Genu varum

Synonyme: O-Bein

Definition

Genu varum

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Als Genu varum bezeichnet man eine Fehlstellung des Knies bei der die Achse in Varusstellung abweicht (Knie ragt unphysiologisch nach lateral).

Normale Entwicklund der Beinachse:

  • Säugling → O-Beine
  • Kind 3 J. → ca. 10° Valgus
  • Schulalter ca. 7 J. → physiolog. Valgus (ca. 5-7°)

Ätiologie

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Mögliche Ursachen des Genu varum sind:

  • epiphysär bedingt: Wachstumsstörung in der proximalen medialen Tibiaepiphysenfuge führt bei erhaltenem Wachstum der lateralen Epiphysenfuge zur Varisierung (Morbus Blount)
  • postraumatisch: Stop des Wachstums in der betroffenen Epiphysenfuge führt bei erhaltenem Wachstum der Gegenseite zu Achsfehlstellung
  • metaoblische Störung: Beeinträchtigung der Epiphyse z.B. durch Rachitis, Phosphatdiabetes, Achondroplasie, Osteogenesis imperfecta, im Alter: Osteoporose
  • Tumoren: Wachstumsstopp durch Tumor (z.B. Osteochondrom)

- meist beidseitig auftretend und symmetrisch

- im Kindesalter physiologisch


Epidemiologie

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Es liegen zur Zeit keine epidemioloischen Daten des Genu varum vor.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Wichtige zu erhebende Informationen eines Genu varum sind:

  • Schmerzen
  • Funktionseinschränkung
  • Unfälle
  • Systemerkrankungen
  • vorherige konservative und operative Behandlung
  • Familienanamnese
  • Allgemeinerkrankungen

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung des Genu varum sind relevant:

  • exakte Messung und Dokumentation der Beinachsen (Hüfte und Sprunggelenke müssen mituntersucht werden)
  • Röntgen: lange Beinachsenaufnahmen anterior-posterior im Stehen (Ausmaß der Deformität, Ort der stärksten Achsenabweichung und Konfiguration der Epiphysenfugen zu beurteilen)
  • Labor: Vit.-D-resistente Rachitis (Phosphat ↓↓, AP(↑), Kalzium ↔), Vit.-D-Mangelrachitis (AP ↑, Kazium ↔)

Klinik

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Ein Genu varum macht selten Beschwerden.

Im Spätstadium kommt es eventuell zur Instabilität des Gelenkes und degenerativen Veränderungen.


Therapie

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Die therapeutischen Maßnahmen des Genu varum umfassen:

konservativ (wirkt nicht kurrativ):

  • Schuherhöhungen an der Außenkante: Entlastet das mediale Kniegelenkskompartiment

operativ:

  • Epiphysiodese der lateralen Fuge bei Schädigung der medialen Epiphysenfuge -> führt zur Beinlängendifferenz, verhindert aber die Entstehung eines Achsfehlers
  • Korrekturosteotomie (nach Wachstumsabschluss)

Komplikationen

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Zu den möglichen Komplikationen des Genu varum gehören:

  • Bildung von Arthrosen und Meniskusläsionen
  • Gelenkinstabilität

Zusatzhinweise

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Wichtige zusätzliche Hinweise zum Genu varum sind:

Genu varum bei:

  • Rachitis: hohe Tendenz zur spontankorrektur
  • Vit.-D-resistenter Rachitis: selten Spontankorrektur

zu Differentialdiagnose:

  • Stoffwechselerkrankungen
  • Osteodysplasien

Literaturquellen

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  1. (2009) Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie - Kniegelenknahe Beinachsfehlstellung: http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/033-005.htm>
  2. (2009) Niethard F, Pfeil J - Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  3. (2010) Wülker Nikolaus - Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie - Thieme
  4. (2005) Rössler H, Rüther Wolfgang - Orthopädie und Unfallchirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  5. (1998) Krämer J, Grifka J, Hedtmann A, Krämer R - Orthopädie - Springer
  6. (1996) Zippel H - Orthopädie systematisch - Uni Med. Verlag AG
  7. (1989) Weber U., Zilch H - Orthopädie mit Repetitorium - Gruyter

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