HIV-Infektion und AIDS

Synonyme: HIV , AIDS , acquired immune deficiency syndrome

Definition

HIV-Infektion und AIDS

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  • chronische Infektionskrankheit mit dem Retrovirus HIV (Hummanes Immundefizienz-Virus) aus der Familie der Lentiviren
  • die Infektion führt zu einem progredienten Immundefekt und schließlich zum klinischen Vollbild AIDS

Ätiologie

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Ursachen der HIV - Infektion und AIDS bei Kindern sind:

  • vertikale Infektion mit dem HI-Virus (Retrovirus) durch die Mutter → Einbau des Virusgenoms in die menschliche DNA
  • Zielzellen sind CD4-positive T-Lymphozyten und Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems

→ infolge progredienter, humoraler und zellulärer Immundefekt mit Abfall der CD4-positiven Zellen, u.g. klinischen Symptome, opportunistischen Infektionen und Malignomen

  • parenterale, sexuelle sowie prä- und perinatale  Übertragung und Übertragung während des Stillens möglich
  • Inkubationszeit 2-6 Wochen

2 Virusformen:

  • HIV-1 (v.a. Nordamerika und Europa);
  • HIV-2 (v.a. Westafrika und Indien, mit milderem Verlauf und seltener vertikaler Infektion);
  • ausgeprägter genetischer Polymorphismus.
  • B-Zell-System: Immunglobuline, v.a. IgG und IgA ↓, spezifische Impfantikörper nach Impfung ↓
  • T-Zell-System: T-Helfer-Zellen (CD4-positiv) zunehmend ↓

Epidemiologie

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  • Weltweit sind derzeit etwa 40 Mio Menschen mit dem HIV infiziert
  • in Deutschland leben zur Zeit etwa 60.000 HIV-infizierte (die tatsächliche Infektionsrate ist wahrscheinlich höher)
  • die Inzidenz beträgt in Deutschland etwa 3:100.000/Jahr
  • häufige Übertragungswege im Kindesalter: vertikale Infektion während der Geburt oder beim Stillen durch infizierte Mütter
  • Übertragung seltener durch Gerinnungskonzentrate, Blutprodukte, Transplantate, infizierte Nadeln und Transfusionsbestecke, Geschlechtsverkehr, sexuellen Missbrauch oder i.v.-Drogenabusus

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Folgende Inforamtionen sind bei HIV - Infektion und AIDS im Kindesalter wichtig:

  • HIV Infizierte Mutter? Kind gestillt)
  • grippeähnliche Beschwerden?
  • Häufige Infekte?
  • Allgemeinsbefinden?
  • Gewichtsverlust?
  • Nachtschweiß?
  • Knochenschmerzen und Fieber?

weitere Fragen:

  • andere Ursachen für Immunschwäche? z.B.: Kortikosteroid-Therapie, Zytostatika - (Chemo - ) therapie, maligne Erkrankungen, Diabetes mellitus, etc.

Diagnostik

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Labor:

  • Routinemäßig bei HIV positiver Mutter nach der Geburt.
  • Nachweis von spezifischen HIV-Antigen (p24)
  • Nachweis von HIV-DNA aus Lymphozyten
  • HIV-RNA aus dem Plasma mittels PCR
  • Virusquantifizierung: RNA-Kopien/ml Plasma
  • CD4-positive T-Zellen im Serum ↓

Serologie:

  • Nachweis von HIV-Antikörpern im Serum
  • Suchtest (ELISA) und Bestätigungstest (Immunoblot)

HIV-Resistenztestung (Medikamentenauswahl)


Klinik

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je nach Stadium (s. Zusatzhinweise):

Gewichtsverlust Nachtschweiß

  • rezidivierende/persistierende Infektionen der oberen Luftwege, Sinusistis, Otitis media
  • virale sowie parasitäre Infektionen und Mykosen
  • Dermatitis
  • Anämie, Neutropenie, Thrombopenie
  • Tumore (Lymphome, Kaposi-Sarkom)

Therapie

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Die Therapie von HIV - Infektion und AIDS gestaltet sich wiefolgt:

  • Ziel der Therapie ist es, die Viruslast auf < 50 Kopien/ml zu senken durch eine antiretrovirale Kombinationstherapie (HAART) aus:

HAART - 2 x NRTI + NNRTI oder 2 x NRTI + PI

NRTI (KI 1. Trimenon SS, Stillen; relative Nieren-, Leber- und Pankreaserkrankungen, Alkoholmissbrauch, Neuropathien)

