Impfung gegen Meningokokken

Synonyme: Meningokokkenimpfung, Chemoprophylaxe gegen Meningokokken, Postexpositionsprophylaxe gegen Meningokokken

Definition

Impfung gegen Meningokokken

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Die Impfung gegen Meningokokken geschieht durch aktive Immunisierung gegen Neisseria meningitidis, die in Deutschland für Kinder ab 1 Jahr und Risikopersonen (s. Therapie) vorgesehen ist und mit einem konjugierten Meningokokken C-Impfstoff seit Juli 2006 durchgeführt wird.

  • In Deutschland sind konjugierte Meningokokken- C-Impfstoffe seit 2001 zugelassen
  • 2005 kam ein konjugierter Meningokokken-Impfstoff gegen die Serogruppen A, C, W135, Y in den USA auf den Markt
  • Einen Impfstoff gegen Meningokokken der Serogruppe B steht bisher nicht kommerziell zur Verfügung

Ätiologie

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Eine Impfung gegen Meningokokken ist wichtig aufgrund folgender Fakten:

  • die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion
  • Meningokokkenerkrankungen können zu ausgedehnten Epidemien führen
  • die Meningokokken-Meningitis weist eine Letalität von 10-12% auf [3]
  • Folgeschäden (ZNS, Taubheit, Amputationsfolgen) sind in etwa genauso häufig [3]

Epidemiologie

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  • Meningokokken (Neisseria meningitidis) sind die häufigsten Erreger invasiver bakterieller Erkrankungen bei Säuglingen jenseits der Neugeborenenperiode und bei Kleinkindern, daher wird eine Meningokokkenimpfung von der STIKO empfohlen [3]
  • ein zweiter, kleinerer Krankheitsgipfel liegt im Jugendalter vor [3]
  • weltweit am häufigsten sind Infektionen mit Meningokokken der Serogruppe A, neuerdings auch der Serogruppe W135, v.a. im afrikanischen meningitisgürtel, wo bis zu 1% der Bevölkerung erkranken [3]
  • Meningokokken der Serogruppe-C des Sequenztyps (ST) 11 führten in Kanada und später in Europa, darunter Großbritannien, Irland und den Niederlanden, zu einer erhöhten Krankheitslast an Meningokokken-Erkrankungen der Gruppe C
  • nach November 1999 (Einführung der allgemeinen Impfung gegen Meningokokken der Serogruppe C in Großbritannien) Rückgang der Inzidenz der Erkrankungen von 2,9 pro 100.000 Einwohner auf 0,2 pro 100.000 Einwohner im Jahr 2003 bzw. auf 0,12 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2004
  • Deutschland: 1990 bis 2005 lag die gemeldete Inzidenz aller invasiven Meningokkokken-Erkrankungen durchschnittlich bei 0,9 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Indikationen für die Impfung gegen Meningokokken:

  • Deutschland: für Kinder unter 2 Jahren ist die Impfung mit dem konjugierten Impfstoff der Serogruppe C empfohlen; zum frühestmöglichen Zeitpunkt, d.h. ab 12 Monate
  • nicht bei fiebrigen Erkältungskrankheiten

Diagnostik

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Vor der Impfung gegen Meningokokken sollte klinisch und anamnestisch ein akuter Infekt ausgeschlossen werden.


Klinik

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Eine Klinik der Impfung gegen Meningokokken kann im Rahmen von Komplikationen auftreten:

Komplikationen der Impfung gegen Meningokokken bestehen meist in Lokal- oder leichten Allgemeinreaktionen

  • Reaktion an der Einstichstelle
  • Muskelschmerzen
  • Fieber

Therapie

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Die Impfung gegen Meningokokken wird folgendermaßen durchgeführt:

  • für Kinder ab dem 2. Lebensjahr zum frühestmöglichen Zeitpunkt (d.h. ab 12 Monate), einmalige Gabe
  • Nachholimpfung: Nachholen der Impfung gegen Meningokokken C jenseits des vollendeten 23. Lebensmonats für alle Kinder und Jugendlichen (vollendete 17 Jahre) empfohlen
  • bei diversen Grunderkrankungen (z.B. angeborene oder erworbene Immundefekte mit T- und/oder B-zellulärer Restfunktion (z.B. Komplement-/Properdindefekte, Hypogammaglobulinämie, Asplenie) sollten ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene erst mit einem Meningokokken C-Konjugatimpfstoff und im Abstand von 6-12 Monaten mit einem 4-valenten Polysaccharid-Impfstoff geimpft werden.
  • Ebenfalls sollten geimpft werden: gefährdetes Laborpersonal sowie Pilgerreisende (Voraussetzung für die Einreise nach Saudi-Arabien ist eine mindestens 10 Tage vorher erfolgte und nicht länger als 3 Jahre zurückliegende Impfung) oder Reisende in endemische/hyperendemische Länder mit engem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung sowie Schüler/Studenten vor Langzeit-Aufenthalten in Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für Jugendliche oder selektiver Impfung für Schüler/Studenten und im Rahmen von Krankheitsausbrüchen oder regionalen Häufungen durch Meningokokken der Serogruppe C auf Empfehlung der Gesundheitsbehörden

Bei Meningokokkenmeningitis sollte zusätzlich beachtet werden: [2]

  • Isolation von Patienten mit V.a. Meningokokkenmeningitis (z. B. petechiales Exanthem, gramnegative Kokken im
    Liquor-Grampräparat) bis 24 Stunden nach Beginn einer adäquaten Antibiotikatherapie
  • Beachtung der Hygienemaßnahmen (Tragen von Schutzkitteln, Nasen-Mund-Schutz, Handschuhe, Händedesinfektion)
  • Meldung an das Gesundheitsamt bereits bei Verdacht
  • Kontaktpersonen (bis 10 Tage!) sollten ausfindig gemacht und schnellstmöglichst mit einer Chemoprophylaxe behandelt werden:

Chemoprophylaxe für Kontaktpersonen bei Meningokokkenmeningitis: [2]

Antibiotikum und Altersgruppe  Dosierung
 Rifampicin  
 Jugendliche und Erwachsene ab 60 kg (nicht bei Schwangeren)  600 mg alle 12 h für 2 Tage p. o.
 Säuglinge, Kinder und Jugendliche bis 60 kg  10 mg/kg alle 12 h für 2 Tage p. o.
 Neugeborene  5 mg/kg alle 12 h für 2 Tage p. o.
 Ciprofloxacin  
 Erwachsene (nicht bei Schwangeren, 500 mg als Einzeldosis p. o.
 Ceftriaxon  
 Erwachsene und Kinder ab 12 Jahre  250 mg als Einzeldosis i. m.
 Kinder bis 12 Jahre  125 mg als Einzeldosis i. m.

Komplikationen

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Komplikationen der Impfung gegen Meningokokken bestehen meist in Lokal- oder leichten Allgemeinreaktionen:

  • Reaktion an der Einstichstelle
  • Muskelschmerzen
  • Fieber
  • Nach Anwendung von etwa 50 Millionen Dosen von konjugiertem Meningokokken-Impfstoff der Serogruppe C wurden bisher keine schwerwiegenden Sicherheitsbedenken bekannt [3]
  • in Goßbritannien 1 Fieberkrampf pro 60.000 Dosen und 1 anaphylaktoide Reaktion pro 500.000 Dosen [3]
  • keine Todesfälle in ursächlichem Zusammenhang mit der Impfung bekannt [3]

Zusatzhinweise

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Derzeit liegen keine Zusatzhinweise zur Impfung gegen Meningokokken vor.


Literaturquellen

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  1. Robert-Koch-Institut: Epidemiologisches Bulletin Nr. 33, 17. August 2009: Mitteilungen der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Hinweise und Erläuterungen zu den Empfehlungen der STIKO vom Juli 2009
  2. (2008) Leitlinien der DGN - Bakterielle (eitrige) Meningoenzephalitis
  3. Robert-Koch-Institut: Begründung der STIKO-Empfehlungen zur Impfung gegen Meningokokken (veröffentlicht im Epidemiologischen Bulletin 31/06): Impfung der Kinder im 2. Lebensjahr mit konjugiertem Meningokokken-Impfstoff der Serogruppe C

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