HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Synonyme: HIV-assoziierte Retikulumzellsarkome
Definition
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Das HIV- assozierte ZNS- Lymphom ist eine unkontrollierte Proliferation maligner lymphatischer Zellen im ZNS bei begünstigender bestehender HIV-Infektion.
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Ätiologie
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Die Ursachen des HIV- assozierten ZNS- Lymphoms sind:
- idiopathisch
- begünstigt durch Immunsuppression (HIV-Infektion, Immunsuppressiva, kongenital)
Lokalisation:
- multifokal im Parenchym beider Hemisphären
- Thalamus und Stammganglien
- häufig spinale + leptomeningeale Aussaat
Pathologie:
- hoch maligne (WHO Grad IV)
- in fast 100% Nachweis von EBV-DNA
- meist B-Zell-Lymphome mit undifferenzierten Blasten
- regelhaftes Auftreten bei CD4-Zellen < 50/µl
Pathogenese der HIV Erkrankung:
- Übertragung verläuft relativ häufig genital - genital, öfter genital - anal (Mikroverletzungen der Analschleimhaut)
- prä- oder perinatale Infektion des Kindes
- infizierte Blutprodukte
- bei transurethralen Eingriffen = Gefahr bei Umgang mit Urin HIV-Infizierter
- Wahrscheinlichkeit sich bei Nadelstichverletzungen oder Schleimhautkontakt mit HIV-haltigem Marierial zu infizieren, wird als gering beschrieben
- Infektion mit dem HI-Virus (Retrovirus) → Einbau des Virusgenoms in die menschliche DNA
- Zielzellen sind CD4-positive T-Lymphozyten und Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems
→ infolge progredienter, humoraler und zellulärer Immundefekt mit Abfall der CD4-positiven Zellen, u.g. klinischen Symptome, opportunistischen Infektionen und Malignomen
- Inkubationszeit 2-6 Wochen
2 Virusformen:
- HIV-1 (v.a. Nordamerika und Europa);
- HIV-2 (v.a. Westafrika und Indien, mit milderem Verlauf und seltener vertikaler Infektion);
- ausgeprägter genetischer Polymorphismus.
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Epidemiologie zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Epidemiologie
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Das HIV- assozierte ZNS- Lymphom ist relativ häufig.
- Inzidenz: 3,6:1.000 AIDS-Patienten pro Jahr
- Nicht-HIV-assoziiert: 0,1:100.000 pro Jahr
- Altersgipfel: um 30. Lebensjahr
- Männer häufiger betroffen als Frauen
Die Anzahl HIV erkrankter Menschen zeigt einer steigenden Tendenz
- HIV ist inzwischen endemisch in Afrika
- Entwicklung zu Pandemie;
- zählt zu den 5 häufigsten Todesursachen weltweit.
- 33 Mio. Menschen zwischen 15-49 Jahren weltweit infiziert, 0.1% davon in Deutschland
- Die Inzidenz beträgt in Deutschland etwa 3:100.000/Jahr
- Erste Erkrankungsfälle in Deutschland 1981
- Prädisponierend sind Homosexualität und Drogenkonsum
(7 Personen tägl. mit einem HI-Virus infiziert)
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Differentialdiagnosen zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Differentialdiagnosen
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
- Non-Hodgkin-Lymphome
- Hodgkin-Lymphom
- Akute disseminierte Enzephalomyelitis
- ZNS-Toxoplasmose
- Wirbelsäulenmetastasen
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Anamnese zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Anamnese
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Beim HIV- assozierten ZNS- Lymphom sind folgende Informationen von Bedeutung:
- bestehende HIV-Infektion?
- letzte Kontrolluntersuchung: Viruslast, CD4-Zellzahl?
- weitere AIDS-definierende Erkrankungen?
- neurologische Ausfälle(Gedächtnissverlust, Erinnerungsschwäche, Lähmungserscheinungen, Kribbeln/ Missempfindungen)?
- epileptische Anfälle?
- Immunstatus?
- Medikamentenanamnese/derzeitige HIV-Therapie?
