Fetale Bradykardie

Definition

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?

Fetale Bradykardie [10]

  • ist eine im CTG nachgewiesene Absenkung der fetalen Herzfrequenz unter 110/min, welche über 3 Minuten andauern muss. Sie ist ein Hinweis auf eine schwere fetale Beeinträchtigung.

Ätiologie

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Mögliche Ursachen der fetalen Bradykardie [14]
  • idiopathisch (evtl. mütterliche Hypotonie)
  • durch mütterliche Faktoren wie Rauchen, Koffein, Alkohol, Medikamente, Autoimmunkrankheiten
  • Herzfehler 40%
  • Virusmyokarditis
  • kardiale Tumoren
  • Zirkulationsstörungen der Mutter (z.B. Vena cava- Syndrom)
  • Störungen im Reiz- Leitungssystem des Kindes (z.B. Hirnstörungen)
  • uteroplazentare Durchblutungsstörungen (z.B. Wehensturem)

Epidemiologie

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Zurfetalen Bradykardie:
  • 1-3% aller Schwangerschaften weisen den Fetus gefährdende Rhythmusstörungen auf
  • Bradykardien machen davon 3-5% aus
  • Herzfehler sind häufigste schwere kongenitale Fehlbildung!

Differentialdiagnosen

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese bei fetaler Bradykardie

  • Wann und von wem wurde die Bradykardie festgestellt?
  • Wurde ein CTG geschrieben?
  • Lag die Schwangere dabei auf dem Rücken oder auf der Seite?
  • Wurden regelmäßige Vorsoreguntersuchungen während der Schwangerschaft durchgeführt? (Mutterpass)
  • Wann war die letzte Untersuchung?(Mutterpass)
  • Wann war die letzte Ultraschalluntersuchung?
  • Wurden dabei Auffälligkeiten festgestellt? (Mutterpass)
  • In welcher Schwangerschaftswoche befindet sich die Patientin?
  • Hat die Patientin aktuell Wehen?
  • Gibt sie sonstige Beschwerden (Luftnot o.ä.) an?
  • Bestehen bei der Patientin bekannte Vorerkrankungen?
  • Raucht die Schwangere?
  • Nimmt sie regelmäßig Medikamente ein?
  • Welche sind das und Dosierung?
  • Nimmt die Patientin regelmäßig oder unregelmäßig Drogen ein?
  • Welche sind das und wie oft?
  • Ist dies die erste Schwangerschaft?
  • Wie viele gab es vorher?
  • Wie viele Geburten gab es bisher?
  • Wie verliefen diese Geburten?
  • Wurden die Kinder gesund geboren?
  • Gab es Fehlbildungen bei den geborenen oder ungeborenen Kindern?
  • Bestand der Verdacht auf eine Chromosomenstörung?

Diagnostik

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Die Diagnostik der fetalen Bradykardie besteht aus:
1. CTG [16]

2. Sonographie [15]: Fehlbildungsdiagnostik, Hydrops fetalis, Vierkammerblick

cave: zu hoher Druck bei der Ultraschalluntersuchung verursacht temporäre physiologische Bradykardie


Klinik

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Symptome der fetalen Bradykardie umfassen [10;16]

  • Bradykardien unter 110/min über 3 Minuten; Dezelerationen
Vena cava Kompressionssyndrom:
  • prolongierte Dezelerationen im CTG
Wehen
  • periodische Dezeleraktionen im CTG
  • frühe Dezeleration = Dip I: wehensynchron
  • späte Dezeleration = Dip II: Beginn erst in Wehenakme, Ende nach Wehenende: wichtigstes Zeichen für fetale Hypoxie
variable Dip
  • z.B. Kompression der Nabelschnur


Therapie

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Die Therapie der fetalen Bradykardie hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab. Genauere Therapien siehe bei den einzelnen Krankheitsbildern.
  • Vermeidung mütterlicher Faktoren; z.B. Seitlagerung der Schwangeren bei Dip I
  • Überwachung von Dekompensationszeichen
  • Hochdosierte Steroide oder Plasmaaustausch bei Immunerkrankung
  • Bei lebensfähigem Fetus: Schwangerschaftsbeendigung und Herzfehler-OP

Komplikationen

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
Komplikationen der fetale Bradykardie umfassen:
  • fetale Hypoxie
  • Retardierung
  • Tod des Feten

Zusatzhinweise

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?

Zur Zeit gib es keine Zusatzhinweise zur fetalen Bradykardie.


Literaturquellen

Fetale Bradykardie

Bearbeitungsstatus ?
  1. Haag, Hanhart, Müller (2007/08)- Gynäkologie und Urologie- Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach
  2. K.Goerke, J.Steller, A.Valet (2008)- Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe- Elsevier Urban&Fischer, München, Jena
  3. Pschyrembel (2002)-klinisches Wörterbuch- de Gruyter, Berlin
  4. (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  5. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  6. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  7. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  8. (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
  9. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  10. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  11. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  12. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  13. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag
  14. Das Hebammenbuch, Lehrbuch der praktischen Geburtshilfe, 4. Auflage, Mändle, Opitz-Kreuter, Wehling, Schattauer Verlag 2003
  15. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V.; AG Medizinrecht; Ultraschalldiagnostik im Rahmen der Schwangerenvorsorge; AWMF 015/044, Stand August 2010
  16. Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM) und der AG für Materno- Fetale Medizin (AGMFM), Anwendung des CTG während Schwangerschaft und Geburt, Register Nr. 015/036, Stand 11/2007
  17. Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für maternofetale Medizin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), Doppler- Sonographie in der Schwangerschaft, Register Nr. 015/019, Stand 07/2008

Am häufigsten aufgerufene Krankheitsbilder in Gynäkologie und Geburtshilfe

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen