Hyperhidrosis manuum et pedum

Synonyme: Hyperhidrosis palmoplantaris, Schweißfüße

Definition

Hyperhidrosis manuum et pedum

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Als Hyperhidrosis manuum et pedum bezeichnet man eine  lokale Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen, welche zu vermehrtem Schwitzen an Händen und Füßen führt.

Hierbei ist kennzeichnend, dass die produzierte Schweißmenge, die zur Thermoregulation des Körpers notwendige Schweißmenge, übersteigt. [4]

Es liegen keine internistischen Erkrankungen oder externen Ursachen zugrunde.


Ätiologie

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Die Ursachen der Hyperhidrosis manuum et pedum liegen meist in einer konstitutionell bedingten Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen, welche über den Sympathikus gesteuert werden.

Begünstigende Faktoren hierbei sind:

  • emotionale Anspannung (Schmerz, Angst, Freude)
  • Nikotin, Koffein
  • erhöhte Wärmebelastung

Gelegentlich kommt es durch eine lokale Hypohidrose zur kompensatorischen Hyperhidrose.

Sekundäre Formen der Hyperhidrosis manuum et pedum können durch Nervenschädigungen hervorgerufen werden:

  • Karpaltunnelsyndrom
  • Skalenussyndrom
  • diabethische Polyneuropathie

Epidemiologie

Hyperhidrosis manuum et pedum

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Zur Epidemiologie der Hyperhidrosis manuum et pedum liegen nur wenig Daten vor.

Die Prävalenz der Hyperhidrosis manuum liegt in der westlichen Welt bei ca 0,6-1% [1]

In Südostasien liegt die Prävalenz der Hyperhidrosis manuum bei ca 3% [1]

Hyperhidrose wird autosomal dominant mit unterschiedlicher Penetranz vererbt [3]


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Hyperhidrosis manuum et pedum sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn der Symptome? Als Kind, Jugendlicher, Erwachsener?  (in der Regel vor dem 25. Lebensjahr)
  • Wie häufig? (in der Regel >1x /Woche?)
  • tritt es unvorhersehbar auf und ist willentlich nicht kontrollierbar? (nicht kontrollierbar)
  • nur bei hohen Temperaturen oder temperaturunabhängig? (in der Regel temperaturunabhängig)
  • führt es zu Schamgefühl?
  • Beeinflusst es den Umgang mit anderen Menschen? (Hyperhidrosis manuum et pedum führt in vielen Fällen zu starker Beeinträchtigung im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen)
  • An welchen Körperstellen?
  • Tagsüber oder Nachts? (ausschließlich tagsüber)
  • Betroffene Verwandte bekannt? (positive Familienanamnese unter Umständen vorhanden)
  • Auslösende Faktoren? (Speisen, Aufregung)
  • Grunderkrankungen?

Diagnostik

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Die Diagnose der Hyperhidrosis manuum et pedum wird in der Regel anhand der typischen Anamnese gestellt.

Bei untypischer Anamnese muss eine sekundäre Hyperhidrose ausgeschlossen werden.

Schweregradeinteilung der Hyperhidrosis palmoplantaris

Grad I: leichte primäre Hyperhidrose

  • deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit

Grad II: mittelschwere primäre Hyperhidrose

  • Bildung von Schweißperlen
  • Schwitzen bei Hyperhidrosis manuum et pedum auf Palmae und Plantae begrenzt

Grad III: schwere primäre Hyperhidrose

  • Schweiß tropft ab
  • Schwitzen bei Hyperhidrosis manuum et pedum auch an dorsalen Seiten der Finger und Zehen sowie am seiltichen Rand

Jod-Stärke-Test: Areal trocknen, Lugol'sche Lösung (Jod 2,0, Kaliumjodid 4,0, Aqua dest. ad 100,0) auftragen, Speisestärke drüber streuen. Schweißabsonderung führt zu Blaufärbung. Erlaubt keine quantitative Aussage.

Gravimetrische Schweißmessung: Areal trocknen, in einer definierten Zeitspanne abgegebenen Schweiß mit Hilfe von Filterpapier aufnehmen und mit Ultrafeinwaage wiegen. Werte über 30 mg/min sind pathologisch. Zur Dokumentation des Verlauf vor und nach Therapie, Aussagekraft eingeschränkt, da Hyperhidrose anfallsartig auftritt.


Klinik

Hyperhidrosis manuum et pedum

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Die Hyperhidrosis manuum et pedum kann zur erheblichen sozialen und beruflichen Beeinträchtigung des Patienten führen, und somit zu einer starken Verminderung der Lebensqualität beitragen.

