild altersabhängig

  • Säuglinge: sepsisähnliche Krankheitsbilder
  • Kleinkinder: Tracheitis, obstruktive Bronchitis oder Bronchiolitis, stenosierende Laryngotracheitis, Exantheme und gastrointestinale Symptome
  • Schulkinder und Jugendliche: plötzlicher Beginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf-und Gliederschmerzen
  • Bei den 2-bis 12-Jährigen in bis zu 30% von Otitis media begleitet
  • Symptomarme Verläufe auch möglich

Therapie

Influenza

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Influenza umfassen:

Ordnungsmaßnahmen

  • Nationale Umsetzungen des WHO-Stufenplanes mit Nutzung multipler Informationskanäle unter Aufrechterhaltung der allgemeinen Aufmerksamkeit durch flankierende Erklärungen

Allgemeine Maßnahmen:

  • Aktive Bettruhe
  • Auch vor jeder Berührung des Kranken oder infizierter Gegenstände sollen die Hände mit einem guten Desinfektionsmittel behandelt werden (Amtliches Unterrichtsbuch 1930, S. 296)
  • Schutzwert aufwendiger Hygieneartikel gegenüber der hygienischen Händedesinfektion nach einem Protokoll ist unklar

Pharmakotherapie:

Supportiv:

Cistus incanus 6 x 1-2 Tbl (400 mg Extrakt) enoral (zur Bindung von Influenzaviren)

symptomatische Therapie

  • Fiebersenkung und Schmerztherapie:

Paracetamol: bis zu 6 x 500 - 1000 mg/d nach Bedarf; < 10 g/d!

ODER Ibuprofen: >6J.: 10-15mg/kg/d in 2-3 Einzeldosen p.o.

ODER Dexibuprofen: 2-3 x 300 mg p.o.

ODER Diclofenac: >6J.: 2mg/kg/d p.o./rectal

ODER Naproxen: 10-15mg/kg/d p.o.

  • Antitussiva:

Pentoxyverin:

  • 2-5J.: 0,5-1mg/kg/d p.o. in 3Einzeldosen
  • 6-14J.: 1-2mg/kg/d p.o. in 3Einzeldosen
  • 2-3J.: 1-2x 8mg rectal
  • ab 4J.: 1x20mg rectal

ODER Dextromethorphan:

  • 1-6J.: 3x5ml Saft
  • 7-12J.: 3x7,5ml Saft
  • >13J.: 3x15ml Saft

ODER Noscapin:

  • >6Mo.: 2x12,5mg p.o., Saft 2x2,5ml
  • 3-12J.: 3x25mg p.o., Saft 3x10ml
  • evtl. Behandlung einer Pneumonie: antimikrobielle Chemotherapie (ambulant/Pflegeheim/stationär erworben)
  • Myokarditis, symptomatische Behandlung und evtl. Therapie der Grunderkrankung, zweifelhafte Wirkung von Ribavirin (Ray 1989)

Kausale Therapie

therapeutisches Fenster 72 Stunden

  • Oseltamivir 2 x 75 mg unter klinischer Beobachtung zur Bewertung von Behandlungskohorten und zur Ableitung von Empfehlungen
  • ODER Zanamivir 2 x 5 mg (keine Mitteilungen zu experimentellen Anwendungen unter klinischer Beobachtung)

therapeutisches Fenster 48 Stunden

  • Rimantadin 1 x 200 mg - Wirksamkeit 66% bei Influenza A (Douglas 1990)
  • ODER Amantatin  1 x 300 mg Nachweis des Populationsschutzes (Monto 1992) - Schnelle Resistenzentwicklung auch bei aviärer Influenza A (Douglas 1990) - Wirksamkeit 74% bei Influenza A

 Schulzulassung

  • nach klinischer Heilung

Maßnahmen für Kontaktpersonen

  • Fiebermessung bis zu 10 Tagen nach Kontakt mit dem Indexpatienten

Prophylaxe: Schutzimpfung, aufgrund des Antigen-Shifts/Drifts jährlich erneuern


Komplikationen

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  • Bakterielle Superinfektionen mit letalem Ausgang, besonders bei Risikopatienten (z.B. Neugeborene, angeborene und erworbene Immundefekte, Diabetes Mellitus...)
  • Häufig Pneumonien durch Pneumokokken, Staphylokokken oder Haemophilus influenzae. Selten aber gefürchtet: fulminant verlaufende Influenza-Pneumonie
  • Enzephalitis
  • Myokarditis
  • Otitis media

Reye-Syndrom: Behandlung mit Salicylaten (ASS) (Kontraindikation)

  • Fieber?
  • plötzlicher Krankheitsbeginn?
  • ausgeprägtes Krankheitsgefühl?
  • Leberschädigung mit Enzephalitis

verzögerte Rekonvaleszenz:

  • Müdigkeit und Schwäche für Wochen
  • Hypotonie

Zusatzhinweise

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Prognose der Influenza:

  • Sehr gut bei komplikationslosem Verlauf, oft vergehen jedoch Wochen bis zur vollständigen Genesung.
  • Bei Komplikationen v.a. bei Risikopatienten ist die Prognose sehr schlecht, der Ausgang häufig letal.

WHO-Stufenplan:

http://www.who.int/csr/disease/influenza/pandemic/en/index.html>

WHO pandemic phase descriptions and main actions by phase [pdf 341kb]


Literaturquellen

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  1. 82007) Muntau- Intensivkurs Pädiatrie, 4.Auflage- Urban&Fischer Verlag
  2. (2006) Sitzmann- Duale Reihe Pädiatrie,3.Auflage- Thieme Verlag
  3. (2008) Kreckmann- Fallbuch Pädiatrie,2.Auflage-Thieme Verlag
  4. (2009) RKI - Ratgeber Infektionskrankheiten /Merkblätter für Ärzte http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber__Mbl__Influenza.html>
  5. (2009) WHO pandemic phase description and main actions by phase: http://www.who.int/csr/disease/influenza/GIPA3AideMemoire.pdf. WHO 2009.

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