Folsäuremangel in der Schwangerschaft

Synonyme: Folatmangel, Vitamin B9-Mangel in der Schwangerschaft

Definition

Folsäuremangel in der Schwangerschaft

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Folsäuremangel in der Schwangerschaft [2,4]

  • Folat ist ein wasserlösliches B- Vitamin.
  • Synthetische Folsäure ist ein wichtiger Kofaktor der DNA- Synthese.
  • Gabe von 0,4 mg Folsäure pro Tag  während und am besten schon ca. 4 Wochen vor geplanter Schwangerschaft (das höchste Risiko für Neuralrohrdefekte liegt in den ersten 4 Wochen der Schwangerschaft) können einem Folsäuremangel in der Schwangerschaft und das Risiko für Neuralrohrdefekte des ungeborenen Kindes stark vermindern.
  • Von einem Folsäuremangel spricht man bei Schwangeren bei einem Nüchtern-Folsäurewert im Serum < 3 ng/ml.

Ätiologie

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  • Ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft kommt durch den erhöhten Bedarf der Schwangeren an diesem Vitamin in dieser Zeit zustande. Meist kann der Bedarf an Folsäure durch die tägliche Nahrungsaufnahme auch bei Nichtschwangeren nicht gedeckt werden [2].
  • Deshalb wird allen Frauen, die eine Schwangerschaft anstreben, die Einnahme von 0,4mg Folsäure pro Tag schon mindestens 4 Wochen vor der Konzeption empfohlen [3].
  • Die Einnahme von Folsäure kann einer Folsäuremangelanämie vorbeugen und senkt signifikant das Risiko von Neuralrohrdefekten.
  • Eine Unterversorgung kann zu Blutbildveränderungen (Neutropenie mit hypersegementierten Granulozyten, Thrombozytopenie mit Riesenthrombozyten [4]) führen. Außerdem besteht die Gefahr einer makrozytären Anämie und intestinalen Blutungen.
  • Kritische Phase, in der Nerualrohrdefekte entstehen können, sind die ersten 4 Wochen der Schwangerschaft.
  • Folsäure wird vorwiegend im Jejunum resorbiert. Die Speicherung von ca. 5mg erfolgt in der Leber. Dies würde bei fehlender Zufuhr ca. 3 Monate ausreichen.

Epidemiologie

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Folsäuremangel in der Schwangerschaft:

  • Folsäuremangel wird als der häufigste Vitaminmangel in Industriestaaten bezeichnet [2]
  • Studie aus England (Daly et al.1995): Frauen mit niedrigstem Folsäuregehalt in Erythrozyten hatten ein mehr als 8-fach erhöhtes Risiko ein behindertes Kind zur Welt zu bringen
  • Neuralrohrdefekte in Deutschland: 1-1,5/ 1000 Geburten [2]
  • Somit zählen Neuralrohrdefekte zu den häufigsten schweren angeborenen Fehlbildungen (Rinke et al.) [2]

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Spezielle Anamnese bei V.a. Folsäuremangel in der Schwangerschaft:

  • Wann und von wem wurde die Schwangerschaft festgestellt?
  • In welcher Woche befindet sich die Schwangere?
  • Folsäure eingenommen? Seit wann?
  • Besteht Schwächegefühl?
  • Besteht Atemnot bei Belastung (Treppensteigen)?
  • Bestehen häufig Kopfschmerzen?
  • Leidet die Patientin an Konzentrationsstörungen?
  • Ist die Patientin in letzter Zeit leicht erregbar?
  • Besteht eine Blässe der Haut oder Schleimhäute?
  • Bestehen bekannte Vorerkrankungen, z. B. im Magen- Darm- Bereich (Verminderte Aufnahme von Folsäure möglich)?
  • Leidet die Patientin unter einer Ess- Brech- Störung?
  • Besteht Übelkeit?
  • Besteht Erbrechen?
  • Besteht Durchfall?
  • Wurden in letzter Zeit Medikamente eingenommen (auch die „Pille“ kann die Konjugation von Folsäure stören; eine Schwangerschaft ist trotzdem nicht auszuschliessen)?

Da in den ersten Wochen der Schwangerschaft (Frühschwangerschaft) häufig noch kein Mutterpass ausgestellt wird, ist eine genaue Anamnese und Untersuchung der Patientin nötig.


Diagnostik

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Diagnostik Folsäuremangel in der Schwangerschaft

Nachweis Folsäuremangel:

  • Folsäurespiegel im Serum erniedrigt: < 3ng /ml
  • Serum- Folsäure- Konzentration erniedrigt, im Erythrozyten jedoch normal: latenter Folsäuremangel
  • Normaler Schilling- Test (Orale Gabe einer Testdosis radioaktiv markiertes Vit. B12, dann wird renale Ausscheidung der Testsubstanz gemessen); Durchführung sollte bei Schwangeren eher nicht empfohlen werden.

Klinik

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Symptome Folsäuremangel in der Schwangerschaft

  • Blässe der Haut und Schleimhäute
  • Schwächegefühl
  • Konzentrationsstörungen
  • Belastungsdyspnoe
  • Kopfschmerzen
  • Leichte Erregbarkeit

Therapie

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Behandlung des Folsäuremangel in der Schwangerschaft

  • Folsäuresubstitution mit 5 mg pro Tag oral, regelmäßige Kontrollen
  • Kausale Therapie, z.B. Alkoholabstinenz oder Beseitigung der Fehlernährung

Prävention:

  • Jede Frau im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch sollten mind. 4 Wochen vor Konzeption 400 µg Folsäure pro Tag substituieren.
  • Trat in einer vorhergehenden Schwangerschaft schon ein embryonaler Neuralrohrdefekt auf, sollte 4 Wochen vor der Konzeption 4mg Folsäure täglich substituiert werden.

Komplikationen

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  • Ein Folsäuremangel in der Schwangerschaft erhöht das Risiko von embryonalen Neuralrohrdefekten.
  • Es kann zu einer megaloblastischen Anämie kommen.

Zusatzhinweise

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Aktuell sind keine Zusatzinformationen zum Folsäuremangel in der Schwangerschaft vorhanden.



Literaturquellen

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  1. Information des Robert- Koch- Institutes Berlin zur Folsäureversorgung, 13.05.2010
  2. Gesundheitswesen 61 (1999) Sonderheft 2, S.207-212, Georg- Thieme- Verlag Stuttgart,  Folsäureversorgung von Frauen im gebärfähigen Alter,   Thamm, Mensink, Thierfelder, Robert- Koch- Institur, Berlin
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin; Merkblatt Jod, Folsäure und Schwangerschaft- Ratschläge für Ärzte, 2006
  4. Allgemeine und Spezielle Pathologie, Riede/ Schaefer, 4. Auflage, Thieme- Verlag, S.538

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