  • Zidovudin – 500-600 mg/d
  • Tenofovir – 245 mg/d
  • Lamivudin – 300 mg/d
  • Emtricitabin – 200 mg/d

alternativ:

  • Abacavir – 600 mg/d

NNRTI

  • Nevirapin – 200-400 mg/d

PI

  • Lopinavir – 800 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d
  • Darunavir – 1200 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d
  • Tipranavir – 500 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d

alternativ:

  • Indinavir – 1600 mg/d
  • Nelfinavir – 2500 mg/d
  • Saquinavir – 2000 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
  • Amprenavir – 120 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
  • Atazanavir – 300 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
  • Postpartale Prophylaxe des Neugeborenen
  • Supportivtherapie: Immunglobuline i.v. bei rezidiverenden bakteriellen oder viralen Infekten
  • Prophylaxe von Begleiterkrankungen: Cotrimoxazol (2 x 24 mg/kg/d p.o.) als Dauerprophylaxe der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

Prognose:

  • die Morbidität konnte durch die verbesserten Therapieoptionen deutlich gesenkt werden
  • dennoch ist die Prognose immer noch infaust

Komplikationen

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  • die regelmäßige Einnahme der Medikamente ist essenziell, da bei mangelnder Compliance die Gefahr des Therapieversagens und der Resistenzentwicklung besteht
  • Ohne Therapie entwickeln 25% der infizierten Neugeborenen innerhalb eines Jahres das Vollbild AIDS

Zusatzhinweise

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  • vor der HIV-Diagnostik ist eine Einverständniserklärung von Patient oder Erziehungsberechtigtem erforderlich!

Einteilung der HIV - Erkrankung:

Kategorie N - nicht symptomatisch:

  • keine Symptome
  • nur ein Symptom aus Kategorie A

Kategorie A - milde Symptome:

  • Lymphadenopathie (> 0,5 cm an mehr als 2 Lymphknotenstationen)
  • Hepatosplenomegalie
  • Dermatitis
  • Parotits
  • rezidivierende/persistierende Infektionen der oberen Luftwege, Sinusistis, Otitis media

Kategorie B - mäßig bis schwere Symptome:

  • Fieber > 1 Monat
  • Anämie, Neutropenie, Thrombopenie > 30 Tage
  • Kardiomyopathie/Karditis
  • lymphoide interstitielle Pneumonie
  • Hepatitis
  • Nephropathie
  • rezidivierende/chronische Durchfälle
  • CMV-Infektionen vor dem 1. Lebensmonat
  • Herpes-simplex.Stomatitis > 2-mal im Jahr
  • Herpes-simplex-Bronchitits, -Pneumonie, -Ösophagitis vor dem 1. Lebensmonat
  • Herpes zoster > 2-mal oder an mehr als einem Dermatom
  • disseminierte Varizellen
  • bakterielle Meningitis, Pneumonie, Sepsis
  • Nokardiose
  • oropharyngeale Kandidose > 2 Monate, bei Kindern > 6 Monate
  • Toxoplasmose vor dem 2. Lebensmonat
  • Leiomyosarkom

Kategorie C - AIDS-definierte Erkrankungen:

  • virale Erkrankungen (u.a. HSV-Pneumonie, -Bronchitis; HIV-Enzephalitis; CMV-Infektionen außerhalb der Leber, Milz oder Lymphknoten bei Kindern > 1 Monat; EBV-Pneumonie)
  • bakterielle Infektionen (z.B. disseminierte oder extrapulmonale Tbc)
  • Pilzinfektionen (z.B. Kandidiasis von Ösophagus, Trachea, Bronchien, Lunge, disseminierte oder extrapulmonale Kryptokokkose, extrapulmonale Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie)
  • parasitäre Infektionen (z.B. ZNS-Toxoplasmose bei Kindern > 1 Monat, Kryptosporidiose)
  • Tumoren (Kaposi-Sarkom und Lymphome)

Literaturquellen

HIV-Infektion und AIDS

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  1. (2009) - B. Koletzko, C. Kröner  - Basiswissen Pädiatrie - Springer Verlag
  2. (2001) - K.-H. Niessen  - Pädiatrie - Thieme Verlag
  3. (2009) - G. Herold  -  Innere Medizin
  4. (2007) - E. Mayatepek  - Pädiatrie- Urban+Fischer
  5. (2007) - F. SItzmann  - Pädiatrie - Thieme Verlag
  6. (2007) - Kerbl, Kurz, Roos, Wessel - Checkliste Pädiatrie - Thieme Verlag
  7. (2009) AWMF-Leitlinie Antiretrovirale Therapie HIV-Infektion http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/055-001.htm>

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