Gallensteinileus

Definition

Gallensteinileus

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Beim Gallensteinileus handelt es sich um einen Darmstillstand, der durch ein oder mehrere das Darmlumen obstruierende Gallenkonkremente verursacht wird. Er ist eine Sonderform des mechanischen Ileus.


Ätiologie

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Ursachen des Gallensteinileus sind:
  • Perforation der Gallenblase durch einen Gallenstein, der dann ins Darmlumen wandert (meist im Rahmen einer akuten Cholezystitis)
  • diese zystokolischen bzw. zystoduodenalen Verbindungen (biliodigestive Fisteln) entstehen durch entzündliche Veränderungen der Gallenblasen- sowie der Darmwand

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie des Gallensteinileus:

  • Die Steinperforation ist eine seltene Komplikation der Cholezystitis
  • Lokalisation: Duodenum (Bouveret-Syndrom) oder (häufiger) terminales Ileum

Grundvoraussetzung für einen Gallensteinileus ist das Vorhandensein eines oder mehrerer Gallensteine:

  • Frauen sind etwa 2-3x so oft betroffen wie Männer
  • Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter: etwa 2/3 der Menschen jenseits des 70. Lebensjahres weisen Gallensteine auf
  • Prävalenz bei Grunderkrankungen wie Leberzirrhose und M. Crohn erhöht

Bei diesen Personen ist ein Gallensteinileus folglich häufiger zu erwarten als in der Normalbevölkerung.


Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Wichtige Informationen zur Diagnosestellung eines Gallensteinileus sind:
  • Welche Beschwerden?
  • Fieber?
  • Schmerzen? Schmerzcharakter: dumpf, reißend, stechend? Koliken? Schmerzskala!
  • Schmerzlokalisation, Ausstrahlung?
  • Übelkeit? Erbrechen?
  • Wie sieht das Erbrochene aus? Gallig? Kotig?
  • Durchfall? Verstopfung? Blutige Stühle?
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankung bekannt?
  • Gallensteine bekannt?
  • Sonstige Vorerkrankungen?
  • Schon einmal operiert worden?
  • letzte Regelblutung?
  • Welche Medikamente werden eingenommen?

Diagnostik

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Diagnostik des Gallensteinileus:
  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung:
  • Inspektion (Narben? Tumor?),
  • Auskultation (Darmgeräusche? Hyperperistaltik? Totenstille?),
  • Palpation (Abwehrspannung? Murphy-Zeichen: Inspirationsstopp bei tiefer Palpation, Resistenzen palpabel? Skybala?),
  • Perkussion (geblähtes Abdomen?)
  • Temperaturmessung
  • EKG-Ableitung zum Ausschluss der Differentialdiagnosen
  • Labor: Hb, Differentialblutbild, CRP, BSG, Elektrolyte, GOT, GPT, AP, γ-GT, Harnstoff, Kreatinin, Lipase, BGA mit Laktat, Gerinnung, ggf. Herzenzyme: Trop I / T, CK-MB, Gesamt-CK
  • Urinstatus
  • Sonografie (dilatierte Darmschlingen, Klaviertastenphänomen, Pendelperistaltik, freie Flüssigkeit?)
  • Röntgen stehend und in Linksseitenlage (Spiegelbildung, freie Luft intraabdominell (z.B. subphrenische Luftsichel), Aerobilie) sowie Kolonkontrasteinlauf (Divertikel ?, Karzinome?)
  • CT (Tumoren?, Abszesse?)
  • ggf. Angiographie (mesenteriale Ischämie?)
  • je nach Klinik des Patienten kann zu jedem Zeitpunkt eine diagnostische Laparoskopie notwendig werden

Klinik

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Symptomatik eines Gallensteinileus:
  • Akutes Abdomen (Abwehrspannung, starke Schmerzen)
  • Aufgetriebenes, geblähtes Abdomen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Meteorismus
  • Stuhl- und Windverhalt
  • Intermittierende Diarrhö
  • Hypovolämischer Schock

Therapie

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Therapeutische Möglichkeiten bei Gallensteinileus sind:
1. Symptomatische Therapie:
  • Korrektur des Volumen-, Säure-Basen- und Elektrolythaushalts
  • Nasogastrale / nasojejunale Sonde
  • parenterale Substitution
  • Stressulkusprophylaxe
  • ggf. Heparin in prophylaktischer Dosierung zur Verhinderung einer Tiefen Beinvenenthrombose

2. Chirurgische Therapie:

  • Operative Beseitigung des Steins und Cholezystektomie bei Perforation
  • Resektion irreversibel geschädigter Darmanteile und End-zu-End-Anastomosierung evtl. mit Second-look-OP nach 24 h
  • Im Extremfall Diskontinuitätsresektion, Anlegung eines Anus praeter, z.B. Operation nach Hartmann
  • Debridement und Spülung bei generalisierter Peritonitis

Komplikationen

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Als Komplikationen des Gallensteinileus können auftreten:
  • Ateminsuffizienz durch Zwerchfellhochstand
  • Paralytischer Ileus
  • Enterokolitis
  • Darmwandnekrosen und Perforation des Darms
  • Peritonitis
  • Exsikkose
  • hypovolämischer Schock
  • septischer Schock
  • SIRS
  • Multiorganversagen
  • Tod

Zusatzhinweise

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Zu beachtende Zusatzhinweise bei Gallensteinileus sind:
  • Unvollständiger Verschluss des Darmlumens: Subileus
  • Spasmolytika und Metoclopramid sind kontraindiziert, weil sie die Peristaltik hemmend beeinflussen

Literaturquellen

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  1. (2006) Berchtold R – Chirurgie – Elsevier, München
  2. (2004) Reuter P – Springer Lexikon Medizin – Springer
  3. (2003) Reiche D, Bindig M, Boss N, Wangerin G – Roche Lexikon Medizin – Elsevier
  4. (2004) Böcker W, Denk H, Heitz PU – Pathologie – Elsevier
  5. (2007) Mayatepek E – Pädiatrie – Elsevier
  6. (2007) Henne-Bruns D, Düring M, Kremer B - Chirurgie - Thieme
  7. (2010) Müller M - Chirurgie für Studium und Praxis - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  8. (2009) Schiergens T - BASICS Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  9. (2008) Berchtold R, Bruch H.-P, Trentz O - Chirurgie - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  10. (2008) Berchtold R, Ackermann R, Bartels M, Bartsch D K - Berchtold Chirurgie - Elsevier
  11. (2007) Siewert R - Basiswissen Chirurgie - Springer Verlag
  12. (2007) Kloeters O, Müller M - Crashkurs Chirurgie - Urban & Fischer, Elsevier
  13. (2006) Siewert J R - Chirurgie - Springer
  14. (1999) Koslowski L, Bushe K, Junginger T, Schwemmle K - Die Chirurgie - Schattauer, F.K. Verlag
  15. (2002) AWMF-Leitlinie - Dünndarm-Ileus - Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie

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