Hypovolämischer Schock

Synonyme: Volumenmangelschock

Definition

Hypovolämischer Schock

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Beim hypovolämischen Schock (Volumenmangelschock) handelt es sich um ein akutes lebensbedrohliches Kreislaufversagen nach großen Flüssigkeitsverlusten. Durch die Verminderung der zirkulierenden Blutmenge kommt es zu Veränderungen in der Mikrozirkulation, zur Gewebshypoxie und metabolischen Störungen.


Ätiologie

Hypovolämischer Schock

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Ursachen des hypovolämischen Schocks im Kindesalter können sein:

  • Blutverluste (z.B. bei vorzeitiger Plazentalösung, Nabelschnurabriß, Hämophilie, Tumorblutungen, Ulkusblutungen)
  • Plasmaverluste (z.B. durch Verbrennung, Verbrühung, Trauma, Sepsis)
  • Exsikkose
  • Durchfälle
  • Erbrechen
  • Gastroinestinale Erkrankungen
  • Adrenogenitales Salzverlustsyndrom
  • kutane Dehydratation: Hitze, Mukoviszidose

Epidemiologie

Hypovolämischer Schock

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Der hypovolämische Schock ist die häufigste Schockform des Kindesalters, v.a. bei Früh- und Neugeborenen [9].


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Hypovolämischer Schock

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Beim hypovolämischen Schock sind folgende Informationen von Bedeutung

  • vorangegangene Infektion?
  • Menge der Flüssigkeitszufuhr?
  • Diarrhoe?
  • Erbrechen?
  • Blutungen?
  • Blut beim Stuhlgang? Teerstuhl?
  • Verletzungen?
  • Verbrennung?
  • Grunderkrankungen (AGS, Mukoviszidose)?
  • Hitzeexposition?
  • Medikamenteneinnahme (blutverdünnende Medikamente, NSAR)?
  • bekannte Hämophilie?
  • andere Vorerkrankungen?

Diagnostik

Hypovolämischer Schock

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Zur diagnostischen Abklärung des hypovolämischen Schocks im Kindesalter sind relevant:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung (Hautturgor) mit Körpertemperatur, Gewicht!, Kopfumfang, Bauchumfang
  • Messung von Blutdruck (altersabhängig/ erniedrigt) und zentraler Herzfrequenz (erhöht)
  • Labor (BB, Gerinnung, CK, LDH, GOT, GPT, γGT, Elektrolyte, Kreatinin, Harnstoff, BZ, CRP)
  • kapilläre oder intraarterielle Blutgasanalyse mit Laktatbestimmung (Schockparameter)
  • EKG
  • Echokardiographie
  • Sonographie
  • ggf. Röntgen Thorax

Klinik

Hypovolämischer Schock

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Der hypovolämische Schock im Kindesalter kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • verminderter Hautturgor
  • schlechter Allgemeinzustand
  • trockene Haut und Schleimhäute
  • eingesunkene Fontanelle
  • Tachykardie, Arrhythmien, Bradykardie
  • eingesunkene Augenhöhlen
  • Fieber
  • Hyporeflexie
  • Oligurie
  • Angst, Unruhe
  • Tachypnoe
  • Verwirrtheit, Somnolenz, Bewußtseinsstörungen

Therapie

Hypovolämischer Schock

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem hypovolämischem Schock im Kindesalter umfassen:

  • Kinder beruhigen
  • Schocklagerung, ausreichende Wärmezufuhr
  • Notarzttransport und intensivmedizinische Überwachung
  • dauerhaftes Monitoring von EKG, RR, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Pulsoxymetrie
  • BZ -Bestimmung (Ausschluss Hypo/ Hyperglykämie), BGA
  • Ausgangsgewicht (wenn möglich) und tägliches Wiegen
  • 2 bis 3 großlumige periphere Venenzugänge legen, ggf. Zugang an Tibia intraossär, ggf. Anlage eines ZVK mit ZVD-Messung
  • O2 -Applikation ggf. Intubation und Beatmung
  • NaCl 0,9% oder Ringerlösung 40-60 ml/kgKG iv.  nach ZVD (ZVD soll nicht über 14 mm Hg ansteigen)
  • Kolloidale Lösungen 10-20 ml/kg
  • Bei schweren Blutungen Transfusion von Erythrozytenkonzentraten, ggf. zusätzlich FreshFrozenPlasma und Thrombozytenkonzentrate
  • Pufferung einer metabolischen Azidose mit Natriumbikarbonat
  • Keine vasokonstriktorischen Medikamente verabreichen!

Komplikationen

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Komplikationen des hypovolämischen Schocks können sein:

  • metabolische Azidose
  • Schockniere
  • Schocklunge / ARDS
  • Disseminierte intravasale Gerinnung / DIC
  • Stressulkus
  • Herz-Kreislauf- und Atemstillstand
  • Tod

Zusatzhinweise

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Drei Schweregrade der Dehydratation bei Säuglingen und Kleinkindern:

leicht: Gewichtsverlust < 5 %

mittel: Gewichtsverlust 5-10 %

schwer: Gewichtsverlust > 10%

Bewertung der Vitalparameter bei Kindern (AF/min, HF/min, RR/mm Hg)

                    AF     HF        RR

Säugling        40    160       96/60

Kleinkind       30     150      98/64

Schulkind      24      110     106/68

Jugendlicher  20      100     114/74

Eine bedrohliche arterielle Hypotension besteht:

Neugeborene RR < 60 mmhg

Säuglinge RR < 70 mm Hg

Kleinkinder und Schulkinder bis 10 Jahre RR < 70 mm Hg + (2xAlter in Jahren) mm Hg

Schulkinder >10 Jahre  RR< 90 mm Hg


Literaturquellen

Hypovolämischer Schock

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  1. (2009) Illig S, Claßen M - Klinikleitfaden Pädiatrie - Urban & Fischer
  2. (2008) Kiess W, Merkenschlager A, Pfäffle R, Siekmeyer W -Therapie in der Kinder- und Jugendmedizin - Urban & Fischer
  3. (2008) Müller C, Löll Ch, Bechtold H - Klinikleitfaden für alle Stationen - Urban & Fischer
  4. (2007) Mayatepek E - Pädiatrie - Urban & Fischer
  5. (2007) Fuchs A, Rothe A, Kieslich M, Ruß A - Arneimittel Pädiatrie pocket - Börm Bruckmeier Verlag
  6. (2006) Sitzmann FC - Duale Reihe - Pädiatrie - Thieme Verlag
  7. (2005) Roche - Lexikon Medizin - Urban & Fischer
  8. (2003) Classen M, Diehl V, Kochsiek K - Innere Medizin - Urban & Fischer
  9. (2002) Franz-Josef Kretz, Th. Beushausen: Das Kinder-Notfall-Intensiv-Buch: lebensrettendes Know-How. S. 220-221;2. Auflage; Urban & Fischer verlag, München

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