Ganser-Demenz

Synonyme: Ganser-Syndrom

Definition

Ganser-Demenz

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  • Bei der Ganser-Demenz handelt es sich um eine dissoziative Störung, die Demenz-ähnliche Symptome zeigt. Sie ist primär durch ein "Vorbeiantworten" gekennzeichnet. Die Betroffenen scheinen an Sie gerichtete Fragen zu verstehen, sind allerdings nicht in der Lage korrekte Antworten zu geben.

Ätiologie

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Die Ursachen der Ganser-Demenz sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird eine psychogene Ursache angenommen. Begünstigend auf die Krankheitsentstehung wirken:

  • Traumatisches Ereignis
  • Verletzbarkeit
  • Persönlichkeit des Betroffenen
  • Interaktionen

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Ganser-Demenz liegen folgende Angaben vor:

  • Extrem seltenes Krankheitsbild (nur circa 100 dokumentierte Fälle)
  • 3/4 aller Betroffenen sind männlich
  • In jedem Alter möglich

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei der Ganser-Demenz sind folgende Informationen relevant:

  • Wirkt der Betroffene desorientiert?
  • Werden Handlungen gezielt falsch ausgeführt?
  • Störungen von Wahrnehmung oder Gedächtnis?
  • Kommt es zum "Vorbeiantworten"?
  • Ist der Patient verwirrt?
  • Zwanghaftes Nachahmen der Sprache oder Bewegungen anderer Menschen?
  • Kopfschmerzen?
  • Zeigt der Patient wahnhafte Krankheitszeichen z.B. Größenwahn, Verfolgungswahm usw.

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Ganser-Demenz sind relevant:

  • Eigen- und Fremdanamnese
  • Ausschluss einer organischen Ursache (z.B. durch EEG oder CMRT)
  • Ausschluss weiterer psychiatrischer Störung
  • Zusammenhang mit einem traumatischen Erlebnis

Klinik

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Die Ganser-Demenz kann folgende Symptome zeigen:

  • Der Betroffene redet an Fragen vorbei
  • Der Betroffene wirkt desorientiert
  • Handlungen werden gezielt falsch ausgeführt
  • Dissoziationen
  • Konversion
  • Symptomatik eines organischen Psychosyndroms wird imitiert
  • Echopraxie
  • Echolalie
  • Wahn
  • Kopfschmerzen

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei der Ganser-Demenz umfassen Folgendes:

  • Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Ziel ist eine bestmögliche symptomatische Behandlung
  • In vielen Fällen bilden sich die Symptome im Lauf des Lebens auch ohne Therapie zurück.

Therapieoptionen:

  • Verhaltenstherapie
  • Gesprächstherapie
  • Psychoanalyse
  • Psychopharmaka, z.B. SSRI oder Neuroleptika
  • In schweren Fällen kann eine stationäre Behandlung indiziert sein

Komplikationen

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Bei der Ganser-Demenz kommen folgende Komplikationen vor:

  • Abhängigkeit, z.B. vom Alkohol
  • Suizidalität
  • sozialer Rückzug

Zusatzhinweise

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Zur Ganser-Demenz liegen folgende Zusatzhinweise vor:

  • Die Erkrankung tritt gehäuft im Zusammenhang mit anderen psychiatrischen Krankheitsbildern auf z.B. Depressionen, Schizophrenie, Alkoholismus
  • Die Diagnosetellung ist äußerst schwierig. Zum einen aufgrund der Seltenheit der Krankheit. Zum anderen wird bei älteren Menschen, aufgrund der ähnlichen Symptome, oft fälschlicherweise eine Demenz diagnostiziert, was zu Fehlbehanndlungen führen kann.
  • In der Vergangenheit wurden Patienten mit Ganser-Syndrom aufgrund der "gespielt" wirkenden Symptomatik häufig als Simulanten eingestuft. Diese Einschätzung ist heute wissenschaftlich nicht mehr haltbar.

Literaturquellen

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  1. (2009) Möller HJ, Laux G, Deister A - Duale Reihe Psychiatrie und Psychotherapie - Thieme Verlag, Stuttgart (Seite 187, 233-236, 242-246, 254)
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  5. (2009) Mentzos S - Lehrbuch der Psychodynamik - Verlag Vandenhoeck & Ruprecht/BRO
  6. (2009) Janssen P, Joraschky P, Tress W - Leitfaden Psychosomatische Medizin und Psychotherap - Deutscher Ärzte Verlag
  7. (2008) Rentrop M, Müller R, Bäuml J - Klinikleitfaden Psychiatrie und Psychotherapie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2007) Rudolf - Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik - Thieme
  9. (2007) Arolt V, Reimer C, Dilling H - Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie - Springer
  10. (2006) Fritzsche K, Wirsching M - Psychosomatische Medizin und Psychotherapie - Springer

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