Genitaltrauma
Synonyme: Dammriss, Pfählungsverletzung des Genitals, Kohabitationsverletzungen
Definition
Genitaltrauma
Genitaltrauma [10]
Pfählungsverletzungen
- Tiefe Weichteilverletzungen im Bereich des Genitales und der Dammregion, die durch Aufspießung z.B. auf einen Pfahl entstehen. Häufig sind gleichzeitig der Harntrakt, das Rektosigmoid und andere Beckenorgane mitverletzt.
Kohabitationsverletzungen
- Verletzungen des weiblichen Genitales, welche während des Geschlechtsverkehres entstehen.
Dammriss
- Auch Scheidendammriss genannt, ist eine Weichteilverletzung unter der Geburt, welche zu einem Einriss der Scheidenhaut bis zum Durchriss von Sphinkter und Rektumschleimhaut führen kann.
Genitaltrauma
Ätiologie
Genitaltrauma
Mögliche Ursachen für Genitaltraumen [10]
Pfählungsverletzung:
- Unfall
- Aufspießung des Genitales auf z.B. durch Sturz auf einen spitzen Gegenstand
Kohabitationsverletzung:
- normaler Geschlechtsakt
- Vergewaltigung
Dammriss:
- Belastung des Gewebes unter der Geburt
Genitaltrauma Epidemiologie zu:
Genitaltrauma
Epidemiologie
Genitaltrauma
Zur Zeit gibt es keine epidemiologischen Daten zu Genitaltraumen.
Genitaltrauma Differentialdiagnosen zu:
Genitaltrauma
Differentialdiagnosen
Genitaltrauma
Genitaltrauma Anamnese zu:
Genitaltrauma
Anamnese
Genitaltrauma
Anamnese bei Genitaltraumen:
- Welche Beschwerden hat die Patientin?
- Seit wann bestehen diese?
- Hat evtl. eine Geburt stattgefunden?
- Wo fand diese Geburt statt?
- Wie verlief diese?
- Wurde ein Dammschnitt vorgenommen?
- Wurde eine Nachuntersuchung durch eine Hebamme oder Arzt durchgeführt?
- Fand ein Unfall/ Sturz statt?
- Hatte die Patientin vor den Beschwerden Geschlechtsverkehr?
- Fand dieser mit Ihrem Einverständnis statt?
- Wurden spezielle Praktiken angewandt (Fremdkörper noch in Situ/ Infektionsgefahr)?
Bei häuslicher Gewalt haben die Frauen häufiger Begleitsymptome, die bei Verdacht auf eine Vergewaltigung abgefragt werden sollten.
Auf vorsichtige Gesprächsführung ist zu achten! Die Patientin sollte nicht zu einer Aussage gezwungen werden. Sattdessen ist Gesprächsbereitschaft bei Bedarf zu signalisieren. [15;16]
- Hat die Patientin häufig Unterbauchschmerzen?
- Neigt die Patientin zu Durchfällen und oder Verstopfung (Reizdarm)?
- War die Patientin in letzter Zeit häufig wegen unterschiedlicher Schmerzen beim Arzt?
- Wie wurden diese Beschwerden beurteilt?
- Hat die Patientin aktuell und/ oder in letzter Zeit Beschwerden beim Wasserlassen (häufige Harnwgsinfekte)?
- Hat die Patientin aktuell vaginale Blutungen?
- Wann war der erste Tag der letzten Regelblutung?
- Hat die Patientin einen regelmäßigen Zyklus?
- Hat die Patientin häufig Rückenschmerzen?
- Gibt es eine bekannte organische Ursache dafür?
- Hat die Patientin häufig das Gefühl des "Herzrasens" (Palpitationen)?
- Leidet die Patientin häufig unter Bronchitis, oder hat sie Asthma?
- Hat die Patientin Ess- (Brech-) störungen?
- Leidet die Patientin häufig unter Kopfschmerzen oder Migräne?
Genitaltrauma Diagnostik zu:
Genitaltrauma
Diagnostik
Genitaltrauma
Klinische Untersuchung:
- am besten Ganzkörperuntersuchung, um evtl. andere Verletzungen aufzudecken (bei V.a. Vergewaltigung); auf eine völlige Nacktheit der Patientin sollte verzichtet werden
- ggf. ist es angebracht eine weibliche Person (Krankenschwester) um Anwesenheit zu bitten
- bei V.a. Tötungsversuch sollte in Absprache mit der Patientin ein Rechtsmediziner hinzugezogen werden
- sehr wichtig: Dokumentation!
Evtl. apparative Diagnostik zur Beurteilung der Ausbreitung der Verletzung:
- Sonographie
- Rektoskopie
- Zystoskopie
Genitaltrauma Klinik zu:
Genitaltrauma
Klinik
Genitaltrauma
Die Symptome eines Genitaltrauma unterscheiden sich je nach Ursache.
Pfählungsverletzung
- Blutende Verletzungen des Genitales
- Mitverletzung von Harntrakt möglich
- Mitverletzung von Rektosigmoid möglich
Kohabitationsverletzung
- Typisch ist Einriss im hinteren Scheidengewölbe
- Am Ende der Vagina
- Starke Blutung
- Bei Vergewaltigungen ist ein Einriss der seitlichen Scheidenwände oder Verletzungen des Dammes typisch
Dammriss [10]
- l. Grades: Einriss von Kutis und Subkutis, meist hintere Kommissur
- ll. Grades: Beteiligung der Dammuskulatur; Sphinkter ani externus intakt
- lll.Grades: Verletzung des M. sphincter ani; teilweise oder vollständig durchtrennt
- lV. Grades: Mitbeteiligung der Rektumschleimhaut; meist Vorderwand betroffen
Genitaltrauma Therapie zu:
Genitaltrauma
Therapie
Genitaltrauma
Vorgehen bei Genitaltrauma [10]
Allgemein
- Kleine Wunden konservativ versorgen
Stark blutende Verletzung:
- operative Versorgung
- Evtl. prophylaktische Antibiose
Dammriss:
- Versorgung durch schichtweise Naht
misshandelte Frauen [15;16]
- unbedingt an Institutionen für Gewaltopfer, z.B. Psychologen/ Frauenhäuser weiterleiten
Genitaltrauma Komplikationen zu:
Genitaltrauma
Komplikationen
Genitaltrauma
- Infektion
- Stuhlinkontinenz bei Mitverletzung des M. sphincter ani
- Harninkontinenz bei Mitverletzung der Urethra
- Descensus oder Prolaps von Vagina, Zervix, Uterus
- Kohabitationsbeschwerden durch Narbenbildung
Genitaltrauma Zusatzhinweise zu:
Genitaltrauma
Zusatzhinweise
Genitaltrauma
Befunde dokumentieren bei V.a. oder stattgefundener Gewaltanwendung [15;16;17]!
- gründliche Anamnese
- psychische Konstitution der Patientin
- körperliche Befunde sachlich und präzise ggf. fotografisch [17]
- evtl. Asservate sichern
Wo endet die Schweigepflicht?[15]
- die Patientin kann den Arzt jederzeit von der Schweigepflicht entbinden, dieser kann dann rechtliche Schritte einleiten
- Eigeninitiative des Arztes nur nach gründlicher Überlegung, ob Gefahr für Leib und Leben der Patientin besteht; u.U. Rechtsanwälte der jeweiligen Landesärztekammer befragen
- Anzeigepflicht: wenn begründet davon ausgegangen werden kann, "daß gravierende Straftaten bevorstehen oder bereits begonnen haben".
Genitaltrauma Literaturquellen zu:
Genitaltrauma
Literaturquellen
Genitaltrauma
- Haag, Hanhart, Müller (2007/08)- Gynäkologie und Urologie- Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
- Goerke K, Steller J, Valet A (2008)- Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe- Elsevier Urban&Fischer, München, Jena
- Diedrich K, Holzgreve W, Jonat W et al. (2000)- Gynäkologie und Geburtshilfe- Springer, Heidelberg
- Pschyrembel (2002)-klinisches Wörterbuch- de Gruyter, Berlin
- (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
- (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
- (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
- (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
- (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
- (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
- (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
- (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
- (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
- (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag
- Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe in zusammenarbeit mit S.I.G.N.A.L. Intervention im Gesundheitsbereich gegen Gewalt an Frauen e.V.; Häusliche Gewalt; Unter Beachtung der AWMF Leitlinien Nr.051/010; Nr.051/027; Nr. 016/001
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; Ärztliche Gesprächsführung, Untersuchung und Nachbetreuung von Frauen nach mutmaßlicher sexueller Gewaltanwendung; Berg 2009
- Empfehlungen zum S.I.G.N.A.L.- Dokumentationsbogen bei häuslicher Gewalt Dr. Lars Oesterhelweg, Dr. Saskia Guddat, Prof. Dr. Michael Tsokos Institut für Rechtsmedizin der Charité – Universitätsmedizin BerlinCHARITÉ - UNIVERSITÄTSMEDIZIN BERL IN Gemeinsame Einrichtung von Freier Universität Berlin und Humboldt-Universität zu Berlin
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