Fibromyalgie- Syndrom

Synonyme: Fibromyalgie Syndrom, Myofaszialer Schmerz

Definition

Fibromyalgie- Syndrom

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Beim Fibromyalgie-Syndrom leidet der Patient chronisch unter Schmerzen in ausgedehnten Regionen der Weichteile. An einer Vielzahl von Druckpunkten (Tender Points) können heftige Schmerzen ausgelöst werden. Sie werden nicht nur am Ort der Stimulation, sondern auch in weit entfernten Körperregionen empfunden


Ätiologie

Fibromyalgie- Syndrom

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Die Ursachen des Fibromyalgie-Syndroms sind:

  • Die Ursachen sind derzeit unbekannt
  • schleichende Entwicklung über viele Jahre
  • aber evtl. auch rasches posttraumatisches Auftreten
  • wahrscheinlich: multifaktorielle biopsychosoziale Genese, zentrale Schmerzverarbeitungsstörung, neuroendokrine Störung
  • psychotherapeutischer Ansatz: Zusammenhang mit depressiver Somatisierung

Epidemiologie

Fibromyalgie- Syndrom

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Folgende epidemiologische Daten zum Fibromyalgie-Syndrom liegen vor:

  • Das Fibromyalgie - Syndrom tritt gehäuft bei Frauen auf: w:m = 7:1
  • gehäuft perimenopausales Auftreten bei Frauen
  • 3% der Bevölkerung betroffen

Differentialdiagnosen

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Anamnese

Fibromyalgie- Syndrom

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Beim Fibromyalgie-Syndrom sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • chronischer Muskelschmerz?
  • Knochen- u. Bindegewebsschmerz?
  • Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat?
  • druckschmerzhafte Muskel-Sehnen-Übergänge?
  • Wie lange?
  • Geschlecht?
  • Auftreten nach der Menopause?
  • ev. multiple funktionelle Beschwerden?
  • psychische Komorbiditäten? (depressive-, Angst- u. Panikstörung)

Diagnostik

Fibromyalgie- Syndrom

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Zur diagnostischen Abklärung des Fibromyalgie-Syndroms sind relevant:

  • den Muskelschmerzen entsprechen keine pathologischen Veränderungen im EMG
  • Muskelbiopsie ergibt ebenfalls ein normales Ergebnis
  • auch die Laboruntersuchungen fallen normal aus
  • im EEG sind von einigen Autoren Alpha-Wellen im Muster des non- REM- Schlafs beschrieben worden, allerdings war der Befund nicht häufig reproduzierbar

Diagnosekriterien:

1. Schmerzen über mehr als drei Monate im Rücken und in zwei weiteren verschiedenen Körperbereichen (Armen oder Beinen) (“wide spread pain”)
2. Schmerzen in mindestens 12 von 24 Druckpunkten bei einem Druck von 4 kg


Klinik

Fibromyalgie- Syndrom

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Das Fibromyalgie-Syndrom kann eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Schmerzen mit der Lokalisation in der linken und rechten Körperhälfte, im Ober- und Unterkörper und im Bereich des Achsenskelettes (Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule oder tiefsitzender Kreuzschmerz) werden als generalisiert bezeichnet
  • bei dieser Definition wird der Schulter- und Beckengürtelschmerz als Schmerz der jeweiligen Körperhälfte betrachtet

Schmerzen an elf von 18 definierten "tender points" auf Fingerdruck:

Definition: Bei digitaler Palpation muss Schmerz in mindestens elf von 18 der folgenden tender points (neun auf jeder Körperhälfte) vorhanden sein:

1. Ansätze der subokzipitalen Muskeln
2. Querfortsätze der Halswirbelsäule C5 bis C7
3. M. trapezius (Mittelpunkt der Achse)
4. M. supraspinatus
5. Knochen-Knorpel-Grenze der zweiten Rippe
6. Epicondylus radialis (zwei cm distal)
7. Regio glutaea lateralis (oberer äußerer Quadrant)
8. Trochanter major
9. Fettpolster des Kniegelenks medial proximal der Gelenklinie


Therapie

Fibromyalgie- Syndrom

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Die therapeutischen Möglichkeiten beim Fibromyalgie- Syndrom umfassen folgendes:

  • Schmerzen sind therapeutisch nicht oder nur geringfügig zu beeinflussen
  • Blockierung der 5-HT3 Rezeptoren in den Muskeln ist nur vorübergehend wirksam und erlaubt keine ätiologischen Schlüsse

Im Zentrum steht eine möglichst umfassende Betreuung des Patienten sowie eine symptomatisch orientierte Therapie. Folgende Verfahren können in Betracht gezogen werden:

  • Ärztliche Aufklärung und partnerschaftliche Betreuung
  • Vermittlung von Entspannungstechniken
  • Physikal. Therapie (u.a. Massagen, Elektrotherapie,TENS)
  • Wärme/Kälteanwendungen (besonders Ganzkörperkälte)
  • Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Muskelaufbau
  • Ernährungsumstellung
  • Akupunktur, Neuraltherapie
  • Antiödematöse Therapie
  • Pharmakolog. Therapie: Muskelrelaxantien, Analgetika/Antirheumatika, Psychopharmaka
  • Psychotherapie im weiteren Sinn

Komplikationen

Fibromyalgie- Syndrom

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Beim Fibromyalgie-Syndrom kommen folgende Komplikationen vor:

  • die spontanen Schmerzen beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit und die Lebensfreude
  • ausserdem klagen die Patienten über Müdigkeit und schlechten Schlaf
  • Depression
  • Arbeitsunfähigkeit

Zusatzhinweise

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Zum Fibromyalgie-Syndrom liegen derzeit keine weiteren Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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  1. (2006) Weylandt K, Klinggräff P - DD Innere Kurzlehrbuch der Inneren Medizin und differentialdiagnostisches Kompendium - Lehmanns Media
  2. (2009) Thieme Verlag - Innere Medizin - Duale Reihe - Thieme
  3. (2009) Herold G - Innere Medizin 2010 - Herold, Köln
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  7. (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  8. (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  9. (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  10. (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  11. (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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