Frühsommer-Meningoenzephalitis

Synonyme: FSME, Zeckenenzephalitis, zentraleuropäische Enzephalitis

Definition

Frühsommer-Meningoenzephalitis

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Die Frühsommermeningoenzephalitis ist eine durch FSME - Viren ausgelöste Erkrankung mitgrippeähnlicher Symptomatik bis zur Meningoenzephalitis.


Ätiologie

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Ursachen der Frühsommer-Meningoenzephalitis sind:

  • Umhülltes FSME-Virus aus der Gruppe der Flavi-Viren (RNA-Virus; frühere Bezeichnung Arbo-B-Virus)
  • Zecken (v.a. Ixodes ricinus = gemeiner Holzbock) als Überträger, Erregerreservoir: Mäuse, Vögel, Rotwild
  • Erkrankungsrisiko nach Zeckenstich: 1:1.000
  • Inkubationszeit: 7 - 14 Tage
  • keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Epidemiologie

Frühsommer-Meningoenzephalitis

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Die Epidemiologie der Frühsommermeningoenzephalitis:

  • In Deutschland jährlich ca. 250 Erkrankungen.
  • Durchseuchung: 1,5%, in Endemiegebieten bis 8%, in Hochrisikogebieten sind bis zu 10%.
  • Männer sind etwa doppelt so häufig von der Frühsommermeningoenzephalitis betroffen;
  • Endemiegebiete: v.a. in Mitteleuropa: Deutschland (v.a. Baden-Württemberg, Bayern), Österreich, Tschechische Republik, Polen, Ungarn, Russland, Estland, Lettland, Litauen, Südnorwegen, Südschweden;
  • Ausbreitungszeit der Frühsommermeningoenzephalitis: März-November, v.a. Juli und August

Differentialdiagnosen

Frühsommer-Meningoenzephalitis

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Anamnese

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Bei der Anamnese der Frühsommermeningoenzephalitis ist zu beachten:

  • Fieber?
  • Kopfschmerzen?
  • Lichtscheu?
  • Nackensteife?
  • Bauchschmerzen?
  • Impfstatus?
  • Vorerkrankungen?
  • Aufenthalt in Endemiegebieten/Spielen im Wald/hohen Gras?
  • Arbeitsanamnese: Förster, Wald- /Feldarbeiter?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der Frühsommermeningoenzephalitis sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: Nackensteife, Brudzinsiki-/Kernigzeichen positiv
  • Labor: spezifischer IgM- und IgG-Nachweis durch ELISA in Serum + Liquor, Virusnachweis in Zellkultur, PCR
  • Liquorpunktion: Pleozytose und Eiweißerhöhung ab 2. Fiebergipfel

Klinik

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Das klinische Bild der Frühsommermeningoenzephalitis zeigt sich folgendermaßen:

  • Initial: subklinische grippeähnliche Symptome in 10-30% (Fieber, Kopf-, Glieder-, Bauchschmerzen)
  • fieberfreies Intervall für 2 - 5 Tage
  • zweiter Fiebergipfel (bis zu 40°C) und beginnender ZNS-Beteiligung (diese manifestiert sich in ca. 50% der Fälle als isolierte Hirnhautentzündung , bei ca. 40% als  Meningoenzephalitis und bei ca. 10% als Rückenmarksentzündung)
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • meningeale Reizzeichen
  • Stupor bis Koma
  • Meningoenzephalitis manifestiert sich am häufigsten mit Bewusstseinsstörungen, Koordinationsstörungen, sowie Lähmungen von Extremitäten und Hirnnerven
  • Meningoenzephalomyelitis manifestiert sich primär im Bereich der Vorderhörner und geht mit schlaffen Lähmungen der Extremitätenmuskulatur einher.

Die FSME kann sich zu folgenden Krankheitsbildern entwickeln:

  1. Meningitis (55%) - meist Kinder, kaum Spätfolgen.
  2. Meningoenzephalitis (35%) - meist Erwachsene, 25% Spätfolgen, 10% tödlich.
  3. Myelomeningoenzephalitis (10%) - meist Erwachsene, 65% Spätfolgen.

Therapie

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Die Behandlung der Frühsommermeningoenzephalitis umfasst folgendes:

  • Zecke umgehend entfernen (Quetschen und Drehen vermeiden).
  • Es existiert keine kausale Therapie.
  • symptomatische Enzephalitis-Therapie: Bettruhe, Paracetamol 10-15 mg/kg bei Max-Tagesdosis 50mg/kg, Metamizol 8-16 mg/kg Einzeldosis, ggf. antikonvulsive Prophylaxe mit Carbamazepin 200-400 mg/Tag Anfangsdosis bis zu 800-1200 mg/Tag Erhaltdosis.
  • Bei Progredienz: intensivmedizinische Therapie mit parenteraler Ernährung und Flüssigkeitssubstitution, ggf. Intubation und Beatmung.

Prophlaxe:

  • Expositionsprophylaxe: geschlossene Kleidung, Repellents, nach Aufenthalten im Wald/hohen Gras Körper (insbesondere Intertrigines) auf Zecken absuchen.
  • Aktive Impfung: für Kinder in Endemiegebieten ab dem 4. Lebensjahr: 3 x 0,5 ml (Erstimpfung, dann nach 1-3 bzw. 12 Monaten).

Komplikationen

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Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis kommen folgende Komplikationen vor:

  • Paresen, Ataxie, Hörstörungen, Konzentrations-/Gedächtnisstörungen
  • Schluck und Sprachprobleme
  • selten Beteiligung des kardialen Reizleitungssystems

Zusatzhinweise

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Die wichtigsten Zusatzhinweise der Frühsommermeningoenzephalitis:

  • Sie Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine meldepflichtige Erkrankung.
  • Letaler Ausgang in 1% der Fälle.
  • Bei Kindern nur in 2% Langzeitschäden
  • Lebenslange Immunität nach überstandener Infektion.

Die Prognose der Frühsommermeningoenzephalitis:

  • Bei etwa 30-40% der Patienten sind längerfristige Rehabilitationsmaßnahmen erforderlich.
  • Die Prognose der meningitischen Verlaufsform ist günstig, sie heilt in der Regel folgenlos aus.

Folgende Befunde weisen auf eine eher ungünstige Prognose hin:

  • Alter > 50 Jahre;
  • Frühzeitiges Auftreten von Atemlähmungen, Bewusstseinsstörungen, Paresen und einer schweren Ataxie;
  • Pleozytose > 300 Zellen/µl

Literaturquellen

Frühsommer-Meningoenzephalitis

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  1. (2008) AWMF - Leitlinie - Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
  2. (2007) Gleixner C, Müller M, Wirth S - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste
  3. (2008) Grehl H, Reinhardt F - Checkliste Neurologie - Thieme Verlag
  4. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln

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