Hämophilie A

Synonyme: Bluterkrankheit, Haemophilia, Haemophilia vera, Klassische Hämophilie,Faktor-VIII-Mangel, Faktor-VIII-Mangelkrankheit

Definition

Hämophilie A

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Die Hämophilie A ist eine hereditäre Störung der sekundären Hämostase, die in der Regel nur bei Männern symptomatisch wird.


Ätiologie

Hämophilie A

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Die Ursachen der Hämophilie A sind:

  • Faktor-VIII:C-Aktivität ↓
  • Langer Arm des X-Chromosoms: 50 % Inversionen
  • 30 % Spontanmutationen Leere Familienanamnese

Epidemiologie

Hämophilie A

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Die Inzidenz der Hämophilie A liegt bei 1/5000 männliche Neugeborene. Es ist die häufigste hereditäre Störung der sekundären Hämostase:
  • X-Chromosomal-rezessive Vererbung
  • Manifestation meist in den ersten beiden Lebensjahren
  • Frauen selten symptomatisch, aber Konduktorinnen!

Differentialdiagnosen

Hämophilie A

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Anamnese

Hämophilie A

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Bei der Hämophilie A sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Familienanamnese
  • Medikamentenanamnese
  • Petechien/Hämarthros/Hämaturie?
  • Stürze/Synkopen?
  • Vigilanz?
  • Erbrechen?

Diagnostik

Hämophilie A

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Zur diagnostischen Abklärung der Hämophilie A sind relevant:

  • Thrombozytenzahl (normal)
  • Blutungszeit (normal)
  • Quick (normal)
  • PTT (verlängert)
  • Gerinnungsaktivität der Faktoren VIII und IX
  • Genetische Familienuntersuchung

Klinik

Hämophilie A

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Die Hämophilie A kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Abnorm starke Blutungen nach Traumata:
  1. Hämarthrosen
  2. Intramuskuläre Hämatome
  3. Hämaturien
  4. Abdominelle Blutungen
  5. Intrakranielle Blutungen (Todesursache bei >10% der Patienten)

Einteilung der Hämophilie in Schweregrade nach Restaktivität des Faktors:

  1. Subhämophilie       (15-50 % Restaktivität)
  2. Leichte Form          (5-15 % Restaktivität)
  3. Mittelschwere Form (1-5 % Restaktivität)
  4. Schwere Form        (<1 % Restaktivität)

Frauen werden selten symptomatisch, und wenn dann mit leichter bis mittelschwerer Ausprägung.


Therapie

Hämophilie A

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Hämophilie A umfassen:

  • Bei Restaktivität von ≥ 15 %: Keine Dauertherapie indiziert
  • Desmopressin (DDAVP) nur bei  einer Restaktivität ≥ 5 %: Bei akuten Blutungen und perioperativ (Cave bei hoher Flüssigkeitszufuhr: ADH-Analogon!)

 Gerinnungsfaktor-Substitution:

  • Gabe von 1 E/kg des Faktors =  im Blutspiegel wird der Faktor um1,5% erhöht
  • Menge richtet sich nach Schwere der Blutung bzw. nach Größe der geplanten Operation:
  1. Hämarthros/ i.m. Hämatom: 5-20 % Aktivität anstreben mit einer Therapiedauer von 2 Tagen
  2. Größere Organblutung und vor kleinen Operationen: 20-40 % Aktivität anstreben mit einer Therapiedauer von 5 Tagen
  3. GI-, intrathorakale/intrakranielle Blutung und vor größeren Operationen: 80-100 % Aktivität (unter 50% keine OP)anstreben mit einer Therapiedauer von 2-3 Wochen

Komplikationen

Hämophilie A

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Bei der Hämophilie A kommen folgende Komplikationen vor:

  • Arthritiden
  • Gelenkdeformitäten (in schweren Fällen Invalidität)
  • Kompartment-Syndrom evtl.  mit Extremitätenverlust
  • Anämie
  • Postrenales Nierenversagen
  • Tod durch Intrakranielle Blutungen

Zusatzhinweise

Hämophilie A

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Auto-Antikörperbildung gegen Gerinnungsfaktoren möglich (Hemmkörperhämophilie): Bei 10-20 % der Hämophilie-A-Patienten

Normale Substitution ist nur bei niedrigem AK-Titer möglich.


Literaturquellen

Hämophilie A

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  2. (2004) Classen M, Diehl V, Kochsiek K – Innere Medizin – Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  3. (2004) Fritsch P – Dermatologie Venerologie – Springer
  4. (2004) Reuter P – Springer Lexikon Medizin – Springer
  5. (2007) Mayatepek E – Pädiatrie – Urban & Fischer Verlag, Elsevier
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  7. (2005) Sailer C, Wasner S – Differenzialdiagnose pocket – Börm Bruckmeier
  8. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  9. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  10. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  11. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer

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