Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

Synonyme: Neonatale Hypoglykämie, Unterzuckerung von Neugeborenen

Definition

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Von Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen spricht man, wenn der Blutzucker beim Neugeborenen unter den Wert von 45 mg/dl sinkt.


Ätiologie

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Ursache für die Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen ist die mangelnde Glukosezufuhr oder der erhöhte Verbrauch:

  • eine Hypoglykämie durch Glukosemangel kann bei spätem Fütterungsbeginn, Frühgeburt, Übertragung, Plazentainsuffizienz, Mangel an Fettsäuren und Ketonkörpern oder anaerober Glykolyse entstehen
  • ein vermehrter Verbrauch von Glukose besteht z.B. bei Diabetes der Mutter (Hyperinsulinismus des Neugeborenen), Rh-Inkompatibilität, Austauschtransfusion, Dystrophie und Sepsis

Der Glukosegehalt im Nabelvenenblut beträgt etwa 70% des Glukosegehaltes im mütterlichen Blut. Nach der Geburt fällt der Blutzucker beim Neugeborenen auf Werte um 50-60 mg/dl ab, um nach dem dritten Lebenstag wieder anzusteigen.


Epidemiologie

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Von der Hypoglykämie des Früh-und Neugeborenen sind ca. 2-4% der Neugeborenen betroffen:

  • 5-10% der Frühgeborenen und 20% der dystrophen Neugeborenen und wachstumsretardierten Zwillingen
  • Manifestation meist zwischen 24 und 72 h post natum
  • selten zwischen dem 3.-7- Lebenstag

Differentialdiagnosen

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Anamnese

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Folgende Informationen sind bei dem Verdacht auf eine Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen von Bedeutung:

  • Inspektion
  • Blutzuckermessung
  • Zeitraum des Auftretens?
  • Unruhe?
  • Zittrigkeit?
  • erhöhten Muskeltonus?
  • Krampfanfälle?
  • apathisch bis komatös?
  • Apnoe- oder Zyanoseanfälle?
  • Ursache abklären (späte Fütterung, Plazentainsuffizienz usw.)
  • Diabetes bei Mutter?
  • Hyperinsulinismus des Neugeborenen?
  • Rh-Inkompatibilität?
  • Austauschtransfusion?
  • Dystrophie und Sepsis?

Diagnostik

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Die Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen ist klinisch selten erkennbar.

  • es sollte bei allen Frühgeborenen, dystrophen und kranken Neugeborenen sowie bei Kindern diabetischer Mütter nicht nur in der ersten Lebensstunde, sondern auch noch vor Verlegung von Mutter und Kind auf die Wochenbettstation der Blutzuckerspiegel bestimmt werden

Klinik

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Die Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen verläuft meist asymptomatisch:

  • einzelne Neugeborene zeigen unspezifische Symptome wie Unruhe, Zittrigkeit, erhöhten Muskeltonus bis zu Krampfanfällen
  • sie können aber auch apathisch bis komatös erscheinen oder Apnoe- oder Zyanoseanfälle bieten
  • meist zwischen 24 und 72 h post natum und selten zwischen dem 3.-7. Lebenstag

Therapie

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Die therapeutischen Maßnahmen bei der Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen:

  • Frühfütterung von Risikokindern mit 15% Maltodextrinlösung 5-10 ml/kg KG alle 3 Stunden
  • bei unzureichender Wirkung oder wenn Fütterung nicht möglich ist: Glukose als Bolus 0,2g/kg KG, danach Infusion von 5-15  mg/kg KG 10-20% Glukose
  • anschließend 10% Glukose (0,3 g/kg KG/h)
  • bei in Sonderfällen: Glukagon 1 mg/kg KG i.m./s.c. (cave: kurze Wirkung) oder Prednisolon 2 mg/kg KG
  • Elektrolytkontrolle (cave: Hypokalzämie)
  • bei Hypokalzämie bei Bedarf 5 ml Kalziumglukonat 10%/kg langsam i.v.

Komplikationen

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Bei der Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen:

  • nach Bolusinjektion hochprozentiger Glukoselösungen darf die parenterale Glukosezufuhr wegen der Gefahr einer Hypoglykämie nach reaktiver Insulinausschüttung niemals abrupt beendet werden!
  • wird eine Hypoglykämie frühzeitig diagnostiziert und behandelt, können bleibende Hirnschäden verhütet werden!

Zusatzhinweise

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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Die Prognose der Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen:

  • Dauer, Häufigkeit und zugrunde liegende Ursachen sind entscheidend
  • rezidivierende, symptomatische Hypoglykämien haben eine ungünstigere Prognose als asymptomatische

Prophylaxe:

  • regelmäßige Blutzuckerkontrollen
  • frühzeitiges Füttern
  • bei Risikokindern = Glukoseinfusion

Literaturquellen

Hypoglykämie des Früh- und Neugeborenen

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  1. (2010) AWMF - Leitlinie - Betreuung von Neugeborenen diabetischer Mütter
  2. (2006) Sitzmann FC - Pädiatrie - Duale Reihe - Thieme Verlag
  3. (2009) Muntau AC - Intensivkurs Pädiatrie - Urban & Fischer
  4. (2009) - Herold G -Innere Medizin - Herold
  5. (2006) - Illing S., Claßen M. - Klinikleitfaden Pädiatrie- Elsevier, München

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