Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Synonyme: Peptisches Ulkus, Magen-und Zwölffingerdarmgeschwür, Ulkuskrankheit, Ulcus duodeni, Ulcus ventriculi

Definition

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Die gastroduodenale Ulkuskrankheit ist eine im Magen (Ulkus ventrikuli) oder Zwölffingerdarm (Ulkus duodeni) lokalisierte Schleimhautläsion, die oft mit Fibrin ausgekleidet ist und über die Epithelschicht hinaus in die Tiefe reicht.


Ätiologie

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Die Ursachen der gastroduodenalen Ulkuskrankheit sind:

Hypersekretion von Magensäure bzw. Imbalance zwischen zytotoxischen und zytoprotektiven Faktoren durch:

  • genetische Disposition: kommen gehäuft bei Personen mit der Blutgruppe 0 vor
  • Infektion mit Helicobacter pylori
  • starker Stress: Sepsis, Schock, postoperativ, nach Verbrennungen und Traumata
  • Noxen wie Tabak, Alkohol, stark koffeinierte und gezuckerte Getränke
  • Extragastrale Krankheiten, z.B. Zollinger-Ellison-Syndrom, Hyperparathyreoidismus
  • nichtsteroidale antiinflammatorische Medikamente
  • Pepsin

Epidemiologie

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Die Inzidenz des Ulcus duodeni beträgt:150:100.000/Jahr.

Die Inzidenz des Ulcus ventriculi beträgt:50:100.000/Jahr.


Differentialdiagnosen

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Bei der gastroduodenalen Ulkuskrankheit sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Art und Lokalisation der Schmerzen?
  • Zeitpunkt des Auftretens? Vor oder nach dem Essen?
  • erstmaliges Auftreten oder länger bekannt?
  • Bluterbrechen?
  • Teerstuhl?
  • Durchfall?
  • Übelkeit?
  • Völlegefühl?
  • Reflux?
  • Abgeschlagenheit?
  • Krankheitsgefühl?
  • Blässe?
  • Gewichtsverlust?
  • Leistungsknick?
  • Medikamenteneinnahme? (v.a.NSAR)
  • Nikotin?
  • Alkohol?
  • Magengeschwüre in der Verwandschaft?
  • Begleitkrankheiten?

Diagnostik

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Zur diagnostischen Abklärung der gastroduodenalen Ulkuskrankheit sind relevant:

Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien von: Ösophagus, Magen, Duodenum

Helicobacter-pylori-Diagnostik:

endoskopisch-bioptisch

  • Helicobacter-Urease- Test (HUT)
  • Histologie
  • Kultur
  • PCR bzw. RealTime PCR zum Nachweis des Erregers
  • PCR bzw. RealTime PCR zum Nachweis von resistenzassoziierten Mutationen des Erregers

nicht-invasive Methoden:

  • Harnstoff-Atemtest (Messung von 13CO2 in der Ausatemluft)
  • Stuhl-Antigentest (auf Basis monoklonaler Antikörper)
  • Antikörpernachweis im Serum

Gastrin-Bestimmung zum Ausschluß eines Zollinger-Ellison-Syndroms

Röntgen-Magen-Darm-Passage


Klinik

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Die gastroduodenale Ulkuskrankheit kann ein oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Völlegefühl
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Reflux
  • asymptomatischer Verlauf bei Einnahme von NSAR möglich
  • Teerstuhl
  • Bluterbrechen
  • Anämie
  • Abgeschlagenheit
  • Krankheitsgefühl
  • Blässe
  • Gewichtsverlust
  • nächtliche Schlafstörungen
  • bei Perforation: akutes Abdomen

Schmerzen im Oberbauch/ Epigastrium
Ulcus duodeni:

  • Spät-, Nacht-, Nüchternschmerz
  • Besserung des Schmerzes nach Nahrungsaufnahme

Ulcus ventriculi:

  • Sofortschmerz nach Nahrungsaufnahme
  • nahrungsunabhängiger Schmerz

Therapie

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Die therapeutischen Möglichkeiten bei gastroduodenaler Ulkuskrankheit umfassen:

Allgemeinmaßnahmen:

