Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Synonyme: intrakranielle Drucksteigerung, Hirndruck

Definition

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Hirnödem ist eine Zunahme des Hirnvolumens durch eine Raumforderung oder eine Flüssigkeitsvermehrung mit Gefahr der Beeinträchtigung der cerebralen Blutversorgung und Kompression lebenswichtiger Strukturen.


Ätiologie

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen für ein Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen:

  • Raumfordernde Prozesse:
    • Hirntumoren
    • intracerebrale Massenblutung
    • Hämatome
    • Abszesse
    • perifokales Hirnödem (vasogen)
  • postischämisches Hirnödem:
    • nach Schlaganfall (zytotoxisch)
    • bei Intoxikationen
    • nach Starkstromunfall
    • als Komplikation bei Meningoenzephalitis
  • Sinusvenenthrombose
  • Hydrocephalus occlusus:
    • nach Subarachnoidalblutungen
    • bei Fehlbildungen des Gehirns
    • durch Hirntumoren/Metastasen
  • benigne intrakranielle Hypertension → siehe Pseudotumor cerebri unter DD
  • Reye-Syndrom bei Kindern: akute Enzephalopathie mit Hirnödem und fettiger Leberdegeneration nach ASS-Einnahme bei gleichzeitiger viraler Infektion

Die Pathophysiologie:

  • normaler intrakranieller Druck: 15 - 25 cm Wassersäule im Sitzen/Stehen, 6 - 20 cm Wassersäule im Liegen
  • cerebraler Perfusionsdruck = mittlerer arterieller Druck - intrakranieller Druck (CPP = MAP - ICP)
  • anfängliche Kompensation des gestiegenen ICP durch Abnahme des intrakraniellen Blut- und Liquorvolumens
  • wenn ICP = MAP → Tod durch Hirnischämie
  • Hirnödeme treten bevorzugt im Marklager auf

Epidemiologie

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Zur Epidemiologie von Hirnödem und intrakraniellen Drucksteigerungen sind derzeit keine Daten verfügbar.


Differentialdiagnosen

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Keine Differentialdiagnosen bekannt


Anamnese

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Für die Anamnese beim Verdacht auf Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Kopfschmerzen?
  • Sehstörungen?
  • Übelkeit und Erbrechen?
  • Bewusstseinseinschränkung?
  • Schwindel?
  • Gangschwierigkeiten?
  • Schluckauf?
  • bekannte Vorerkrankungen?
  • Medikamentenanamnese?

Diagnostik

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Zu den diagnostischen Maßnahmen beim Verdacht auf Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen gehören:

  • neurologische Untersuchung: HN-Untersuchung (Paresen der Okulomotorik, Perimetrie (vergrößerter blinder Fleck?), Funduskopie (Stauungspapille?)), auslösbarer Greifreflex (Frontalhirnstärung)?, Druckschmerzhaftigkeit der Trigeminusdruckpunkte
  • EEG: evtl. Herdbefund oder Allgemeinveränderungen möglich
  • bildgebende Verfahren: cCT zur Diagnose des Grundleidens, perifokale Ödeme meist gut sichtbar; (enge Liquorräume, verstrichene Gyrierung, Druckkappen an den Seitenventrikelpolen)
  • Liquorpunktion wg. Einklemmungsgefahr vermeiden!
  • Hirndruckmessung: Ventrikelkatheter oder epidurale Drucksonde

Klinik

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Die typischen klinischen Symptome bei Patienten mit Hirnödem und intrakraniellen Drucksteigerungen sind:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Zwangshaltung des Kopfes
  • neurologische Defizite: Paresen der Okulomotorik, Sehstörungen
  • Singultus
  • Bewusstseinsstörung: Somnolenz bis Koma
  • Atemstörung (Biot-Atmung)
  • Störungen der Psychomotorik: Verlangsamung, Affektverflachung
  • reaktive arterielle Hypertonie (Cushing-Reflex)

Therapie

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Die therapuetischen Maßnahmen bei Patienten mit Hirnödem und intrakraniellen Drucksteigerungen:

Konservativ:

  • 30°-Oberkörperhochlagerung
  • milde Hyperventilation (Ziel-pCO2 30 mm Hg)
  • Osmotherapie mit Mannitol (4 x tgl. 125 ml 20% über 20 Min. i.v., Glycerin, Tris-Puffer
  • medikamentös:
    • Dexamethason 4 x 4 mg pro Tag bei vasogenem Ödem (Hirntumoren)
    • Pentobarbital/Thiopental zum Abfangen von Druckspitzen

Operativ:

  • neurochirurgische Entfernung operabler Raumforderungen
  • palliativ: Liquorableitung durch ventrikuloatrialen/ventrikuloperitonealen Shunt oder Ventrikulozisternostomie
  • osteoklastische Trepanation bei Versagen der konservativen Therapie

Komplikationen

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Die möglichen Komplikationen bei Patienten mit Hirnödem und intrakraniellen Drucksteigerungen:

  • Herniation des medialen Temporallappens in den Tentoriumsschlitz → Strechsynergismen (obere Einklemmung)
  • Herniation der Kleinhirntonsillen in das Foramen magnum mit Mittelhirnkompression → Atemstillstand (untere Einklemmung)
  • cerebraler Perfusionsstillstand → Hirntod

Zusatzhinweise

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Die Besonderheiten beim Hirnödem und intrakraniellen Drucksteigerungen:

  • Prognose ist abhängig von der Grunderkrankung

Literaturquellen

Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Bearbeitungsstatus ?

Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychiatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  • (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  • (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  • (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  • (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  • (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  • (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  • (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  • (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

Assoziierte Krankheitsbilder zu Hirnödem und intrakranielle Drucksteigerungen

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen