Gicht (Korneaveränderungen)

Synonyme: Hornhautveränderungen bei Gicht

Definition

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Als Gicht bezeichnet man die klinisch manifeste Form der Hyperurikämie (Serum-Harnsäure >6,4 mg/dl).


Ätiologie

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Für die der Gicht zugrunde liegenden Hyperurikämie gibt es verschiedene Ursachen:

Primäre Hyperurikämie:

  • gestörte tubuläre Ausscheidung von Harnsäure durch die Niere (> 99% der Fälle)
  • Produktion von zu viel Harnsäure: z.B. beim Lesch-Nyhan-Syndrom oder dem Kelley-Seegmiller-Syndrom (selten)

Sekundäre Hyperurikämie:

  • renale Ausscheidung vermindert (z.B. Nierenerkrankungen, Laktat- oder Ketoazidosen, Saluretika) [11]

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Gicht:

  • Die Gicht kommt gehäuft in der westlichen Welt vor.
  • Es handelt sich um eine Wohlstandskrankheit.
  • Die asymptomatische Verlaufsform ist viel häufiger als die symptomatische.
  • 20% der Männer haben in diesen Ländern eine Hyperurikämie > 7 mg/dl [11]
  • Frauen leiden eher nach der Menopause unter erhöhten Harnsäure-Werten [11]
  • Das Risiko einer Nephrolithiasis bei bestehender asymptomatischer Hyperurikämie liegt bei 0,2 %/Jahr [11]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Gicht sind folgende Informationen relevant:

  • Welche Beschwerden? Seit wann?
  • plötzlicher oder schleichender Beginn?
  • schon einmal gehabt?
  • Welche Gelenke sind betroffen?
  • Schmerzen?
  • Kann die Bettdecke ertragen werden?
  • Fieber?
  • Abgeschlagenheit?
  • Hat sich das Sehen verschlechtert?
  • Fremdkörpergefühl am Auge?
  • Diät? Feste mit reichlich Essen oder Alkohol?
  • Risikofaktoren fürs metabolische Syndrom: Bluthochdruck? Raucher? Zuckerkrank? Zu hohe Fettwerte?
  • Grunderkrankungen?
  • Nierenerkrankungen? Stoffwechselerkrankungen? Blutarmut? Tumorleiden?
  • Werden Medikamente eingenommen?
  • Haben andere Familienmitglieder Gicht?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Gicht werden folgende Methoden genutzt:

  • gründliche Anamnese erheben
  • körperliche Untersuchung, insbesondere der Gelenke: Inspektion (Rötung? Schwellung?), Palpation (Strukturen tasten, Schwellung tasten, überwärmt? schmerzhaft?)
  • Augen gerötet? Bindehaut? Sklera?
  • Körpertemperatur messen
  • Labor: Diff.BB (Leukozytose?) BSG, CRP, Kreatinin, Harnstoff, Harnsäure (muss nicht erhöht sein)
  • Urin: Harnsäure-Ausscheidung im 24h-Urin
  • Röntgen der jeweiligen Gelenke
  • evtl. Gelenkpunktion mit Untersuchung von Synovia und mikrobiologischer Untersuchung des Punktats
  • Spezialuntersuchungen bei Verdacht auf Enzymdefekte des Purinstoffwechsels
  • bei Beschwerden an den Augen eingehende ophtalmologische Untersuchung, z.B. an der Spaltlampe

Bei unklarer Ursache einer Gelenksentzündung deutet das prompte Ansprechen auf Colchicin (ex juvantibus) auf einen akuten Gichtanfall hin.


Klinik

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Das klinische Bild der Gicht präsentiert sich durch eines oder mehrere der folgenden Symptome:

Stadium I: asymptomatische Hyperurikämie

  • keine Beschwerden

Stadium II: akuter Gichtanfall

  • allgemeine Beschwerden: Fieber, Abgeschlagenheit
  • akute, oftmals in der Nacht auftretende, dolente Schwellung, Rötung eines Gelenks (Monarthritis)
  • oft wird die Bettdecke nicht toleriert
  • Lokalisation:am häufigsten Großzehengrundgelenk, theoretisch kann jedes Gelenk betroffen sein
  • Großzehengrundgelenk -> Podagra
  • Daumengrundgelenk -> Chiragra
  • gelegentlich mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen
  • Ohne Therapie spontanes Abklingen der Beschwerden in der Regel nach einigen Tagen bis Wochen.

Stadium III: interkritisches Stadium

  • Die interkritische Phase der Hyperurikämie folgt dem akuten Gichtanfall und ist symptomfrei.
  • Bei späteren Anfällen sind meist mehrere Gelenke betroffen.
  • Diese Anfälle sind dann oftmals schwerwiegender.

Stadium IV: chronische Gicht

  • Gichttophi: bis zu hühnereigroße Tophi im Bereich der Füße, Achillessehnen, Hände, Ellenbogen, Kniegelenke, Haut, Ohrmuschel, Bursen; selten Herzklappen und Bandscheiben
  • Polyartikuläre Arthritis: ständige Beschwerden, Funktionseinschränkungen
  • meist distal betont: Großzehengrundgelenk, Mittelfuß
  • im späteren Verlauf auch unregelmäßiger Befall von Fingergelenken, die derb, verdickt und knotig aufgetrieben sind
  • Renale Manifestationen: Urat-Nephrolithiasis und abakterielle interstitielle Nephritis (Proteinurie als Frühsymptom)

Außerdem kann es zu nicht-infektiösen Skleritiden sowie Konjunktivitiden kommen.


Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten des akuten Gichtanfalls umfassen: [11]

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR als Mittel der ersten Wahl) z.B. Ibuprofen oral: Einzeldosis 800 mg, Tagesdosis bis 2.400 mg
  • Colchicin (Mittel der Reserve): initial 1 mg/h für 4h, dann 0,5 mg - 1 mg alle 2h, max.Tagesdosis: 6mg, bei Besserung der Symptomatik rasch Dosis reduzieren
  • symptomatische Therapie: Gelenk kühlen, hochlagern, schonen bis Anfall abgeklungen ist

Langfristige Therapie:

  • Körpergewicht normalisieren
  • purinarme Diät (wenig Fleisch, keine Innereien, kein Alkohol)
  • viel Trinken
  • Urikostatika bzw. Urikosurika (z.B.: Allopurinol 100-300 mg/d (an Nierenfunktion anpassen), alternativ Benzbromaron oder Probenecid
  • ggf. prophylaktisch Allopurinol bei Diät und Chemotherapie
  • Wechselwirkungen von Medikamenten beachten, die den Harnsäure-Stoffwechsel beeinflussen (z.B. Diuretika)

Bei Komplikationen:

  • bei Urolithiasis: interdisziplinäres Therapieregime mit Urologen
  • bei Niereninsuffizienz: ggf. Nierenersatzbehandlung, Konsultation mit Nephrologen
  • bei großen, störenden Tophi und einer ausgeprägten Gelenkproblematik kann ein chirurgisches Vorgehen mit dem Patienten diskutiert werden.
  • bei Skleritis/Konjunktivitis: ggf. lokale oder systemische nicht-steroidale antiphlogistische Therapie [12]

Komplikationen

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Komplikationen der Gicht:

Gelenkdeformierungen:

  • Fehlstellungen
  • Funktionseinschränkungen
  • chronischer Schmerz
  • kosmetische Beeinträchtigung

Weichteiltophi:

  • Schleimbeutelentzündung
  • Karpaltunnelsyndrom

Nierenbeteiligung:

  • bei Urolithiasis: Harnwegsinfekte, Urosepsis, Fornixruptur, Tod
  • bei Uratnephropathie: Niereninsuffizienz, Tod

Augen:

  • es kann zu nicht-infektiösen Skleritiden bzw. Konjunktivitiden kommen

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zur Gicht:

Stadieneinteilung der Hyperurikämie: [11]

  1. Asymptomatische Hyperurikämie
  2. Akuter Gichtanfall
  3. Interkritisches Stadium (Zeitraum zwischen 2 Gichtanfällen)
  4. Chronische Gicht

Literaturquellen

Gicht (Korneaveränderungen)

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  1. (2010) Ameri A A - Harnsäurewerte werden dauerhaft gesenkt. Neues Medikament gegen Gicht -  Münchner Medizinische Wochenschrift
  2. (2003) Hettenhofer H J - Rheumatologie: Diagnostik, Klinik, Therapie - Thieme
  3. (2004) Comberg H U, Klimm H D - Allgemeinmedizin - Thieme
  4. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  5. (2009) Arasteh K, Baenkler H W, Bieber C - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  6. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Gerd Herold Verlag
  7. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  9. Nill, A , Fornara P - Ärztliche Praxis Urologie. Urolithiasis.
  10. (2010) Walther S - Von der Akutbehandlung bis zur Metaphylaxe. Arsenal gegen Harnsteine. Münchner Medizinische Wochenschrift
  11. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  12. (2008) Lang G K - Augenheilkunde - Thieme

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