Hypokaliämische Lähmung

Synonyme: dyskaliämische Lähmung

Definition

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Die hypokaliämische Lähmung ist eine anfallsartig wiederauftretende, schlaffe Muskellähmung im Zusammenhang mit einem erniedrigten Blutkaliumspiegel.


Ätiologie

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen der hypokaliämischen Lähmung sind:

  • autosomal-dominant vererbte Störung eines Kalzium-Kanals (Chromosom 1q32)
  • Neumutation
  • symptomatisch: Conn-Syndrom, sekundärer Hyperaldosteronismus (renal, paraneoplastisch), bei Hyperthyreose/Thyretoxikose
  • medikamentös:  Diuretika

Epidemiologie

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Die hypokaliämische Lähmung ist selten.

  • meist um das 20. Lebensjahr beginnend
  • Prävalenz: 1/100.000
  • Männer häufiger betroffen
  • Anfallshäufigkeit: einmalig bis innerhalb weniger Tage möglich

Differentialdiagnosen

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Bei der hypokaliämischen Lähmung sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • neu aufgetretene Muskelschwäche oder Missempfindungen?
  • welche Muskelpartien betroffen?
  • Schluck- /Sprechstörungen?
  • Anzahl/Dauer der Lähmungsanfälle pro Tag?
  • Anfälle nachts oder frühmorgens?
  • bekannte Hypokaliämie?
  • Auslösende Faktoren: Medikamenteneinnahme [Insulin, Diuretika], prädisponierende Vorerkrankungen?
  • Begünstigende Faktoren: schwere körperliche Arbeit, Unterkühlung, Stress,  Alkoholabusus?

Diagnostik

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Zur diagnostischen Abklärung der hypokaliämischen Lähmung sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: manifeste Paresen, Reflexe im Anfall erloschen, keine Sensibilitätsstörungen
  • Labor: Serumkalium erniedrigt (< 2-3 mmol/l im Anfall, im Intervall normal), Aldosteron bestimmen
  • EKG: Zeichen der Hypokaliämie
  • EMG: verminderte Potentiale, gelichtetes Interferenzmuster
  • Abdomen-MRT: bei V.a. Nebennierenadenom
  • Provokationstest: EKG und EMG nach Gabe von Glucose und Insulin

Klinik

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Die hypokaliämische Lähmung kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Prodromi: Parästhesien und Schwächegfühl der Extremitäten, Völlegefühl, Schweißausbruch
  • anfallsartige schlaffe Lähmungen v.a proximal betont mit Gangstörung und Atemlähmung möglich
  • i.d.R. keine Hirnnerven-Beteiligung
  • Anfälle Stunden bis Tage dauernd, nachts und frühmorgens auftretend

Therapie

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Die therapeutischen Möglichkeiten bei der hypokaliämischen Lähmung umfassen folgendes:

  1. Kalium i.v. unter EKG (max. 20 mmol/h)
  2. Kalium-Brausetabelleten p.o.
  • prophylaktisch:
  1. Verzicht auf kohlenhydratreiche Mahlzeiten abends
  2. kaliumreiche Nahrung (Gemüse, Bananen)
  3. evtl. Spironolacton
  • operativ:
  1. Adrenalektomie bei Conn-Syndrom

Komplikationen

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

Bei der hypokaliämischen Lähmung kommen folgende Komplikationen vor:

  • Atemlähmung
  • Herzversagen
  • Blasen-/Darmatonie
  • paralytischer Ileus
  • Bewusstseinsstörung

Zusatzhinweise

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?
  • mit zunehmendem Alter Abnahme der Anfallshäufigkeit
  • keine Hirnnervenbeteiligung

Literaturquellen

Hypokaliämische Lähmung

Bearbeitungsstatus ?

1. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

2. Grehl H, Reinhardt F (2008) - Checkliste Neurologie,  4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen