Hyperemesis gravidarum

Synonyme: Schwangerschaftserbrechen, Erbrechen in der Schwangerschaft

Definition

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Eine Hyperemesis gravidarum ist gekennzeichnet durch [1] :

  • Erbrechen mehr als fünfmal pro Tag.
  • Gewichtsverlust durch erschwerte Nahrungsaufnahme.
  • Exsikkose durch erschwerte Flüssigkeitsaufnahme.
  • meist auf erstes Trimenon begrenzt

Ätiologie

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Physiologische Faktoren der Hyperemesis gravidarum [1]:

  • Erhöhte hCG- Produktion (Mehrlingsschwangerschaften)
  • Östrogen- Erhöhung (Datenlage nicht eindeutig)
  • Progesteron- Erhöhung (Datenlage nicht eindeutig)
  • HP- Infektion

Psychische Faktoren:

  • Angst vor der Elternschaft
  • Stress und Anspannung
  • vor der Schwangerschaft bestehenden psychische Probleme (Bulimie, Anorexie)

Epidemiologie

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?
  • 50-90% aller Schwangeren leiden unter Übelkeit und Erbrechen.
  • Bei 80% dauern die Beschwerden den ganzen Tag an.
  • In ca. 20% der Fälle besteht die Übelkeit die gesamte Schwangerschaft [1].

Inzidenz der Hyperemesis gravidarum liegt zwischen 0,5-2% weltweit [1].


Differentialdiagnosen

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Spezielle Anamnese bei V.a. Hyperemesis gravidarum:

  • Seit wann besteht Erbrechen?
  • Wie häufig?
  • Den ganzen Tag oder nur morgens?
  • Ist Flüssigkeitsaufnahme möglich? (Ggf. sofortige Klinikeinweisung!)
  • Ist Nahrungsaufnahme möglich? (Ggf. sofortige Klinikeinweisung!)
  • Bestehen andere Bescherden, wie z.B. Durchfall?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen psychischer Natur (Bulimie, Anorexie)?
  • Bestehen sonstige bekannte Vorerkrankungen?
  • Fieber?
  • Schwangerschaft seit wann?

Diagnostik

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Folgende Diagnostik sollte bei V.a. Hyperemesis gravidarum erfolgen [1] .

1. Sonographie:

  • intakte Schwangerschaft?
  • Mehrlingsschwangerschaft?
  • Blasenmole?

2. Labor:


Klinik

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Die Klinik einer Hyperemesis gravidarum kann aus unterschiedlichen Symptomen bestehen. Es müssen nicht zwangsäufig alle Symptome auftreten.

  • Übermäßiges Erbechen; mehr als 5 mal täglich
  • Erbrechen über den gesamten Tag
  • evtl. Gewichtsverlust
  • evtl. Exsikkose
  • metabolische Ketoazidose
  • Ketonämie (obstartiger Mundgeruch)
  • Temperaturanstieg
  • Ikterus
  • Fieber

Therapie

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Allgemeine Therapie der Hyperemesis gravidarum [5]:

  • Im ersten Trimenon ist eine Behandlung eher symptomatisch nötig. Häufig ist eine Ernährungsumstellung z.B. auf viele kleinere Mahlzeiten und das Meiden säurehaltiger und fettiger Nahrungsmittel ausreichend.
  • Meiden extremer Gerüche vermindert den Brechreiz.
  • Hier kann man auch zu "natürlichen" Hilfsmitteln wie beispielsweise Ingwer greifen. Bei starkem Sodbrennen wird z.B. die Einnahme von Heilerde oder langsames Kauen von Nüssen oder Schwarzbrot von Hebammen oft empfohlen.
  • Alternative Heilmethoden wie Akupressur können ebenfalls zum Einsatz kommen.
  • psychosomatische oder psychologische Betreuung

medikamentöse Therapie soll als Stufentherapie betrachtet werden [2] [3] [4]:

  • Vitamin B6 3x 10-20mg: hilft in Studien eher gegen Übelkeit udn reduziert kaum Erbrechen, daher für Hyperemesis gravidarum nur begrenzt einsetzbar [6]
  • Dimenhydrat 3-4x 50mg
  • Diphenhydramin alle 6-8 Stunden 25-50mg
  • Meclozin (in Deutschland nicht mehr erhältlich)
  • Metoclopramid 4x 10mg
  • Ondansetron i.v. alle 6-8 Stunden 2-4mg
  • Promethazin bis 6x täglich 12,5-25mg

stationär [1]:

  • Elektrolytentgleisungen: Volumen- und Elektrolytsubstitution mind. 3000ml/d
  • komplette Nahrungskarenz
  • Gabe von Vitaminen und Antiemetika
  • Kohlenhydrat- und Aminosäurelösungen (8400-10500kJ/d)
  • langsamer Kostaufbau, wenn Erbrechen weniger als dreimal täglich

Komplikationen

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Mögliche Komplikationen bei Hyperemesis gravidarum können sein:

  • intrauterine Wachstumsretardierung
  • Frühgeburt
  • Ösophagusrupturen
  • Mallory- Weiss- Syndrom
  • Pneumothorax
  • Neuropathie
  • Präeklampsie

Zusatzhinweise

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?

Da die Pathogenese der Hyperemesis gravidarum nicht vollständig geklärt ist, ist auch häufig die Therapie nur symptomatisch durchzuführen. Das ist für die betroffenen Frauen meist wenig zufriedenstellend. Häufig kann keine Heilung im eigentlichen Sinne erfolgen.



Literaturquellen

Hyperemesis gravidarum

Bearbeitungsstatus ?
  1.  Erbrechen in der Schwangerschaft; Deutsches Ärzteblatt 2007; 104(25): A-1821/B-1604/C-1544; Mylonas, Gingelmaier, Kainer
  2.  medical tribune, Dr. Dorothea Ranft; M. Pfann und Th. Fischer, internist. Prax. 2010, 50: 867-868
  3.  Rote Liste 2008, Herausgeber Rote Liste GmbH, Frankfurt/ Main
  4.  Informationen des Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Spandauer Damm 130, 14050 Berlin
  5.  Leitfaden Traditionelle Chinesische Medizin, C. Focks, N. Hillenbrand, 2. vollständig überarbeitete Auflage, Urban & Fischer 2000
  6. Matthews A, Dowswell T, Haas DM, Doyle M, O'Mathúna DP (2010:) Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database Syst Rev. 

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen