Gallensteine

Synonyme: Cholelithiasis, Gallenkolik, Gallensteinleiden, Choledocholithiasis

Definition

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Gallensteine sind Konkremente, die beim Auskristallisieren von Gallenbestandteilen entstehen. Sie befinden sich in der Gallenblase oder in den Gallengängen.


Ätiologie

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Zu den Ursachen bzw. Risikofaktoren von Gallensteinen zählen:

  • genetische Faktoren: z.B. Mutation von Phospholipidtransportern (z.B. ABCB4)
  • Geschlecht: Frauen häufiger betroffen
  • Alter: mit dem Alter steigt die Prävalenz
  • fettreiche, ballaststoffarme Ernährung
  • Fettstoffwechselstörung mit Hypercholesterinämie
  • Adipositas
  • Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Fibrate
  • Gallensäureverlust-Syndrom, z.B. bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (M. Crohn, Colitis ulcerosa)
  • Stoffwechselerkrankungen, insb. Mukoviszidose
  • hämolytische Anämien, z.B. Sichelzellanämie, Thalassämie, Glukose-6-P-Dehydrogenase-Mangel, Sphärozytose, Arzneimittel-Nebenwirkung

Merke: 6-F-Regel für häufige Ursachen: [6]

  • female - weibliches Geschlecht
  • fair - hellhäutig
  • fat - Übergewicht
  • forty - Alter
  • fertile - fruchtbar
  • family - genetische Ursachen

Äthiopathogenese:

  • verändertes Löslichkeits-Gleichgewicht zwischen den Gallekomponenten (insb. Gallensäuren, Cholesterin, Lezithin)
  • Abnahme der Gallensäure-Konzentration und Zunahme des Cholesterin-Gehalts steigern Risiko für Bildung von Gallensteinen (Ausfällung einzelner Bestandteile)

Epidemiologie

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Zur Epidemiologie der Gallensteine:

  • Frauen sind etwa 2-3x so oft betroffen wie Männer
  • Prävalenz steigt mit zunehmendem Alter: etwa 2/3 der Menschen jenseits des 70. Lebensjahres weisen Gallensteine auf
  • Prävalenz bei Leberzirrhose und M. Crohn 25-30% [6]
  • in Japan und anderen asiatischen Ländern seltener als in Europa

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei Gallensteinen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Bestehen überhaupt Beschwerden? Welche? Abhängig von der Nahrungsaufnahme?
  • Fieber?
  • Übelkeit? Erbrechen?
  • Verstopfung?
  • Entfärbung des Stuhls? Dunkelfärbung des Urins?
  • Juckreiz?
  • Schmerzcharakter: Stechend? Dumpf?
  • strahlen die Schmerzen aus? Rücken? rechte Schulter?
  • Kolikartiger Schmerz: Zyklisch zu- und abnehmend? Wehenartig? Schmerzskala!
  • vorausgegangene Koliken?
  • Sind Gallensteine schon bekannt?
  • Grunderkrankungen: entzündliche Darmerkrankung? Mukoviszidose? Blutarmut? Stoffwechselstörung?
  • werden Medikamente eingenommen?
  • Ähnliche Fälle in der Familie?

Diagnostik

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Die Diagnostik von Gallensteinen umfasst folgende Aspekte:

  • Anamnese
  • körperliche Untersuchung: Inspektion (Narben? Tumor?), Auskultation (Darmgeräusche?), Palpation (Murphy-Zeichen: Inspirationsstopp bei tiefer Palpation), Perkussion (geblähtes Abdomen?)
  • Labor: Hb, MCH, MCV, Diff.BB, CRP, BSG, alkalische Phosphatase (AP), γ-GT, Bilirubin (direkt/indirekt), GOT, GPT, Gerinnungsstatus, ggf. Blutkulturen
  • je nach Klinik des Patienten: Urinstatus
  • Sonographie des Abdomens (Cholelithiasis? Cholezystitis? Ausschluss der Differentialdiagnosen)
  • MRT / CT
  • bei V.a. Gallengangssteine: ERC
  • selten: genetische Untersuchung auf Mutation eines Phospholipidtransporters (z.B. ABCB4)

Klinik

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Gallensteine können eines oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • rezidivierende Oberbauchkoliken
  • gehäuft nach fettreichen Mahlzeiten, kalten Getränken
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Druckgefühl im Epigastrium
  • Meteorismus
  • bei bereits eingetretenen Komplikationen: akutes Abdomen, dann oft auch:
  • Fieber, Stuhlentfärbung, Dunkelfärbung des Urins, Ikterus, Juckreiz
  • Im Falle einer Begleitpankreatitis: gürtelförmige Oberbauchbeschwerden

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei Gallensteinen umfassen:

Asymptomatische Steine:

  • keine Therapie (Ausnahmen: Porzellangallenblase oder Steingröße > 3cm)

Bei akuter Kolik:

Symptomatisch: [6]

  • Nahrungskarenz, mind. 24h, danach fettarme Diät
  • spasmolytische und analgetische Behandlung
  • z.B. Butylscopolamin, z.B. 20 mg langsam i.v.
  • z.B. Pethidin, z.B. 50 mg i.v.

Chirurgische Therapie:

  • bei Cholezystitis: frühelektive laparoskopische Cholezystektomie, alternativ: offenes Verfahren
  • bei Choledocholithiasis: endoskopische Papillotomie und konsekutive Steinentfernung

Komplikationen

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Komplikationen von Gallensteinen können sein:

1. akut:

  • akute biliäre Pankreatitis
  • Cholangitis
  • Cholezystitis
  • Gallenblasenhydrops
  • Peritonitis
  • Gallenblasenempyem
  • Leberabszess
  • subhepatischer Abszess
  • Sepsis
  • Gallenblasenperforation
  • Gallensteinileus

2. chronisch:

  • Porzellangallenblase
  • Karzinom der Gallenblase

Zusatzhinweise

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Zusatzhinweise zu Gallensteinen:

  • Morphin und -derivate (Ausnahme: Pethidin) sind dafür bekannt durch Auslösung eines Papillenspasmus den Abfluss der Galle negativ zu beeinflussen

Literaturquellen

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  1. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  2. (2009) Keikawus A, Baenkler H W, Bieber C - Innere Medizin - Thieme
  3. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
  4. (2008) Renz-Polster H, Krautzig S - Basislehrbuch Innere Medizin - Urban & Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2007) Piper W - Innere Medizin - Springer
  6. (2006) Herold G - Innere Medizin - Gerd Herold Verlag
  7. (2007) AWMF Leitlinie - Diagnostik und Therapie von Gallensteinen - Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen und der
    Deutschen Gesellschaft für Viszeralchirurgie
  8. (2006) Siewert J R - Chirurgie - Springer Verlag

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