Hypomagnesiämie

Synonyme: Magnesiummangel

Definition

Hypomagnesiämie

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Hypomagnesiämie [1]

  • liegt vor bei einer Magnesium-Serumkonzentration von < 0,75 mmol/l 

Ätiologie

Hypomagnesiämie

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Die Ursachen der Hypomagnesiämie sind [1;2]
renal:

  • hyperkalzämische Patienten
  • Hyperthyreose
  • unkontrollierter Diabetes mellitus
  • Diuretika
  • tubuläre Medikamentenschädigung (Cisplatin, Cyclosporin A, Aminoglykoside)
  • primärer Hyperaldosteronismus
  • renal bedingte primäre Hypomagnesiämie durch Genmutation (autosomal-dominant)

Intestinal:

  • Durchfall
  • Malabsorption/ Erbrechen
  • akute Pankreatitis
  • Laxanzienabusus
  • villöse Adenome
  • Colitis ulcerosa
  • Enteritiden (Erbrechen)

verminderte Zufuhr:

  • Alkoholismus
  • Unterernährung
  • Fehlernährung

Angeborene Störungen:

  • Mutation des CASR-Gens
  • familiäre Hypomagnesiämie mit Hyperkalzurie und Nephrocalzinose (FHHNC)
  • Gitleman-Syndrom

Epidemiologie

Hypomagnesiämie

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Epidemiologie der Hypomagnesiämie:

  • kommt bei fast 12% der Patienten im Krankenhaus vor [4]
  • häufig assoziiert mit Hypokaliämie, Hypokalzämie und metabolischer Alkalose

Differentialdiagnosen

Hypomagnesiämie

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Hypomagnesiämie

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Anamnese bei Hypomagnesiämie

  • Wie sind die Ernährungsgewohnheiten des Patienten?
  • Trinkt der Patient regelmäßig Alkohol?
  • Nimmt der Patient regelmäßig Medikamente?
  • Welche sind das und in welcher Dosierung werden diese eingenommen?
  • Besteht eine Durchfallerkrankung?
  • Besteht Übelkeit und/ oder Erbrechen?
  • Bestehen bekannte Darmerkrankungen?
  • Bestehen bekannte Schilddrüsenerkrankungen?
  • Bestehen bekannte Erkrankungen des Pankreas?
  • Bestehen weitere bekannte Vorerkrankungen des Patienten?
  • Zittert der Patient?
  • Hat der Patient kardiale Symptome (z.B. Engegefühl in der Brust)?
  • Ist der Patient in letzter Zeit leicht reizbar?
  • Ist der Patient in letzter Zeit depressiv?
  • Bestehen Parästhesien um den Mund oder in den Extremitäten?

Diagnostik

Hypomagnesiämie

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Diagnostik der Hypomagnesiämie [1]

1. Anamnese und Klinik (s.dort)

  • meist kann durch die Anamnese die Ursache einer Hypomagnesiämie herausgefunden werden
  • bei normalem Magnesium, aber refraktärer Hypokaliämie oder unerklärter Hypokalzämie: V.a. normomagnesiämischen Magnesiummangel, d.h. nur intrazellulären Magnesiummangel, bei Risikopatienten; Diagnose durch niedrige Magnesiumausscheidung (s.u.) [5]

2. Labor

  • Magnesium im Serum ↓
  • wenn Ursache durch Anamnese unklar: Unterscheidung zwischen gastrointestinalen und renalen Magnesiumverlusten durch Bestimmung der Magnesiumausscheidung im 24h-Urin oder der Magnesiumausscheidung in einer Urinprobe. Formel zur Berechnung der fraktionalen Magnesiumausscheidung: Fraktionale Magnesiumausscheidung = (Magnesium im Urin x Kreatinin im Plasma) ÷ ([0,7 x Magnesium im Plasma] x Kreatinin im Urin) x 100. Bei > 2% oder 10-30mg/Tag bei normaler Nierenfunktion besteht der V.a. renale Ätiologie durch Medikamenteneinnahme (Diuretika, Aminoglykoside, Cisplatin).

3. evtl. EKG


Klinik

Hypomagnesiämie

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Die Klinik bei Hypomagnesiämie mischt sich meist mit der bei hypokalzämie, Hypokaliämie und metabolischer Alkalose.

Sie kann umfassen: [1]

  • Reizbarkeit
  • Depression
  • Parästhesie
  • Tetanie
  • Extrasystolie
  • Erhöhte Digitalisempfindlichkeit
  • EKG: ST-Senkungen, T-Abflachung, QT-Verlängerung
  • Darmspasmen
  • Übelkeit
  • Schwäche
  • muskuläre Fibrillation
  • Schwindel
  • Lethargie
  • psychische Strörungen

Therapie

Hypomagnesiämie

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Therapie bei Hypomagnesiämie [1;3]

  • Magnesiumreiche Ernährung (Obst, Gemüse, Nüsse)
  • Oral: initial 0,37 mmol/kg/d; dann zur Erhaltung 0,185 mmol/kg/d
  • bei schwerer kombinierter Hypomagnesiämie und Hypokalzämie mit Herzrhythmusstörungen: Magnesium i.v. (50 meq) bei zu einer Konzentration > 1,0 mg/dl (0,4 mmol/l)
  • wenn möglich, Aussetzen von Schleifendiuretika oder Thiaziddiuretika. Wenn nicht, evtl. Zusetzen eines kaliumsparenden Diuretikums wie Amilorid
  • Patienten mit Niereninsuffizienz sollten generell keine magnesiumhaltigen Präparate bekommen, ausser bei schwerer Hypomagnesiämie <1,0 mg/dL (0,4 mmol/l) und nur gering eingeschränkter Nierenfunktion

Komplikationen

Hypomagnesiämie

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Komplikationen der Hypomagnesiämie umfassen die der Grunderkrankung bzw. bei kombinierter Hypomagnesiämie und Hypokalzämie:

  • lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
  • Laryngospasmen
  • Krampfanfälle

Zusatzhinweise

Hypomagnesiämie

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Zur Hypomagnesiämie liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

Hypomagnesiämie

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  1. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010
  2. AWMF Leitlinie der Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung: Erbrechen; Register Nr. 068/005; Stand 04/2002
  3. Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  4. Agus ZS (1999): Hypomagnesemia. J Am Soc Nephrol. 10(7):1616.
  5. al-Ghamdi SM, Cameron EC, Sutton RA (1994): Magnesium deficiency: pathophysiologic and clinical overview. Am J Kidney Dis. 24(5):737.

Assoziierte Krankheitsbilder zu Hypomagnesiämie

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