Haarzellleukoplakie

Synonyme: OHL, orale Haarzellleukoplakie

Definition

Haarzellleukoplakie

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Die Haarzellleukoplakie ist:

  • Pathognomisches Zeichen der HIV Infektion 
  • Streifenförmige, weißliche Verfärbungen
  • vornehmlich am Zungenrand lokalisiert..

Ätiologie

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Es wird angenommen, dass das EBV im Rahmen einer opportunstischen Infektion die Symptome der Haarzellleukoplakie verursacht.


Epidemiologie

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  • Die orale Haarzellleukoplakie tritt fast ausschließlich im Rahmen einer Infektion mit HIV auf.
  • Demensprechend gibt es eine größere Prävalenz bei folgenden Gruppen:
  1. Homosexuellen
  2. Menschen mit Herkunft aus Hochrisikogebiet
  3. Menschen mit häufigen ungeschütztem Geschlechtsverkehr
  4. i.v. Drogenabhängige

Differentialdiagnosen

Haarzellleukoplakie

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Anamnese

Haarzellleukoplakie

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Fragen in Richtung Haarzellleukoplakie:

-im Rahmen einer HIV-Infektion:

  • grippeähnliche Beschwerden?
  • unspezifische Symptome: Gewichtsverlust, Leistungsabnahme, Nachtschweiß, Fieber?
  • andere opportunistische Infektionen, evtl. mit schwerem Verlauf, wie z.B. Herpes Zoster, Herpes Simplex, Soor-Stomatitis, Tonsillitiden?
  • vorsichtiges Fragen, ob schon mal an HIV-Infektion gedacht wurde?
  • Infektionswege:

- ungeschützter Geschlechtsverkehr?

- i.v. Drogeneinnahme?

- an Kannüle o.ä. gestochen?

- Herkunft?

-im Rahmen einer Lues:

  • Primäraffekt? (ulcus durum)
  • Erythem?

Diagnostik

Haarzellleukoplakie

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Diagnostisch relevant bei einer Haarzellleukoplakie ist:

  • Anamnese

Inspektion:

  • Weißliche, streifige Veränderungen des Epithels am Zungenrand.
  • Nach anderen HIV-Manifestationen Ausschau halten.

Labor:

  • ELISA zum Antikörpernachweis von HIV.
  • Immunoblot zur Bestätigung bei positivem ELISA
  • Bestimmung der Viruslast mittels PCR oder p24 Antigen ELISA
  • Bestimmung von CD 4 und CD 8 T-Zellen.

weitere Untersuchungen:

evtl. Abklärung einer Superinfektion mit Candida bei Missempfindungen, Dysphagien Die orale Haarzellleukoplakie sieht der Leukoplakie optisch sehr ähnlich. Im Zweifel Biopsie.


Klinik

Haarzellleukoplakie

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Symptome einer Haarzellleukoplakie können sein:

  • Die orale Haarzellleukoplakie kann vor allem im Stadium B (ca 10 Jahre post infectionem) der HIV Infektion auftreten.
  • Sie gilt aber nicht als AIDS definierende Erkrankung.
  • Ihr Auftreten kann das Ende der asymptomatischen Krankheitsphase bedeuten.
  • Prognostisch stellt die OHL ein eher ungünstiges Zeichen dar.
  • Die OHL selbst ist normalerweise schmerzarm oder -frei
  • Missempfindungen hauptsächlich bei Superinfektion mit Candida (-> Soor).

Therapie

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Symptomatische Behandlung OHL:

  • lokale Behandlung mit Vitamin A Säure und/oder Podophyllin.

Behandlung einer Candida-Superinfektion:  

lokal:

  • z.B. Amphotericin B 4x tägl. Lutschtablette nach Mahlzeit oder
  • Nystatin Suspension, 4-6 mal tägl.

systemisch: 

  • z.B. Fluconazol 1x tägl. 50 mg, bei schwerem Krankheitsverlauf bis 100 mg, 7-14 Tage.

Behandlung der HIV-Infektion: 

HAART (hochaktive antiretrovirale Therapie): sie besteht aus einer Dreierkombination folgender Komponenten:

  • nukleosidische Reverse-Transcriptase-Inhibitoren, z.B. AZT, DDC, 3TC, ddI, Abacavir
  • nicht nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer, z.B. Neviparin, Efavirenz, Delavirdin
  • Proteinaseinhibitoren, z.B. Indinavir, Saquanavir 
  • Fusionsinhibitoren
  • weitere

Bemerkung zur HIV-Therapie:

  • Es sollte keine Monotherapie versucht werden.
  • Die Therapie zeigt zahlreiche unangenehme Nebenwirkungen: 
  1. Kopfschmerzen
  2. Schlafstörungen
  3. allergische Reaktionen
  4. Charakteristisch und gefürchtet ist das Lipodystrophie-Syndrom.

Komplikationen

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Mögliche Komplikation einer Haarzellleukoplakie ist eine Superinfektion mit Candida -> Soor. Daraus kann folgen:

  • Encephalitis
  • Oesophagitis
  • Pneumonie

Zusatzhinweise

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Derzeit liegen keine Zusatzhinweie zu einer Haarzellleukoplakie vor.


Literaturquellen

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  1. Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Orale Candidose
  2. Probst/Grevers/Iro: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 3. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart
  3. Arnold/Ganzer: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart.
  4. Groß: Kurzlehrbuch medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2006
  • (2008) Zener H - Praktische Therapie von HNO Krankheiten, Operationsprinzipien, konservative Therapie, Chemo- und Radiochemotherapie, Arzneimittel- und physikalische Therapie,Rehabilitation - Schattauer Verlag
  • (2007) Boenninghaus H, Lenarz T - Hals-Nasen-Ohren Heilkinde - Springer Verlag
  • (2003) Werner, Lippert - HNO-Heilkunde, Farbatlas zur Befunderhebung, Differenzialdiagnostik und Therapie - Schattauer
  • (2001) Westhofen M - Hals-Nasen-Ohrenheilkunde systematisch - UNI-MED Verlag AG
  • (1990) Ganz Herausgegeben - Lehrbuch Hals-Nasen-Ohren Heilkunde - Walter De Gruyter

Assoziierte Krankheitsbilder zu Haarzellleukoplakie

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