Typische Beschwerden:

Hyperhidrosis manuum:

  • Handflächen diffus gerötet, akrozyanotisch, hypotherm
  • Haut aufgequollen
  • Schweiß tropft von den Händen
  • Verschmutzung von Schreibpapier und Korrosion der Oberflächen metallischer Arbeitsgeräte

Hyperhidrosis pedum:

  • Lividität der Fußsohlen
  • weißgelbliche Mazeration der Hornschicht
  • grübchenförmige Defekte in der Hornschicht (Keratoma sulcatum) durch koryneforme Bakterien
  • Sekundärinfektionen wie Tinea

Therapie

Hyperhidrosis manuum et pedum

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Allgemeinmaßnahmen bei Hyperhidrosis manuum et pedum

  • Körperhygiene
  • geeignete Kleidung: Woll- und Baumwollkleidung, Sandalen, Lederschuhe
  • Ernährung: Meiden auslösender Nahrungsmittel

Topische Therapie bei Hyperhidrosis manuum et pedum

Antiperspirantien:

  • Aluminium-Hexahydrat-Gel 20%(Rp:Aluminiumchlorid-Hexahydrat 20,0, Hydroxyethylcellulose 400 5,0 in Aqua purif. ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. Palmar und Plantar gegebenenfalls unter Okklusivverband. [2]
  • Aluminium-Hexahydrat-Lösung 20% (Rp: Aluminiumchorid-Hexyhydrat 20,0, Aqua purif. 20,0, Isopropylalkohol 70% ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. Palmar und Plantar gegebenenfalls unter Okklusivverband. [2]
  • Aluminiumhydrochlorid, synthetische Gerbstoffe

Leitungswasser Iontophorese:

  • bei Hyperhidrosis manuum und pedum
  • Anwendung von schwachen Gleichströmen (10-15 mA) im Wasserbad

Botulinumtoxin A zur Chemodenervierung

  • intrakutane Injektion von Botulinumtoxin A, hält etwa 6 Monate

Systemische Therapie bei Hyperhidrosis manuum et pedum

Salbei:

  • Tabletten mit Salbeiextrakten
  • es liegen keine Studien vor

Systemische Antihidrotika (Anticholinergika):

  • Bornaprinhydrochlorid: initial 2 mg/d p.o., wöchentlich um 2 mg bis auf 6-12 mg/d p.o. steigern [5]

Chirurgische Therapie bei Hyperhidrosis manuum et pedum

Endoskopische thorakale Sympathektomie:

  • bei therapiersistenter Hyperhidrosis manuum

CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse


Komplikationen

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Die Hyperhidrosis manuum et pedum führt zu:

  • Schamgefühl
  • sozialer Isolation
  • Depression (33,3% der Patienten) [8]

Die Hyperhidrosis manuum et pedum führt zu einer kontinuierlichen Durchfeuchtung der Haut und kann somit begünstigend wirken für:

  • Tinea pedum
  • gramnegativer Fußinfekt
  • Verrucae vulgares
  • Pilzinfektionen
  • Erythrasma (Infektion mit Corynebacterium minutissimum)
  • Intertrigo

Zusatzhinweise

Hyperhidrosis manuum et pedum

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Zur Hyperhidrose gibt es einen Score, welcher auch eine Einschätzung des Schweregrads der Hyperhidrosis manuum et pedum zulässt.

Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS) [8]:

1) Mein Schwitzen ist nicht bemerkbar und schränkt mich im täglichen Leben nicht ein.

2) Mein Schwitzen ist erträglich und stört mich nur gelegentlich im Alltag.

3) Mein Schwitzen ist schwer zu ertragen und schränkt mich in meinem Alltag regelmäßig ein.

4) Mein Schwitzen ist unerträglich und schränkt mich in meinem Alltag immer ein

Desweiteren ist eine Einschätzung der Lebensqualitätseinschränkung über den Dermatology Life Quality Index (DLQI) hilfreich.


Literaturquellen

Hyperhidrosis manuum et pedum

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  1. (1977) Adar R, Kurchin A, Zweig A, Mozes M. Palmar hyperhidrosis and its surgical treatment: a report of 100 cases. Ann Surg. 1977;186:34-41.
  2. (2002) Altmeyer P., Dirschka Th., Hartwig R. - Klinikleitfaden Dermatologie - Urban & Fischer
  3. (2002) Ro KM, Cantor RM, Lange KL, Ahn SS. Palmar hyperhidrosis: evidence
    of genetic transmission. J Vasc Surg. 2002;35:382-386
  4. (2003) Fritsch - Dermatologie Venerolgie - Springer
  5. (2004)Hund M., Sinkgraven R., Rzany B.- Randomisierte, plazebokontrollierte klinische Doppelblindstudie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der oralen Therapie mit Methantheliniumbromid bei fokaler Hyperhidrose
  6. (2007) AWMF - Leitlinie - Definition und Therapie der primären Hyperhidrose
  7. (2010) Sterry W., Burgdorf W., Paus R. - Checkliste Dermatologie - Thieme
  8. (2010) Bashir K., Dar NR., Sibghat Ullah Rao - Depression in adult dermatology outpatients - J Coll Physicians Surg. Pak - 2010 Dec;20(12):811-3
  9. (2010) Vorkamp T., Foo FJ, Khan S., Schmitto JD., Wilson P. - Hyperhidrosis: Evolving concepts and a comprehensive review - The Surgeon, Volume 8, issue 5, October 2010, Pages 287-292

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