Hyperhidrosis axillaris

Synonyme: übermäßiges Schwitzen, vermehrtes Schwitzen, Diaphorese, Sudorrhoe, Ephidrosis

Definition

Hyperhidrosis axillaris

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Hyperhidrosis axillaris ist definiert als pathologisch gesteigerte Schweißproduktion unter den Achseln auf Grund einer Überstimulation der Schweißdrüsen.

Hierbei ist kennzeichnend, dass die produzierte Schweißmenge, die zur Thermoregulation des Körpers notwendige Schweißmenge, übersteigt.


Ätiologie

Hyperhidrosis axillaris

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Die Ursachen der Hyperhidrosis axillaris liegen in der Regel in einer konsitutionell bedingten Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen, welche über den Sympathikus gesteuert werden.

Begünstigende Faktoren hierbei sind:

  • emotionale Anspannung (Schmerz, Angst, Freude)
  • Nikotin, Koffein
  • erhöhte Wärmebelastung
  • Adipositas

Sekundär kann es durch Reizung/Traumata von sympathischen Nervenfasern zur Hyperhidrosis axillaris kommen:

  • Skalenuslücke
  • Parkinson
  • Hemiplegie
  • Tabes dorsalis
  • Syringomyelie

Epidemiologie

Hyperhidrosis axillaris

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Prävalenz der primären Hyperhidrose (USA): ca 2,8% der Bevölkerung, davon 50,8% Hyperhidrosis axillaris [5]


Differentialdiagnosen

Hyperhidrosis axillaris

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Anamnese

Hyperhidrosis axillaris

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Bei der Hyperhidrosis axillaris sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn der Symptome? Als Kind, Jugendlicher, Erwachsener? (meist mit Beginn der Pubertät)
  • Wie häufig? (in der Regel >1x /Woche?)
  • tritt es unvorhersehbar auf und ist willentlich nicht kontrollierbar?
  • nur bei hohen Temperaturen oder temperaturunabhängig?
  • führt es zu Schamgefühl?
  • Beeinflusst es den Umgang mit anderen Menschen? (meist starke Beeinträchtigung im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen)
  • An welchen Körperstellen?
  • Tagsüber oder Nachts? (in der Regel ausschließlich tagsüber)
  • Betroffene Verwandte bekannt?
  • Auslösende Faktoren? (Speisen, Aufregung)
  • Grunderkrankungen?

Diagnostik

Hyperhidrosis axillaris

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Die Diagnose der Hyperhidrosis axillaris wird in der Regel anhand der typischen Anamnese gestellt.

Bei untypischer Anamnese muss eine sekundäre Hyperhidrose ausgeschlossen werden.

Schweregradeinteilung der Hyperhidrosis axillaris

Grad I: leichte primäre Hyperhidrose

  • deutlich vermehrte Hautfeuchtigkeit
  • Schwitzflecke bei Hyperhidrosis axillaris 5-10 cm Durchmesser

Grad II: mittelschwere primäre Hyperhidrose

  • Bildung von Schweißperlen
  • Schwitzflecke bei Hyperhidrosis axillaris 10-20 cm Durchmesser

Grad III: schwere primäre Hyperhidrose

  • Schweiß tropft ab
  • Schwitzflecken bei Hyperhidrosis axillaris >20 cm Durchmesser

Jod-Stärke-Test: Areal trocknen, Lugol'sche Lösung (Jod 2,0, Kaliumjodid 4,0, Aqua dest. ad 100,0) auftragen, Speisestärke drüber streuen. Schweißabsonderung führt zu Blaufärbung. Erlaubt keine quantitative Aussage.

Gravimetrische Schweißmessung: Areal trocknen, in einer definierten Zeitspanne abgegebenen Schweiß mit Hilfe von Filterpapier aufnehmen und mit Ultrafeinwaage wiegen. Werte über 30 mg/min sind pathologisch. Zur Dokumentation des Verlauf vor und nach Therapie, Aussagekraft eingeschränkt, da Hyperhidrose anfallsartig auftritt.


Klinik

Hyperhidrosis axillaris

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Die Hyperhidrosis axillaris kann zur erheblichen sozialen und beruflichen Beeinträchtigung des Patienten führen, und somit zu einer starken Verminderung der Lebensqualität beitragen.

Typische Beschwerden:

  • triefend nasse Achselhöhlen
  • schweißnasse Kleidung mit Schweißrändern
  • unangenehmer Körpergeruch
  • häufiges Wechseln der Kleidung notwendig
  • Sekundärinfektionen

Therapie

Hyperhidrosis axillaris

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Die therapeutischen Maßnahmen bei primärer Hyperhidrose umfassen:

Allgemeinmaßnahmen bei Hyperhidrosis axillaris

  • Körperhygiene
  • Rasieren
  • geeignete Kleidung: Woll-, Seiden- und Baumwollkleidung
  • Ernährung: Meiden auslösender Nahrungsmittel

Topische Therapie bei Hyperhidrosis axillaris

Antiperspirantien:

  • Aluminium-Hexahydrat-Gel 20%(Rp:Aluminiumchlorid-Hexahydrat 20,0, Hydroxyethylcellulose 400 5,0 in Aqua purif. ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. [2]
  • Aluminium-Hexahydrat-Lösung 20% (Rp: Aluminiumchorid-Hexyhydrat 20,0, Aqua purif. 20,0, Isopropylalkohol 70% ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. [2]
  • Aluminiumhydrochlorid, synthetische Gerbstoffe

Leitungswasser Iontophorese:

  • unter Umständen mit Hilfe von Achselpolstern möglich [2]
  • Anwendung von schwachen Gleichströmen (10-15 mA) im Wasserbad

Botulinumtoxin A zur Chemodenervierung

  • intrakutane Injektion von Botulinumtoxin A (50 IE/Achsel gleichmäßig; Bei Vergiftung: Botulismus-Antitoxin Chiron Behring 06421/39-0) , hält etwa 6 Monate

Systemische Therapie bei Hyperhidrosis axillaris

Salbei:

  • Tabletten mit Salbeiextrakten
  • es liegen keine Studien vor

Systemische Antihidrotika (Anticholinergika):

  • Methantheliniumbromide bei axillärer Hyperhidrose, 2 x 50 mg/d p.o. [6]
  • Bornaprinhydrochlorid: initial 2 mg/d p.o., wöchentlich um 2 mg bis auf 6-12 mg/d p.o. steigern [6]

Chirurgische Therapie bei primärer Hyperhidrose

Subkutane Kürettage:

  • therapieresistente axilläre Hyperhidrose
  • 2 Inzisionen apikal und distal in der Axilla, Unterminierung des Areals mit Schere, Kürretage der Schweißdrüsenknäuel [8]

Subkutane Saugkürretage

Exzision:

  • bei therapieresistenter axillärer Hyperhidrose
  • radikale Exzision des schweißdrüsentragenden Hautareals [7]

CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse


Komplikationen

Hyperhidrosis axillaris

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Die primäre Hyperhidrose führt zu:

  • Schamgefühl
  • sozialer Isolation
  • Depression (33,3% der Patienten) [9]

Die Hyperhidrosis axillaris führt zu einer kontinuierlichen Durchfeuchtung der Haut und kann somit begünstigend wirken für:

  • Pilzinfektionen
  • Erythrasma (Infektion mit Corynebacterium minutissimum)
  • Intertrigo

Zusatzhinweise

Hyperhidrosis axillaris

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Zur primären Hyperhidrose gibt es einen Score, welcher auch bei der Hyperhidrosis axillaris eine Einschätzung der Beeinträchtigung im täglichen Leben zulässt.

Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS):

1) Mein Schwitzen ist nicht bemerkbar und schränkt mich im täglichen Leben nicht ein.

2) Mein Schwitzen ist erträglich und stört mich nur gelegentlich im Alltag.

3) Mein Schwitzen ist schwer zu ertragen und schränkt mich in meinem Alltag regelmäßig ein.

4) Mein Schwitzen ist unerträglich und schränkt mich in meinem Alltag immer ein

Desweiteren ist eine Einschätzung der Lebensqualitätseinschränkung über den Dermatology Life Quality Index (DLQI) hilfreich.


Literaturquellen

Hyperhidrosis axillaris

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  1. (1999) 3. Reardon, P.R. et al.: Outpatient endoscopic thoracic sympathectomy using 2 mm instruments. Surdical Endoscopy ; 13(11): 1139-1142.
  2. (2002) Altmeyer P., Dirschka Th., Hartwig R. - Klinikleitfaden Dermatologie - Urban & Fischer
  3. (2002) Strehl, E., Zilker, T.: Vergiftungen und ihre Antidotbehandlung. 2. Auflage.
  4. (2003) Fritsch - Dermatologie Venerolgie - Springer
  5. (2004) Strutton DR, Kowalski JD, Glaser DA, Stang PE - US prevalence of hyperhidrosis and impact on individuals with axillary hyperhidrosis: results from a national survey - J. Am Acad Dermatol. 2004 Aug;51(2):241-8
  6. (2004)Hund M., Sinkgraven R., Rzany B.- Randomisierte, plazebokontrollierte klinische Doppelblindstudie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der oralen Therapie mit Methantheliniumbromid bei fokaler Hyperhidrose
  7. (2007) AWMF - Leitlinie - Definition und Therapie der primären Hyperhidrose
  8. (2010) Sterry W., Burgdorf W., Paus R. - Checkliste Dermatologie - Thieme
  9. (2010) Bashir K., Dar NR., Sibghat Ullah Rao - Depression in adult dermatology outpatients - J Coll Physicians Surg. Pak - 2010 Dec;20(12):811-3

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