Glossopharyngikusneuralgie

Synonyme: Gesichtsneuralgie, Gesichtsschmerz, Glossopharyngeusneuralgie

Definition

Glossopharyngikusneuralgie

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Die Glossopharyngikusneuralgie gehört zur Gruppe der primären Gesichtsschmerzen (eigenständiger Gesichtsschmerz, ohne erkennbare Ursache), und wird des Öfteren mit der Trigeminusneuralgie verwechselt. Es kommt hierbei zu Schmerzattacken, die durch Bewegungen wie Kauen, Sprechen und Schlucken ausgelöst werden.


Ätiologie

Glossopharyngikusneuralgie

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Die Ursachen der Glossopharyngikusneuralgie sind:

  • Bis heute nicht vollständig geklärt
  • Vermutlich ist in den meisten Fällen eine Entmarkung des N. Glossopharyngeus durch die Pulsationen angrenzender Gefäße die Ursache
  • Hierdurch kommt es zur Übertragung nervaler Impulse von epikritischen Fasern auf protopathische Fasern, was letztendlich die Schmerzattacken auslöst
  • Darüber hinaus können auch Tumore, Verletzungen des Nervs oder Entzündliche Veränderungen des Nerven zur Glossopharyngikusneuralgie führen

Epidemiologie

Glossopharyngikusneuralgie

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Genaue epidemiologische Daten zur Glossopharyngikusneuralgie sind zur Zeit nicht verfügbar.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Glossopharyngikusneuralgie sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Art und Dauer der Schmerzen?
  • Schmerzattacken?
  • Ort der Schmerzen?
  • Durch bestimmte Bewegungen auslösbar?(Kauen, Sprechen, Schlucken?)

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Glossopharyngikusneuralgie sind relevant:

  • Klinische Diagnose
  • Durch Spateldruck in der Tonsillenregion kann häufig eine Attacke ausgelöst werden
  • Bildgebende Diagnostik (MRT,CT) zum Ausschluß von Tumoren oder einer symptomatischen Neuralgie 
  • Diagnostische Anästhesie der Rachenwand
  • Zahnärztliches- und HNO-ärztliches Konsil

Klinik

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Die Glossopharyngikusneuralgie kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Anfallsartige Schmerzen in der Tonsillengegend, im Zungengrund oder Mittelohr mit Ausstrahlung in den Rachen, die von Geschmacksstörung und Husten begleitet sind.
  • Die Attacken dauern zwischen wenigen Sekunden bis zu 2 Minuten.
  • Die Schmerzen sind sehr stark, scharf, stechend.
  • Sie werden durch Schlucken, Sprechen, Zungenbewegungen, besonders Trinken kalter Flüssigkeit ausgelöst;
  • Typischerweise einseitige Schmerzen;
  • Im Anfall sind Mund und Rachen trocken;
  • Keine neurologischen Defizite.

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Glossopharyngikusneuralgie umfassen folgendes:

  • Akut erfolgt eine lokale Oberflächenanästhesie mit Xylocainspray oder Infiltrationsanästhesie mit 1%-tigem Novocain;
  • Carbamazepin (600-800mg/d) Mittel der 1. Wahl;
  • Oxcarbazepin (bis 1500mg/d);
  • Baclofen (25-75mg/d);
  • Gabapentin (bis 1800mg/d);
  • mikrovaskuläre Dekompression;
  • intrakranielle partielle Rhizotomie;
  • perkutane Thermokoagulation;

Neurodestruktive Verfahren (Durchtrennung des Nervs) sind nicht indiziert.


Komplikationen

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Bei der Glossopharyngikusneuralgie kommen folgende Komplikationen vor:

  • Gefahr der Dehydrierung und der Kachexie, da einige Patienten aus Angst eine Schmerzattacke auszulösen nicht mehr ausreichend Nahrung und Flüssigkeit zu sich nehmen

Zusatzhinweise

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Zur Glossopharyngikusneuralgie liegen derzeit keine Zusatzinformationen vor.


Literaturquellen

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  1. (2007) Brandt T, Dichgans J, Diener H CH - Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen - Kohlhammer Verlag
  2. (2006) Poeck K, Hacke W - Neurologie - Springer Verlag
  3. (2008) Mumenthaler M, Mattle H - Neurologie - Thieme Verlag
  4. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer Verlag
  5. (2007) Masuhr KF, Neumann M - Neurologie - Thieme Verlag, Duale Reihe
  6. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme Verlag
  7. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft
  8. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag
  9. (2008) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie - Diagnostik neuropathischer Schmerzen - http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/AWMF/ll/030-132.htm>

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