Genitale Blutungen

Synonyme: Blutung des Genitaltraktes

Definition

Genitale Blutungen

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Genitale Blutungen [1]

  • Hierunter versteht man genitale Blutungen der Frau, die außerhalb des normalen Zyklus auftreten.
  • Man unterscheidet organische (z.B. Polypen, Myome) von dysfunktionellen (hormonellen) Ursachen.
  • die Ursache genitaler Blutungen kann im oberen Genitaltrakt (Uteruskorpus, Ovarien, Eileiter) oder im unteren Genitaltrakt (Vulva, Vagina, Zervix) liegen, meistens jedoch uterine Blutungsquellen vor
  • nichtgynäkologische Ursachen umfassen Blutungen der Urethra, Blase oder des Darms

Ätiologie

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Ätiologie Genitaler Blutungen [1;2;3]

Organisch

  • Polypen
  • Myome
  • Karzinome (z.B. Vagina, Zervix, Tuben, Ovar)
  • Verletzungen (u.a. Verletzungen durch Geburt, Geschlechtsverkehr, Gewaltverletzungen)
  • Portioektopie
  • Ulkus (z.B. Pessarulkus)
  • Allgemeinerkrankungen (z.B. Hypertonus, Gerinnungsstörungen)
  • Hämorrhoiden
  • Analkarzinome

Dysfunktionell

  • Ovulationsblutung
  • Prämenstruelle Blutung
  • Postmenstruelle Blutung
  • Oligomenorrhö (zu seltene Blutung, Zyklusdauer > 35 Tage)
  • Hypomenorrhö (schwache Blutung, normaler Zyklus)
  • Polymenorrhö (zu häufige Blutung, Zyklusdauer < 25 Tage)
  • Hypermenorrhö/ Menorrhagie (übermäßig starke Blutung, normaler Zyklus)
  • Metrorrhagie (Blutung > 7 Tage außerhalb des Zyklus)
  • Klimakterische Blutung

In der Schwangerschaft

  • Abort
  • Extrauteringravidität
  • Placenta praevia
  • Vorzeitige Plazentalösung
  • Geburtsbeginn

Im Wochenbett

  • Plazentareste
  • Geburtsverletzungen
  • Gerinnungsstörungen

durch Medikamente:

  • orale Kontrazeptiva
  • Hormonersatztherapie
  • Antikoagulantien
  • Tamoxifen
  • Chemotherapeutika
  • Kortikosteroide
  • Antipsychotika
  • Antibiotika

Systemische Erkrankungen:

  • M. Crohn
  • M. Behcet
  • Lichen planus
  • Pemphigus
  • Pemphigoid
  • Lymphome
  • Von-Willebrand-Syndrom
  • Akute Leukämien
  • Thrombopenie
  • Faktormangelerkrankungen
  • fortgeschrittene Lebererkrankung
  • M. Cushing
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Nierenerkrankungen, z.B. polyzystische Nieren
  • chronische Lebererkrankungen
  • Rauchen
  • exzessiver Sport

Epidemiologie

Genitale Blutungen

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Epidemiologische Daten zu Genitalen Blutungen allgemein liegen derzeit nicht vor.

Zu Daten der einzelnen Krankheitsbildern siehe jeweils dort.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

Genitale Blutungen

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Anamnese bei Genitalen Blutungen

  • Seit wann bestehen die aktuellen Blutungen?
  • Treten sie evtl. in bestimmten Situationen auf, z.B. beim Wasserlassen, oder Stuhlgang?
  • Gehen die Blutungen mit Schmerzen einher?
  • Wie und wo sind die Schmerzen?
  • Wann war der erste Tag der letzten Regelblutung?
  • Wie lange dauerte diese?
  • War das ein für die Patientin „normaler“ Zyklus?
  • Wie war die Stärke der Blutung, vermehrt oder vermindert?
  • Traten stärkere Beschwerden/ Schmerzen während dieser Blutung auf?
  • Seit wann bestehen die Veränderungen im Zyklus und/ oder Blutungsstärke?
  • Werden orale Kontrazeptiva eingenommen?
  • Welches Präparat?
  • Seit wann?
  • Gab es Probleme/ Beschwerden mit der Einnahme?
  • Werden andere Verhütungsmethoden angewandt?
  • Medikamenteneinnahme?
  • In welchem Alter trat die erste monatliche Blutung auf?
  • Wann fanden die Blutungen regelmäßig statt?
  • Fanden sie überhaupt regelmäßig statt?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen des Uterus wie z.B. Myome?
  • Bestehen sonstige Vorerkrankungen (z.B. Hypertonus)?
  • Werden in Verbindung damit Medikamente eingenommen?
  • Welche und Dosierung?
  • War die Patientin schon einmal schwanger?
  • Wie viele Schwangerschaften gab es?
  • Wurde die Schwangerschaft ausgetragen?
  • Gab es Fehlgeburten?
  • Eventuell fragen: Wurde ein Abort auf Wunsch der Patientin eingeleitet?
  • Wie viele Geburten hatte die Patientin?
  • Spontan oder mit Kaiserschnitt?
  • Mußte zu Hilfsmitteln wie z.B. Saugglocke gegriffen werden?
  • Wurde ein Dammschnitt durchgeführt?
  • Wie verlief das Wochenbett?
  • Gab es Probleme mit dem Wochenfluss?
  • Besteht weiterer Kinderwunsch?
  • Sonstige Erkrankungen bekannt?
  • Behandlungen im Krankenhaus?
  • Welche Medikamente in der letzten Zeit genommen?

Diagnostik

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Diagnostik bei Genitalen Blutungen [1;2;3]

Eine genaue und gründliche Anamnese kann schon die richtige Richtung weisen! Aufgrund der vielen verschiedenen ursachen genitaler Blutungen sollte eine detaillierte Anamnese erfolgen, nach der sich die weitere Diagnostik richtet. Genauere Informationen finden sich bei den einzelnen Krankheitsbildern.

V.a. Dysfunktionelle Ursachen

  • Anamnese,
  • ggf. Hormonanalysen
  • organische Ursachen ausschliessen: Sonographie, Abrasio, Zytologie

V.a. organische Ursachen

  • gynäkologische Untersuchung
  • Inspektion
  • Laboruntersuchungen
  • Vaginaler/rektaler Abstrich
  • Sonographie
  • Ggf. MRT
  • Urinuntersuchung

Blutungen in der Schwangerschaft

  • Sind als Notfall zu betrachten
  • Klinikeinweisung!
  • Körperliche Untersuchung

Leopoldsche Handgriffe (1894)

  • Sensitivität 88% [4]
  • Spezifität 94% [4]
  • 1. Leopold Handgriff: Fundusstand, Poleinstellung im 2. und 3. Trimenon
  • 2. Leopold Handgriff: Stellung der Rückens und kleiner Teile
  • 3. Leopold Handgriff: Poleinstellung, wenn vorangehender Teil noch nicht ins Becken eingetreten; Ballotement (Kopf pendelt hin und her) [5]
  • 4. Leopold Handgriff: Art und Höhenstand des vorangehenden Teiles, wenn Kopf im Becken

Zangenmeister Handgriff

  • Auch als 5. Leopold Handgriff bezeichnet
  • Missverhältnis mütterliches Becken zu kindlichem Kopf

Sonographisch  (Goldstandard [6])

  • Absicherung nach körperlicher Untersuchung
  • Beurteilung der Größe und Proportionen des Feten
  • evtl. Indikationsstellung zur Sectio caesarea
  • Festlegung weiteres Vorgehen

Blutungen im Wochenbett:

  • Inspektion (Wunden, Nähte)
  • Sonographie
  • Spekulumbefund
  • Labor (Gerinnung)

Klinik

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Symptome bei Genitalen Blutungen

  • Blutungen außerhalb des normalen Zyklus
  • Hier ist die gründliche Anamnese durchzuführen.
  • Sonstige Symptomatik: vielgestaltig, da es sehr unterschiedliche Möglichkeiten der Erkrankung gibt → siehe Ätiologie!

Therapie

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Die Behandlung Genitaler Blutungen richtet sich nach der Ursache. Aufgrund der vielgestaltigen Ätiologie kann eine Therapie heir nur angerissen werden. [1]

  • je nach Stärke ggf. sofortiger venöser Zugang mit Volumensubstitution und Stabilisierung des Zustandes der Patientin; dann weiteres Vorgehen

Dysfunktionelle Störungen

  • Je nach Ausprägung hormonelle Substitution von Östrogen und/ oder Progesteron
  • Bei organischen Ursachen, z.B. Polypentfernung, Myomenukleation
  • Evtl. Abrasio

Organische Ursachen

  • Karzinome: OP, Chemotherapie, Bestrahlung
  • Myome, Polypen: konservativ oder OP
  • Infektionen: Antibiotische Behandlung

Vorgehen in der Schwangerschaft (NOTFALL?)

  • Abort: Kürettage
  • EUG: Laparoskopie mit entsprechender Intervention
  • Placenta praevia: evtl.Sectio
  • Vorzeitige Plazentalösung: evtl. Sectio

Vorgehen im Wochenbett

  • Plazantaretention: Wehenmittel, Kürettage
  • Geburtsverletzungen: ggf. Nahtsanierung
  • Postpartale Blutungen/ Gerinnungsstörungen: Stabilisierung des Kreislaufs, ggf. Gerinnungsfaktoren; Volumensubstitution

Komplikationen

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Eine Komplikation der genitalen Blutung ist der hypovolämische Schock.
Weitere Komplikationen hängen von der Ätiologie der genitalen Blutung ab.

Zusatzhinweise

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Zur zeit gibt es keine Zusatzhinweise zu genitalen Blutungen.


Literaturquellen

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  1. Gynäkologie und Geburtshilfe, Manfred Stauber, Thomas Weyerstahl, Thieme Verlag 2001 
  2. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG), Diagnostik und Therapie maligner Ovarialtumoren, AWMF 032/035, Stand August 2010
  3. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V., Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), mit der Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Diagnostik und Therapie des Vulvakarzinoms und seiner Vorstufen, AWMF 032/032, Stand August 2010
  4. Accuary of Leopold maneuvers in secreening for malpresentation: a prospective study by Lydon- Rochelle, Albers, Gorwoda, Craig, Qualls, Birth. 1993; 20(3):132-5
  5. Lageanomalien bei Beckenendlage, Hebammenschule am KSSG, Dr. P. Böhi, 2006
  6. Department of Obstetrics and Gynecology, University of North Carolina School of Medicine, Chapel Hill, Obstet. Gynecol. 1991;78(3Ptp1):394-6, Thorp JM Jr., Jenkins, Watson

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