Generalisierte Hyperhidrose

Synonyme: konstitutionelle Hypertrichose, Hypertrichosis

Definition

Generalisierte Hyperhidrose

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Als generalisierte Hyperhidrose bezeichnet man eine generalsisierte Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen, welche zu vermehrtem Schwitzen führt.

Hierbei ist kennzeichnend, dass die produzierte Schweißmenge, die zur Thermoregulation des Körpers notwendige Schweißmenge, übersteigt.

Sie kann entweder primär ohne verursachende Krankheit oder sekundär bedingt durch eine andere Grunderkrankung auftreten.


Ätiologie

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Die Ursachen der generalisierten Hyperhidrose liegt entweder in einer konsitutionell bedingten Überfunktion der ekkrinen Schweißdrüsen, welche über den Sympathikus gesteuert werden oder in einer verursachenden Grunderkrankung.

Begünstigende Faktoren hierbei sind:

  • emotionale Anspannung (Schmerz, Angst, Freude)
  • Nikotin, Koffein
  • erhöhte Wärmebelastung

Verursachende Grunderkrankung können endokrinologisch, neurologisch oder medikamentös bedingt sein.

Kompression/Fehlfunktionen/Traumata/Entzündungen neuronaler Strukturen:

  • Hemiplegie
  • Skalenussyndrom (Kompression sympathischer Nervenfasern)
  • Syringomyelie
  • Tabes dorsalis
  • Parkinsonismus

Endokrinologische Fehlfunktionen und Störungen, welche mit Veränderungen der Katecholaminproduktion einhergehen und zu generalisierter Hyperhidrose führen:

  • Adipositas
  • Diabetes mellitus
  • Hyperthyreose
  • Hypoglykämie
  • Hypophysenunterfunktion
  • Hypotension, orthostatische
  • Infektionen, welche mit Fieber einhergehen
  • Karzinoidsyndrom
  • Klimakterium
  • Malignome
  • Phäochromozytom
  • Thyreotoxikose

Medikamente:


Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der generalisierten Hyperhidrose liegen zur Zeit keine Daten vor.

Prävalenz der primären Hyperhidrose in der Bevölkerung Großbrittaniens: ca 1%, wobei hierbei ca 80% auf axilläre Hyperidrose entfallen [9]


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der generalisierten Hyperhidrose ist die Unterscheidung zwischen einer primären und einer sekundären Hyperhidrose entscheidend. Hierbei sind folgende Informationen von Bedeutung [8]:

  • Beginn der Symptome? Als Kind, Jugendlicher, Erwachsener? (Bei der primären Hyperhidrose in der Regel vor dem 25. Lebensjahr)
  • schon länger als ein halbes Jahr?
  • Wie häufig? (Bei der primären Hyperhidrose in der Regel >1x /Woche?)
  • tritt es unvorhersehbar auf und ist willentlich nicht kontrollierbar? (Bei der primären Hyperhidrose nicht kontrollierbar)
  • nur bei hohen Temperaturen oder temperaturunabhängig? (Bei der primären Hyperhidrose in der Regel temperaturunabhängig)
  • führt es zu Schamgefühl?
  • Beeinflusst es den Umgang mit anderen Menschen? (Die primäre Hyperhidrose führt in vielen Fällen zu starker Beeinträchtigung im Alltag und im Umgang mit anderen Menschen)
  • An welchen Körperstellen?
  • Tagsüber oder Nachts? (Bei der primären Hyperhidrose ausschließlich tagsüber)
  • Betroffene Verwandte bekannt? (positive Familienanamnese bei der primären Hyperhidrose unter Umständen vorhanden)
  • Auslösende Faktoren? (Speisen, Aufregung)
  • Grunderkrankungen?

Diagnostik

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Die Diagnose der generalisierten Hyperhidrose wird in der Regel anhand der typischen Anamnese gestellt.

Bei untypischer Anamnese muss eine sekundäre Hyperhidrose ausgeschlossen werden.

Suche nach der Grunderkrankung:

Laboruntersuchungen:

  • Glukose, Hba1c zum Ausschluss eines Diabetes mellitus
  • TSH, T3, T4 zum Ausschluss einer Hyperthyreose
  • spezielle Laboruntersuchungen: Katecholamine (Phäochromozytom), ACTH- Test (Hypophysenvorderlappen-, Hypothalamusinsuffizienz), Lues-Serologie (beim Verdacht auf Tabes dorsalis)

Neurologische Untersuchungen zum Ausschluss von Skalenussyndrom, Syringomyelie, Parkinson

Tests zur Bestimmung der Schweißsekretion:

Jod-Stärke-Test: Areal trocknen, Lugol'sche Lösung (Jod 2,0, Kaliumjodid 4,0, Aqua dest. ad 100,0) auftragen, Speisestärke drüber streuen. Schweißabsonderung führt zu Blaufärbung. Erlaubt keine quantitative Aussage.

Gravimetrische Schweißmessung: Areal trocknen, in einer definierten Zeitspanne abgegebenen Schweiß mit Hilfe von Filterpapier aufnehmen und mit Ultrafeinwaage wiegen. Werte über 30 mg/min sind pathologisch. Zur Dokumentation des Verlauf vor und nach Therapie, Aussagekraft eingeschränkt, da Hyperhidrose anfallsartig auftritt.


Klinik

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Die generalisierte Hyperhidrose kann zur erheblichen sozialen und beruflichen Beeinträchtigung des Patienten führen, und somit zu einer starken Verminderung der Lebensqualität beitragen.

Desweiteren kommt es zu:

  • triefend nassen Achselhöhlen
  • schweißnasse Kleidung mit Schweißrändern
  • Hornschicht der Haut an Händen und Füßen aufgequollen
  • unangenehmer Körpergeruch
  • Sekundärinfektionen

Therapie

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Die Therapie der generalisierten Hyperhidrose ist schwierig und je nach Körperstelle unterschiedlich.

Die therapeutischen Maßnahmen bei generalisierter Hyperhidrose, welche nicht durch eine andere Erkrankung verursacht wird umfassen:

Allgemeinmaßnahmen bei generalisierter Hyperhidrose

  • Körperhygiene
  • Rasieren
  • geeignete Kleidung: Woll- und Baumwollkleidung, Sandalen, Lederschuhe
  • Ernährung: Meiden auslösender Nahrungsmittel

Topische Therapie bei generalisierter Hyperhidrose

Antiperspirantien:

  • Aluminium-Hexahydrat-Gel 20%(Rp:Aluminiumchlorid-Hexahydrat 20,0, Hydroxyethylcellulose 400 5,0 in Aqua purif. ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. Palmar und Plantar gegebenenfalls unter Okklusivverband. [1]
  • Aluminium-Hexahydrat-Lösung 20% (Rp: Aluminiumchorid-Hexyhydrat 20,0, Aqua purif. 20,0, Isopropylalkohol 70% ad 100,0), täglich zur Nacht auf die trockene Haut auftragen, axillär nur jeden 2.Tag, später nach Bedarf. Palmar und Plantar gegebenenfalls unter Okklusivverband. [1]
  • Aluminiumhydrochlorid, synthetische Gerbstoffe

Leitungswasser Iontophorese:

  • bei Hyperhidrosis manuum und pedum (selten auch bei axillärer mit Hilfe von Polstern)
  • Anwendung von schwachen Gleichströmen (10-15 mA) im Wasserbad

Botulinumtoxin A zur Chemodenervierung

  • intrakutane Injektion von Botulinumtoxin A, hält etwa 6 Monate

Systemische Therapie bei generalisierter Hyperhidrose

Salbei:

  • Tabletten mit Salbeiextrakten
  • es liegen keine Studien vor

Systemische Antihidrotika (Anticholinergika):

  • Methantheliniumbromide bei axillärer Hyperhidrose, 2 x 50 mg/d p.o. [3,5]
  • Bornaprinhydrochlorid: initial 2 mg/d p.o., wöchentlich um 2 mg bis auf 6-12 mg/d p.o. steigern [5]

Chirurgische Therapie bei generalisierter Hyperhidrose

Subkutane Kürettage:

  • therapieresistente axilläre Hyperhidrose
  • 2 Inzisionen apikal und distal in der Axilla, Unterminierung des Areals mit Schere, Kürretage der Schweißdrüsenknäuel [5]

Subkutane Saugkürretage

Exzision:

  • bei therapieresistenter axillärer Hyperhidrose
  • radikale Exzision des schweißdrüsentragenden Hautareals [5]

Endoskopische thorakale Sympathektomie:

  • bei therapiersistenter Hyperhidrosis manuum

CT-gesteuerte perkutane Sympathikolyse


Komplikationen

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Die generalisierte Hyperhidrose führt zu:

  • Schamgefühl
  • sozialer Isolation
  • Depression (33,3% der Patienten) [7]

Die generalisierte Hyperhidrose führt zu einer kontinuierlichen Durchfeuchtung der Haut und kann somit begünstigend wirken für:

  • Tinea pedum
  • gramnegativer Fußinfekt
  • Verrucae vulgares
  • Pilzinfektionen
  • Erythrasma (Infektion mit Corynebacterium minutissimum)
  • Intertrigo

Zusatzhinweise

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Zur generalisierten Hyperhidrose gibt es einen Score, welcher eine Einschätzung des Schweregrades zulässt.

Hyperhidrosis Disease Severity Scale (HDSS) [8]:

1) Mein Schwitzen ist nicht bemerkbar und schränkt mich im täglichen Leben nicht ein.

2) Mein Schwitzen ist erträglich und stört mich nur gelegentlich im Alltag.

3) Mein Schwitzen ist schwer zu ertragen und schränkt mich in meinem Alltag regelmäßig ein.

4) Mein Schwitzen ist unerträglich und schränkt mich in meinem Alltag immer ein

Desweiteren ist eine Einschätzung der Lebensqualitätseinschränkung über den Dermatology Life Quality Index (DLQI) hilfreich.


Literaturquellen

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  1. (2002) Altmeyer P., Dirschka Th., Hartwig R. - Klinikleitfaden Dermatologie - Urban & Fischer
  2. (2003) Fritsch - Dermatologie Venerolgie - Springer
  3. (2004)Hund M., Sinkgraven R., Rzany B.- Randomisierte, plazebokontrollierte klinische Doppelblindstudie zur Wirksamkeit und Verträglichkeit der oralen Therapie mit Methantheliniumbromid bei fokaler Hyperhidrose
  4. (2004) Strutton DR, Kowalski JD, Glaser DA, Stang PE - US prevalence of hyperhidrosis and impact on individuals with axillary hyperhidrosis: results from a national survey - J. Am Acad Dermatol. 2004 Aug;51(2):241-8
  5. (2007) AWMF - Leitlinie - Definition und Therapie der primären Hyperhidrose
  6. (2010) Sterry W., Burgdorf W., Paus R. - Checkliste Dermatologie - Thieme
  7. (2010) Bashir K., Dar NR., Sibghat Ullah Rao - Depression in adult dermatology outpatients - J Coll Physicians Surg. Pak - 2010 Dec;20(12):811-3
  8. (2011) Walling HW - Clinical differentiation of primary from secondary hyperhidrosis - J Am Acad Dermatol. 2011 Feb 1
  9. (2010) Vorkamp T., Foo FJ, Khan S., Schmitto JD., Wilson P. - Hyerhidrosis: Evolving concepts and a comprehensive review - The Surgeon, Volume 8, issue 5, October 2010, Pages 287-292

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