Glaukomanfall

Synonyme: akuter Glaukomanfall, Glaukomanfall, primäres Winkelblockglaukom

Definition

Glaukomanfall

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Der Glaukomanfall beruht auf einer plötzlichen Verminderung des Kammerwasserabflusses aufgrund einer Verlegung des Kammerwinkels durch die Iris (Winkelblock). Der akute Winkelblock führt zu einer drastischen Druckerhöhung bis zu mehr als dem dreifachen der Norm (70 mm Hg), mit tastbar steinhartem Augapfel.


Ätiologie

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Ein Glaukomanfall ist eine plötzliche Verlegung des Kammerwinkels durch die Iriswurzel infolge einer Pupillenerweiterung

Ursachen:

  • Schreck, Medikamente, Angst, Dunkelheit
  • Vorverlagerung des Iris-Linsen-Diaphragmas
  • Entzündungsfolge durch Irishyperämie u. Verklebung d. Pupille durch hintere Synechie (="Pupillarblock")

prädisponierende Faktoren:

  • enger Kammerwinkel oder flache Vorderkammer bei anatomischem Kurzbau des Auges (Messung: Hornhautdurchmesser <11mm)
  • Hypermetropie
  • Linse zu groß für Auge
  • dicke Iriswurzel
  • ältere Menschen, insbesondere ältere Frauen durch größer werdende Linse stärker gefährdet 
  • genetische Basis wahrscheinlich, bei Eskimos gehäuft

Epidemiologie

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Folgende epidemiologische Daten zum Glaukomanfall liegen derzeit vor:

  • ältere Personen sind häufiger von einem Glaukomanfall betroffen
  • Frauen > Männer

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei einem Glaukomanfall sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • akut "rotes Auge"?
  • starke Schmerzen?
  • Pupille weit, oft entrundet, lichtstarr ?
  • Augapfel palpatorisch steinhart ?
  • Hornhaut rauchig getrübt, Oberfläche glanzlos ?
  • mittelweite Pupille?
  • schlechtere Sehschärfe??
  • Übelkeit, Erbrechen u. Unwohlsein?
  • Lichter mit scheinenden Kreisen?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung eines Glaukomanfalls sind relevant:

  • Inspektion (Pupille weit und reaktionslos)
  • Palpation (Augapfel hart)
  • Spaltlampe
  • Gonioskopie
  • Tonometrie
  • Gesichtsfeld- und Papillendiagnostik
  • Lichtreaktion und Nahreflex
  • Mydriasistest

Klinik

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Der Glaukomanfall kann eins oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Rubor und Schmerzen
  • Visusreduktion
  • Pupille mittelweit, vertikal-oval
  • Tyndall positiv
  • ziliare, konjunktivale Gefäßinjektionen
  • Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein
  • Hornhautödem, darum Halos um Lichter, meist unilateral
  • flache Vorderkammer, iridokornealer Kontakt möglich
  • hartes Auge bei der Palpation
  • einseitiger Kammerwinkelverschluss, Gegenseite eng
  • einseitig stark erhöhte Augeninnendruck-Werte, oft >50 mmHg
  • Gesichtsfeld- und Papillendiagnostik unauffällig, wenn Anfall nur wenige Stunden besteht und kein chronisches Engwinkelglaukom vorliegt
  • betroffene Pupille reagiert nicht auf Lichtreaktion und Nahreflex
  • im Intervall: Auge reizfrei, Kammerwinkel bds. eng und Vorderkammer bds. flach
  • Mydriasis-Provokationstest: Klärung OP-Indikation(siehe Zusatzhinweise)

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Glaukomanfall umfassen folgendes:

