Hypovolämischer Schock

Synonyme: Volumenmangelschock

Definition

Hypovolämischer Schock

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Beim hypovolämischen Schock (Volumenmangelschock) handelt es sich um ein akutes lebensbedrohliches Kreislaufversagen nach großen Flüssigkeitsverlusten. Durch die Verminderung der zirkulierenden Blutmenge kommt es zu Veränderungen in der Mikrozirkulation, zur Gewebshypoxie und metabolischen Störungen.


Ätiologie

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Die Ursachen des hypovolämischen Schocks sind:

  • Blutverluste (z.B. durch Trauma, Aneurysmaruptur, Medikamente, Hämophilie)
  • Plasmaverluste (z.B. durch Verbrennung, Trauma, Sepsis)
  • Exsikkose
  • Durchfälle
  • Erbrechen
  • Gastroinestinale Erkrankungen
  • Adrenogenitales Salzverlustsyndrom
  • kutane Dehydratation: Hitze, Mukoviszidose

Epidemiologie

Hypovolämischer Schock

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Der hypovolämische Schock ist die häufigste Schockform des Kindesalters.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Hypovolämischer Schock

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Beim hypovolämischen Schock sind folgende Informationen von Bedeutung

  • vorangegangene Infektion?
  • Menge der Flüssigkeitszufuhr?
  • Diarrhoe?
  • Erbrechen?
  • Blutungen?
  • Blut beim Stuhlgang? Teerstuhl?
  • Verletzungen?
  • Verbrennung?
  • ektope Schwangerschaft?
  • Grunderkrankungen (AGS, Mukoviszidose)?
  • Hitzeexposition?
  • Medikamenteneinnahme (blutverdünnende Medikamente, NSAR)?
  • bekannte Hämophilie?
  • andere Vorerkrankungen?

Diagnostik

Hypovolämischer Schock

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Zur diagnostischen Abklärung des hypovolämischen Schocks sind relevant:

  • Anamnese
  • Inspektion, Auskultation von Thorax und Abdomen
  • Palpation des Abdomens, rektale Untersuchung
  • Messung von Blutdruck und zentraler Herzfrequenz
  • Labor (BB, Gerinnung, CK, LDH, GOT, GPT, γGT, Elektrolyte, Kreatinin, Harnstoff, BZ, CRP)
  • intraarterielle Blutgasanalyse mit Laktatbestimmung (Schockparameter)
  • EKG
  • ggf. Echokardiographie
  • ggf. Röntgen-Thorax

Klinik

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Der hypovolämische Schock kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei einem hypovolämischem Schock umfassen:

Erstmaßnahmen:

  • Pat. beruhigen
  • Schocklagerung
  • Notarzttransport und intensivmedizinische Überwachung
  • 2 bis 3 großlumige periphere Venenzugänge legen, Anlage eines ZVK mit ZVD-Messung
  • BZ -Bestimmung (Ausschluss Hypo/Hyperglykämie), BGA
  • dauerhaftes Monitoring von EKG, RR, Herzfrequenz, Pulsoxymetrie
  • evtl. intraarterielle RR-Messung (bei RR<70mmHg genaueste Messung)
  • O2 mit 4-8 l/min, ggf. Intubation und Beatmung
  • zuerst Plasmaexpander 500 bis 1000 ml iv.
  • danach isotone kristalline Salzlösungen iv. nach ZVD (ZVD soll nicht über 14 mm Hg ansteigen)
  • Bei schweren Blutungen Transfusion von Erythrozytenkonzentraten mit Ziel-Hkt > 35-40%, ggf. zusätzlich FreshFrozenPlasma und Thrombozytenkonzentrate
  • Pufferung einer metabolischen Azidose bei Basendefizit > -10 mval/l mit Natriumbikarbonat
  • Keine vasokonstriktorischen Medikamente verabreichen!

Komplikationen

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Komplikationen des hypovolämischen Schocks können sein:

  • metabolische Azidose
  • Schockniere
  • Schocklunge / ARDS
  • Disseminierte intravasale Gerinnung / DIC
  • Stressulkus
  • Herz-Kreislauf- und Atemstillstand
  • Tod

Zusatzhinweise

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Stadien des hypovolämischen Schocks:

Stadium I - leichter Schock: Blutdruck normal, blasse feucht - kühle Haut; Volumenverlust 10 - 25%

Stadium II - mäßiger Schock: Blutdruck < 100mmHg, Puls > 100/min, Durst, Oligurie, Halsvenen im Liegen kollabiert; Volumenverlust 25 - 35%

Stadium III - schwerer Schock: Puls kaum tastbar, Blutdruck < 60mmHg, Bewußtseinsstörungen, Pupillen erweitert, Atmung flach, Anurie; Volumenverlust 35 - 50%

Schockindex= Puls ÷ systolischen RR; >1 Schockgefahr

Blutverluste bis 1000ml können vom Organismus meist noch kompensiert werden. Danach kann es zum Schock kommen.


Literaturquellen

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  2. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  3. (2008) Müller C, Löll Ch, Bechtold H - Klinikleitfaden für alle Stationen - Urban & Fischer
  4. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  6. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  7. (2005) Roche - Lexikon Medizin - Urban & Fischer
  8. (2003) Classen M, Diehl V, Kochsiek K - Innere Medizin - Urban & Fischer

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