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Diagnostik zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Diagnostik
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Zur diagnostischen Abklärung des HIV- assozierten ZNS- Lymphoms sind relevant:
- neurologische Untersuchung
- Liquorpunktion: lymphozytäre Pleozytose, Gesamteiweiß erhöht, immunhistochemische Aufarbeitung
- cCT: multiple KM-anreichernde isodense Läsionen
- cMRT: in T1 multifokale, hypointense Bereiche mit ausgeprägtem KM-Enhancement
- evtl. Thallium-SPECT: Abgrenzung zur Toxoplasmose
- stereotaktische Biopsie: Goldstandard, wenn vertretbar keine Steroide vor Biopsie
- opthalmologisches Konsil: Funduskopie, Glaskörpertrübung?
- Tumor-Staging: Klärung: primäres ZNS-Lymphom vs. Metastase: HIV-Test, Rö-/CT-Thorax, Sono-/CT-Abdomen, Knochenmarkspunktion, urologisches Konsil
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Klinik zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Klinik
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Das HIV- assozierte ZNS- Lymphom kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:
Abhängig von Lokalisation, meist rasch progredient:
- Mono- oder Hemiparesen
- Sensibilitätsstörungen
- Gesichtsfelddefekte (okulärer Befall)
- Aphasie
- cerebelläre Symptome: Ataxie, Nystagmus
- Vigilanzminderung
- Wesensänderung
- Kopfschmerzen
- epileptische Anfälle
- bei menigealer Aussaat: Hirnnervenausfälle, radikuläre Symptome
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Therapie zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Therapie
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Die therapeutischen Möglichkeiten beim HIV- assozierten ZNS- Lymphom umfassen folgendes:
Kombinierte Radio-Chemotherapie:
- Methotrexat 3 - 5g/m2 KOF (systemisch+intrathekal)
- Dexamethason mit zeitweiser Rückbildung
- Ganzhirnbestrahlung mit 45 Gy
- HAART (highly active antiretroviral therapy): Immunrekonstitution kann zu einer deutlichen Verlängerung der Überlebenszeit (bis zu 36 Monate), ab einer T-Helferzellzahl unter 350/μl oder einer sehr dynamischen Entwicklung der Viruslast:
HAART - 2 x NRTI + NNRTI oder 2 x NRTI + PI
NRTI (KI 1. Trimenon SS, Stillen; relative Nieren-, Leber- und Pankreaserkrankungen, Alkoholmissbrauch, Neuropathien)
- Zidovudin – 500-600 mg/d
- Tenofovir – 245 mg/d
- Lamivudin – 300 mg/d
- Emtricitabin – 200 mg/d
alternativ:
- Abacavir – 600 mg/d
NNRTI
- Nevirapin – 200-400 mg/d
PI
- Lopinavir – 800 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d
- Darunavir – 1200 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d
- Tipranavir – 500 mg/d + Ritonavir - max. 100 mg/d
alternativ:
- Indinavir – 1600 mg/d
- Nelfinavir – 2500 mg/d
- Saquinavir – 2000 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
- Amprenavir – 120 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
- Atazanavir – 300 mg/d + Ritonavir max. 100 mg/d
Reserve-Therapeutika:
- Tipranavir – 500 mg/d p.o.
- Darunavir – 800-1200 mg/d p.o. + Ritonavir max. 100 mg/d p.o.
Zu vermeidende Kombinationen (höhere Toxizität oder fehlende Evidenz):
Lamivudin + Emtricitabin
Stavudin + Zidovudin, Didanosin oder Zalcitabin
Tenofovir + Didanosin oder Abacavir
- keine OP: da diffuses Wachstum und keine Verlängerung der Überlebenszeit
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Komplikationen zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Komplikationen
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Beim HIV- assozierten ZNS- Lymphom kommen folgende Komplikationen vor:
- Liquoraussaat
- Leukenzephalopathie durch Kombinationstherapie
- Hirnödem mit Einklemmung
- Tod
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Zusatzhinweise zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Zusatzhinweise
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
- Unter HAART ist die Inzidenz des HIV - assoziierten Lymphoms um ca. 85% rückläufig
- schlechte Prognose: bei HIV-Infektion mittlere Überlebenszeit 3 Monate
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom Literaturquellen zu:
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
Literaturquellen
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
- (2007) Gleixner C, Müller M, Wirth S - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
- (2008) Grehl H, Reinhardt F - Checkliste Neurologie, 4. überarbeitete und aktualisierte Auflage - Georg Thieme Verlag, Stuttgart
- (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
- (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
- (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
- (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
- (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
- (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
HIV-assoziiertes ZNS-Lymphom
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