  • bei Glaukomanfall: 500mg Acetazolamid i.v. bis zur Iridektomie, dann 250mg oral, 4-mal tgl. (NW: Anämie, Leukopenie, Thrombopenie, KI: Stillzeit, Niereninsuff., Hypokaliämie, Leberfkt.-störungen, Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide
  • Kaliumsubstitution: z.B. Kalinor-BT, Dosierung: 2-3-mal tgl. 1 Tablette
  • Pilocarpin 1% AT, Dosierung: alle 5 min. über 30 min., dann alle 15 min. bis innerer okulärer Druck normal, weiterhin 4-mal tgl. 2%iges Pilocarpin, evtl. Kombination mit Timolol 0,5% AT, Dosierung: 1-mal sofort, dann 2-mal tgl. weiterhin (NW u. KI beachten!)
  • Mannitol bei nicht ausreichender Reduktion des inneren Augendrucks, 20%ig i.v., Dosis: einmalig 1-2g/kg 30 min. lang, Glyzerin oral, Dosierung: 1-1,5g/kg einmalig(Zitronensaft + Eisstücke zusetzen)
  • Partnerauge: Pilocarpin 2% AT, Dosierung: 3-mal tgl., Pilocarpol 2% in der Nacht

Chirurgische Interventionen:

  • periphere Iridektomie oder Laser-Iridotomie
  • prophylaktische Laser-Iridotomie des Partnerauges
  • im anfallsfreien Intervall Kataraktextraktion bei intumeszenter Linse, nach medikamentöser Senkung des inneren Augendruckes(erst am OP-Tisch Mydriasis!)

Komplikationen

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Folgende Komplikationen eines Glaukomanfall können auftreten:

  • Synechienbildung bei längerem Kontakt von Iris u. Trabekelwerk
  • Irisischämie
  • Irisnekrose
  • Descementfalten
  • fixierte, mittelweite Pupille bei Irisatrophie
  • Irissphinkterparalyse
  • hintere Synechien
  • Pigment im Kammerwinkel
  • teilw. od. komplett verschlossener Kammerwinkel
  • Pigment auf Iris- u. Hornhautenduthel
  • chorioidale Falten bei Hypertonie
  • blasse, atrophische Pupille bei ischämischer Optikusneuropathie
  • Linsenglaukomflecken
  • Risiko innerhalb von 5 J. Glaukomanfall auf anderem Auge zu haben =50%
  • chron. Engwinkelglaukom

Zusatzhinweise

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Folgende Zusatzhinweise sollten beim Glaukomanfall beachtet werden:

Mydriasis-Provokationstest

  • in Klinik und unilateral durchgeführt
  • erst Augeninnendruckmessung
  • anschließend 1 Tropfen Tropicamid
  • nun alle 5 min. Druckmessung, über 20-40 min. Dauer, bis max. Mydriasis erreicht od. Augeninnendruck ↑
  • bei Tonusanstieg 500mg Acetazolamid i.v. u. Druckkontrollen bis Tension wieder nomal
  • steigt Augeninnendruck, dann Indikation zur peripheren Iridektomie od YAG-Iridotomie

Längere lokale oder allgemeine Gabe von Glukokortikoiden kann zu Augendrucksteigerungen (sog. Kortisonglaukom; meist chronisch, aber auch akut!) führen. Bei längeren Glukokortikoidgaben deshalb Augendruckkontrolle durch Augenarzt erforderlich!


Literaturquellen

Glaukomanfall

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  1. (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer
  2. (2009) Dahlmann C - Crashkurs Augenheilkunde - Urban & Fischer, Elsevier
  3. (2008) Schmidt D - Tipps und Tricks für den Augenarzt, Problemlösungen von A – Z - Springer Verlag
  4. (2008) Lang, G.K - Augenheilkunde - Thieme Verlag
  5. (2008) Kanski J - Klinische Ophthalmologie, Lehrbuch und Atlas - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2008) Grehn F - Augenheilkunde - Springer Verlag, Berlin
  7. (2003) Sachsenweger M - Augenheilkunde - Thieme
  8. (2001) Augustin A - Augenheilkunde - Springer
  9. (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  10. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  11. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  12. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  13. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  14. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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