Hirnnervensymptome

Definition

Hirnnervensymptome

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Hirnnervensymptome bei chronischen Intoxikationen sind medikamentös bedingte Funktionsstörungen von Hirnnerven, insbesondere des N. olfactorius (I.), des N. opticus (II.), des N. intermedius und des N. facialis  (VII.) sowie des N. vestibulocochlearis (VIII.).


Ätiologie

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Die Ursachen der Hirnnervensymptome bei chronischen Intoxikationen sind:

  • N. olfactorius: Clofibrat, Ampicillin, Ethambutol, Streptomycin,Tetrazykline, Methotrexat, Azathioprin, Vincristin, Allopurinol, Levamisol, Thiourazil, Etacrynsäure, Baclofen, Levodopa, Carbamazepin, Phenytoin, Lithium
  • N. intermedius: Penicillamin, Thiamazol
  • N. facialis : Vincristin
  • N. vestibulocochlearis: Aminoglykoside (Streptomycin, Gentamycin), Salicylate, rasche Furosemidgabe
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Epidemiologie

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Genaue epidemiologische Daten zu den Hirnnervensymptomen bei chronischen Intoxikationen sind zur Zeit nicht verfügbar.

  • Hörstörungen bei 4-15% der Patienten nach Streptomycinbehandlung
  • Vestibularisschädigungen bei 75% aller Patienten mit einer kumulativen Streptomycin-Gesamtdosis  von 120-240g
  • Schäden bereits ab 25 g möglich
  • stärkere Schäden in höherem Lebensalter und bei Niereninsuffizienz

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den Hirnnervensymptomen bei chronischen Intoxikationen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn, Verlauf und Ausprägung der Symptomatik?
  • Hör-/Riech-/Geschmacks-/Seh-/Gleichgewichtsstörungen?
  • weitere neurologische Symptome?
  • vorausgeganger Infekt?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommene Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Hirnnervensymptome bei chronischen Intoxikationen sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: gründliche Hirnnervenuntersuchung: Geschmacks-/Geruchstestung, Hörprüfung, Weber-Rinne-Versuch, Stand- und Gangtests, Perimetrie, Funduskopie, Okulomotorik, Pupillomotorik, Farbsehprüfung, Audiometrie, mimische Muskulatur
  • Elektrophysiologie: Hirnstammpotentiale, AEP, SSEP
  • bildgebende Verfahren: cCT/cMRT bei V.a. zentralen Prozess bzw. symptomatische Hirnnervenläsionen
  • Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, Toxikologie aus Blut und Urin

Klinik

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Die Hirnnervensymptome bei chronischen Intoxikationen können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • N. olfactorius:
    • Anosmie
    • Geschmacksverlust beim Essen
  • N. opticus:
    • Rot-Grün-Farbstörung
    • Papillenödem und Katarak unter Glukokortikoiden
    • schmerzhafte Optikusneuritis mit Sehstörung und Zentralskotom unter Chloramphenicol und Ethambutol
    • Farbsinn- und Sehstörungen unter Tetrazyklin und Digitalisglykosiden
  • N. intermedius: Ageusie (meist reversibel)
  • N. facialis : isolierte Fazialisparese
  • N. vestibulocochlearis:
    • Schädigung des Vestibulums ausgeprägter als die der Cochlea
    • Tinnitus
    • Hörminderung zunächst hoher, im Verlauf auch tiefer Frequenzen
    • Schwindel
    • cerebelläre Ataxie (über Monate bis Kompensation durch Gegenseite erreicht wird)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den Hirnnervensymptomen bei chronischen Intoxikationen umfassen folgendes:

  • keine kausale Therapie verfügbar
  • sofortiges Absetzen bei beginnender Symptomatik
  • Verzicht auf (oto-)toxische Präparate und Ausweichen auf sichere Medikamente
  • Versorgung mit Hörgerät bei irreversiblen Hörschäden

Komplikationen

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Bei den Hirnnervensymptomen bei chronischen Intoxikationen kommen folgende Komplikationen vor:

  • irreversibler Hörverlust

Zusatzhinweise

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  • DD der Anosmie: beginnendes Parkinson-Syndrom, Grippeanosmie
  • Anosmie, Ageusie und Fazialisparese meist reversibel

Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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