Hyperthyreose und thyreotoxische Krise (Begleiterkrankungen bei Operationen)

Synonyme: Schilddrüsenüberfunktion (Begleiterkrankung bei Operationen), Hyperthyreoidie (Begleiterkrankung bei Operationen), Hyperthyreoidismus (Begleiterkrankung bei Operationen)

Definition

Hyperthyreose und thyreotoxische Krise (Begleiterkrankungen bei Operationen)

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Die Hyperthyreose ist eine Erkrankung der Schilddrüse, bei der die Schilddrüse zu viele Schilddrüsenhormone produziert, so dass im Organismus ein Überangebot entsteht.

Die Thyreotoxische Krise ist einekrisenhafte, lebensbedrohliche Verschlimmerung einer Schilddrüsenüberfunktion ist unabhängig von der Ursache bei jeder Form einer Hyperthyreose möglich; sie kann sich unerwartet und rasch innerhalb weniger Stunden oder Tage entwickeln.


Ätiologie

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Die Ursachen einer Hyperthyreose:

  • Immunogene Hyperthyreose - TSH-Rezeptorautoantikörper, die Schilddrüsestimulierend wirken
  • Thyreoidale Autonomien - Jodmangelstrumen

Die Ursachen einer Thyreotoxischen Krise:

  • größere Mengen von Jod, die 1-4 Wochen zuvor aufgenommen wurden (oft iatrogen durch Verabreichung jodhaltiger Medikamente, beispielsweise Amiodaron, oder Röntgenkontrastmittel),
  • Absetzen von Thyreostatika, Operationen (insbesondere die nicht in Euthyreose durchgeführte Strumaresektion)
  • andere Begleiterkrankungen

Epidemiologie

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Die Hyperthyreose ist eine häufige Erkrankung. Die Inzidenz bei Immunhyperthyreose (M.Basedow) beträgt ca. 40/100000/Jahr

  • w:m = 5:1

Differentialdiagnosen

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Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

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Für die Anamnese beim Verdacht auf eine Hyperthyreose und thyreotoxische Krise sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • jodhaltige Medikamente
  • Röntgenkontrastmittel
  • Vorerkrankungen
  • Operationen oder Bestrahlung in der Vorgeschichte
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Herzprobleme
  • Temperaturempfinden
  • Hautbeschffenheit

Diagnostik

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Die Laborchemische Merkmale einer Hyperthyreose:

  • T3, T4
  • TSH
  • bei immunogener Hyperthyreose Nachweis von TSH-Rezeptorantikörper

Klinik

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Hyperthyreose:

  • warme Haut
  • Schwitzen
  • Wärmetoleranz
  • Tachykardie
  • Herzrhythmusstörungen
  • Unruhe
  • Nervosität
  • feinschlägiger Tremor
  • anamnestisch Gewichtsverlust

Das klinische Bild einer Thyreotoxischen Krise:


Therapie

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Die therapeutischen Maßnahmen bei einer Thyreotoxischen Kriese:

  • Thiamazol 40-80 mg alle 6-8 h langsam i.v.
  • Glukokortikoide (z.B. Hydrokortison) 3x tgl. 100 mg i.v.
  • Betablocker (z.B. Propranolol) 1 mg langsam i.v., tgl. Höchstdosis 10 mg
  • Sedierung: falls erforderlich z.B. Diazepam 5-10 mg i.v.

Komplikationen

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Es sollten keine Wahleingriffe bei manifester Hyperthyreose wegen der Gafahr der thyreotoxischen Krise (hohe Letalität) durchgeführt.

Intraoperativ besteht bei stärkerer Oberkörperhochlagerung bei Eröffnung größerer venöser Gefäße die Gefahr einer Luftembolie.

Intraoperative Tachykardien bei Manipulation an der Schilddrüse sind meist nicht behandlungsbedürftig, zur Therapie ausgeprägter Tachykardien Gabe von Betablockern wie Metoprolol 1-3 mg langsam i.v.


Zusatzhinweise

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Anästhesiologische Besonderheiten bei Schilddrüsen-OP

  • präop.:
  1. bei ausgedehnter Struma Trachea-Zielaufnahmen anfertigen (Abschätzung des Ausmaßes einer Einengung und Verdrängung der Trachea)
  2. gute Sedierung
  • Narkoseverfahren: Inhalationsanästhesie oder balancierte Anästhesie
  • Intubation: wegen der OP-Lagerung mit einem Spiraltubus intubieren
  • Extubation: möglichst unter direkter Laryngoskopie zur Beurteilung der Stimmbandfunktion → Komplikationen: Rekurrensparese, Pneumothorax, Larynxödem, Nachblutung mit Atemnot und extremer Verdrängung der Trachea

Literaturquellen

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Schäfer R, Eberhardt M (2005) - Klinikleitfaden, Anästhesie - Urban & Fischer, München

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  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
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