  • Schonung
  • Nikotinabstinenz
  • Meiden ulzerogener Medikamente
  • Weglassen unverträglicher Nahrungsmittel
  • kleinere und häufigere Mahlzeiten

Medikamentöse Therapie:

bei Nachweis Helicobacter-Infektion:

  • Eradiaktionstherapie/ Triple-Therapie über 7Tage: 1 Protonenpumpeninhibitor und 2 Antibiotika

Französische Triple-Therapie über 7 Tage:

  • Omeprazol: 1 x 20-40 mg p.o./d
  • Amoxicillin: 2x1000mg p.o./d
  • Clarithromycin: 2x250-500mg p.o./d

Italienische Triple-Therapie über 7 Tage:

  • Omeprazol: 1 x 20-40 mg p.o./d

  • Clarithromycin: 2x250-500mg p.o./d

statt Omeprazol können alternativ

  • 20mg Esomeprazol, Rabeprazol,
  • 30mg Lansoprazol
  • 40mg Pantoprazol zum Einsatz kommen

6-8 Wochen nach Eradikation sollte eine erneute Gastroskopie mit H.p.-Nachweis oder Atemtest erfolgen, um den Therapieerfolg zu überprüfen

(cave:hohe Resistenzraten gegen die Antibiotika)

bei Versagen der Triple-Therapien:

Quadrupeltherapie über 10 Tage:

  • PPI (2 X 1 Standarddosis/d)
  • +Wismutsubcitrat (4 X täglich)
  • +Metronidazol (3 X 400 mg/d)
  • + Tetrazyklin (4 X 500 mg/d)

Protonenpumpenhemmer z.B. Omeprazol oder Pantoprazol (1x 20-40mg/d), Esomeprazol oder Rabeprazol (1x20mg/d), Lansoprazol (30mg)

H2-Rezeptorantagonisten z.B. Cimetidin (800mg/d), Ranitidin (300mg/d), Nizatidin (300mg/d), Famotidin (20-40mg/d), Roxatidin (150mg/d)

Therapie von Rezidiven: mit Helicobacter-pylori-Nachweis (Eradikationstherapie), ohne Helicobacter-Nachweis (Dauertherapie mit PPI oder H2- Rezeptorantagonisten in halber Standarddosis/d)

Endoskopische Therapie:

  • Bei akuten Blutungen: Unterspritzung mit verdünnter Adrenalinlösung
  • bei ausgeprägteren Blutungen: endoskopisch gelegte Clips

Chirugische Therapie

  • Perforation: absolute OP-Indikation!! Exzision des Ulkus, Übernähen der Perforationsstelle. (1/3 der Patienten anschließend beschwerdefrei, 1/3 benötigt konservative Therapie, 1/3 erneute OP)
  • Penetration: Resektion (Rekonstruktion nach Billroth I)
  • Blutung: Schocktherapie, Notfallendoskopie → Blutungsstillung (evtl. operative Blutstillung bei hohem Rezidivblutungsrisiko)

Komplikationen

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Bei der gastroduodenalen Ulkuskrankheit kommen folgende Komplikationen vor:

Perforation:

  • stechender Oberbauchschmerz, exakter Zeitpunkt des Schmerzbeginns erinnerlich
  • Ausbreitung über gesamtes Abdomen

Penetration:

  • oft therapieresistente gürtelförmige Schmerzen
  • Beschleunigte intestinale Passage, Diarrhö bei gastrokolischer Fistel

Blutung:

Stenose des Magenausgangs durch Narbenbildung
Magenkarzinom
Peritonitis


Zusatzhinweise

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?

Zur gastroduodenalen Ulkuskrankheit liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

Gastroduodenale Ulkuskrankheit

Bearbeitungsstatus ?
  1. (2007) J.-M. Hahn, Checkliste Innere Medizin, 5.Auflage, Thieme Verlag
  2. (2006) Renz-Polster, Krautzig, Braun, Basislehrbuch Innere Medizin, 3.Auflage, Urban & Fischer Verlag
  3. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  4. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  5. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  6. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  7. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  8. (2008) AWMF-Leilinie-Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit (http://www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/)- AWMF-Leitlinien-Register  Nr. 021/001

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen