Extrauteringravidität

Synonyme: Ektope Schwangerschft, Tubenschwangerschaft, EUG, Graviditas extrauterina, Bauchhöhlenschwangerschaft

Definition

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?
Unter einer Extrauteringravidität versteht man die
  • Nidation der befruchteten Eizelle außerhalb des Cavum Uteri
  • Häufigste Form mit ca. 99%: Tubargravidität
  • weitere Lokalisationen: Ovar, Peritoneum, Omentum Majus, Zervix Uteri, andere abdominelle Organe

Ätiologie

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?
Ursachen der Extrauteringravidität:
  • Störungen der Tubarfunktion (funktionell, anatomisch oder morphologisch)
  • endokrinokogische Ursachen (ovarielle Dysfunktionen)

Risikofaktoren:

  • z.N. Extrauteringravidität
  • z.N. Salpingitiden
  • z.N. operativen Eingriffen im kleinen Becken, speziell im Bereich der Adnexe
  • z.N. Salpingoskopie
  • Sterilitätsanamnese
  • Endometriose
  • Intrauterinpessare
  • Nikotinabusus
  • steigende Inzidenz mit zunehmendem Alter

Epidemiologie

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Die Inzidenz der Extrauteringravidität: 10-20/1000

aktuell steigende Inzidenz durch:

  • sensiblere, verbesserte Diagnostik (β-HCG, Sonographie)
  • steigene Inzidenz genitaler Infektionen

Differentialdiagnosen

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Anamnese

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?
Wichtige Informationen zur Extrauteringravidität sind:
  • letzte Menstruation?
  • Schmierblutungen?
  • Schmerzlokalisation?
  • Blinddarm-Entfernung?
  • Genitalinfektionen?
  • Intrauterinpessar?
  • unerfüllter Kinderwunsch?
  • Rauchen?
  • Medikamenteneinnahme?
  • Andere Erkrankungen
  • Allergien
  • Blutungsrisiko (Blutungsneigung, Medikamente)

Diagnostik

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Die Diagnostik der Extrauteringravidität umfasst:

klinische Untersuchung:

  • Portioschiebeschmerz
  • druckdolente Ressitenz im Bereich der Adnexe
  • fehlende Vergrößerung des Uterus
  • schmerzhafter Douglasraum

Labor:

  • β-HCG i.S. ≥1000IE/l
  • β-HCG i.S. Anstieg >66% in 48h
  • Progesteronwerte kleiner als dem Schwangerschaftsalter entsprechend

Vaginale Sonographie:

  • kein Nachweis einer Fruchthöhle im Cavum Uteri
  • inhomogene Raumforderung im Bereich der Adnexe; vom Ovar abgrenzbar
  • Pseudo-Gestationssack (Flüssigkeitsansammlung im Cavum Uteri)
  • freie Flüssigkeit im Bauchraum/Douglasraum

Im Zweifelsfall Labaroskopie!


Klinik

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Die Extrauteringravidität kann eins oder mehrere der folgende Symptome aufweisen:

Typisch:

  • Unterbauchschmerzen, oft einseitig (Beginn meist um 6.-9. SSW)
  • sekundäre Amenorrhö
  • Schmierblutungen bis periodenstarke Blutung
  • unsichere Schwangerschaftszeichen

bei Tubarruptur oder Tubarabort:

  • akutes Abdomen mit starken Schmerzen
  • hämodynamische Instabilität
  • Schocksymptomatik
  • vaginale Blutung

aber auch Symptomfreiheit möglich

  • früher Diagnose (=> 1. Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft)
  • abdomineller Extrauteringravidität

Therapie

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Die Therapie der Extrauteringravidität besteht aus:

Operativ je nach Art der Tubargravidität:

  • Tubenerhaltend:
  • Salpingotomie oder Segmentresektion bei Isthmusgravidität
  • Exprimieren und Absaugen bei ampulärem Sitz oder Tubarabort
  • bei tubenerhaltendem Vorgehen: → erhöhte Rezidivgefahr, Gefahr der unvollständigen Entfernung
  • Salpingektomie → Gefahr der Sterilität

Konservative Therapie:

  • Methothrexat i.m., i.v. oder lokal
  • i. m. 1 mg/kg KG über 2–5 Tage (+ Leucovorin) oder Einmalgabe 50 mg/m2 KOF
  • i.v. Einmalgabe von 30mg oder 1mg/kg KG über 2-5Tage (+ Leucovorin)
  • Lokal einmalig 1 mg/g KG oder 10–50 mg

In jedem Fall Verlaufskontrolle von β-HCG i.S.!


Komplikationen

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?
Komplikationen der Extrauteringravidität können sein:
  • Tubarruptur (Notfall!)
  • Tubarabort: Ausstoßung der Frucht durch Fimbrientrichter in Abdominalhöhle
  • erhöhte Rezidivgefahr
  • Evtl. intrauterine oder extrauterine Fruchtblase

Zusatzhinweise

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?

Die Besonderheiten der Extrauteringravidität:

  • selbst schwerste Schockzustände werden überlebt, wenn innerhalb kurzer Zeit die starken Blutverluste durch kristalloide/kolloidale Lösungen und Erythrozytenkonzentrat ersetzt werden können

Literaturquellen

Extrauteringravidität

Bearbeitungsstatus ?
  1. (2009) Gruber S - BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag, Elsevier GmbH
  2. (2009) Straus A, Janni W, Maass N - Klinikmanual Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer Medizin Verlag
  3. (2009) Probst T - Checklisten Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer, Elsevier
  4. (2008) Goerke K, Steller J, Valet A - Klinikleitfaden Gynäkologie / Geburtshilfe - Urban und Fischer Verlag, Elsevier
  5. (2008) Bühling K J, Friedmann - Intensivkurs Gynäkologie - Urban & Fischer, Elsevier
  6. (2007) Stauber M, Weyerstahl T - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  7. (2007) Breckwoldt M, Kaufmann M, Pfleiderer A - Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme
  8. (2006) Kiechle M - Gynäkologie und Geburtshilfe - Urban & Fischer Verlag
  9. (2006) Diedrich K - Gynäkologie und Geburtshilfe - Springer, Berlin
  10. (2005) Kirschbaum, Münstedt - Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe - Thieme Verlag
  11. (2009) Larsen R - Praxisbuch Anästhesie - Urban & Fischer, Elsevier
  12. (2008) Striebel HW - Anästhesie und Intensivmedizin für Studium und Pflege - Schattauer GmbH
  13. (2007) Scholz L - BASICS Anästhesie und Intensivmedizin - Urban & Fischer, Elsevier
  14. (2006) Schulte am Esch J, Kochs E, Bause H - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Thieme, Duale Reihe
  15. (2004) Latasch, Knipfer - Anästhesie Intensivmedizin Intensivpflege - Urban & Fischer, Elsevier
  16. (2003) Thiel R - Anästhesiologische Pharmakotherapie, Allgemeine und spezielle Pharmakologie in Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie - Thieme
  17. (2003) Klöss T - Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Urban & Fischer
  18. (2001) Krier, Kochs, Buzello, Adams - Anästhesiologie, ains Band 1 - Thieme, Stuttgart
  19. (2000) Scherer R - Anästhesiologie - Ein handlungsorientiertes Lehrbuch - Thieme
  20. (1999) Hempelmann, Adams, Sefrin - Notfallmedizin, ains Band 3 - Thieme, Stuttgart
  21. (1996) Kretz F.J, Schäffer J, Eyrich K - Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie - Springer, Berlin

Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von med2click kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen. Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen