Hirnstamm- und zerebelläre Symptome

Definition

Hirnstamm- und zerebelläre Symptome

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Hirnstamm- und zerebelläre Symptome bei chronischen Intoxikationen sind medikamentös bedingte Störungen von Hirnstamm- und Kleinhirnfunktionen mit Auswirkungen auf die Okulo-, Halte- und Stützmotorik sowie Veränderungen des Affekts.


Ätiologie

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Die Ursachen der Hirnstamm- und zerebellären Symptome sind:

  • Trizyklische Psychopharmaka
  • Neuroleptika
  • Barbiturate
  • Tranquilizer: Benzodiazepine
  • Muskelrelaxanzien: Baclofen, Dantamacrin
  • Hydantoine
  • Phenytoin
  • Lithium
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Pathophysiologie:

  • Störung der Formatio reticularis, die aufgrund ihrer polysynaptischen Struktur für Medikamente sehr anfällig ist

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Angaben zu den Hirnstamm- und zerebellären Symptomen liegen nicht vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Hirnstamm- und zerebellären Symptomen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Doppelbilder?
  • Schwindel?
  • Gangunsicherheit?
  • Persönlichkeitsveränderungen/Stimmungsschwankungen?
  • Sprachstörungen?
  • Beginn, Verlauf und Ausprägung der Symptomatik?
  • weitere neurologische Symptome?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommene Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Hirnstamm- und zerebellären Symptome sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: gründliche Hirnnervenuntersuchung: Geschmacks-/Geruchstestung, Hörprüfung, Weber-Rinne-Versuch, Okulomotorik, Pupillomotorik, Stand- und Gangtests (Unterberger-/Romberg-Versuch)
  • psychiatrische Exploration: zur Abklräung von Persönlichkeitsveränderungen
  • Elektrophysiologie: Hirnstammpotentiale, AEP, SSEP; Nystagmographie
  • bildgebende Verfahren: cCT/cMRT bei V.a. zentralen Prozess bzw. Hirnstammsyndrom
  • Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, Toxikologie aus Blut und Urin, evtl. Lues-Serologie

Klinik

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Die Hirnstamm- und zerebellären Symptome können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

Hohe Dosen von Neuroleptika, Barbituraten und Muskelrelaxanzien:

  • Dysarthrie
  • Dysphagie
  • Tremor der Hände
  • Bradydiadochokinese
  • Feinmotorikstörung

Barbiturate, Hydantoine und Benzodiazepine:

  • Blickrichtungsnystagmus
  • Bewusstseinsstörung und andere psychische Veränderungen

Phenytoin, Lithium:

  • Gang- und Standataxie
  • Intentionstremor
  • Hypermetrie
  • Dysdiadochokinese
  • Stimmungsschwankungen mit
    situationsinadäquatem Affekt (Euphorie, Affektverflachung, Reizbarkeit)

Therapie

Hirnstamm- und zerebelläre Symptome

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den Hirnstamm- und zerebellären Symptomen umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • sofortiges Absetzen bei beginnender Symptomatik
  • Verzicht auf toxische Präparate und Ausweichen auf sichere Medikamente

Komplikationen

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Bei den Hirnstamm- und zerebellären Symptomen kommen folgende Komplikationen vor:

  • irreversible Kleinhirnschädigung/-
    atrophie durch langjährige Phenytoin-Einnahme

Zusatzhinweise

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  • Kleinhirnstörungen sonst meist reversibel

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychiatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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