Extrapyramidale Syndrome

Synonyme: Spätdyskinesien, Akathisie, Frühdyskinesien, medikamentöses Parkinsonoid

Definition

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Extrapyramidale Syndrome sind durch Einnahme zentral wirksamer Medikamente verursachte Störung der Halte- und Stützmotorik.


Ätiologie

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Die Ursachen der extrapyramidalen Syndrome sind:

  • Antivertiginosa: Metcoclopramid (v.a. bei jungen Patienten!)
  • Psychopharmaka: Neuroleptika: Levomepromazin, Thioridazin, Melperon, Pimamperon, Fluphenazin, Fluspirilen, Perazin, Prothipendyl, Haloperidol; antriebssteigernde Antidepressiva
  • Ca-Anatagonisten vom Flunarizin-Typ
  • Parkinson-Medikamente
  • sonstige: Diphenylhydantoin, Carbamazepin, Primidon, Glukokortikoide, Sulfonamide, Schilddrüsenhormone, Lithium
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion (ältere Patienten!) besonders gefährdet
  • Komedikation kann Metabolismus und Plasmaeiweißbindung beeinflussen

Epidemiologie

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Die extrapyramidalen Syndrome sind selten.

  • Frühdyskinesien als typische Nebenwirkung hochpotenter Neuroleptika
  • Spätdyskinesien bei Neuroleptika-Einnahme (bei 10%): Ältere Patienten sind stärker gefährdet als jüngere Rückbildung über Wochen bis Monate
  • Akathisie bei 10% der Neuroleptika-Therapierten

Differentialdiagnosen

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Anamnese

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Bei den extrapyramidalen Syndromen sind folgende Informationen von Bedeutung:

  • Beginn, Verlauf und Ausprägung der Symptomatik?
  • weitere neurologische Symptome?
  • ausführliche Medikamentanamnese (eingenommene Substanzen, Dosierung, Einnahmeintervall)
  • bekannte Vorerkrankungen (relevante Nieren-/Lebererkrankungen, Darmerkrankungen, neurologische Vorerkrankungen)?

Diagnostik

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Zur diagnostischen Abklärung der extrapyramidalen Syndrome sind relevant:

  • neurologische Untersuchung: L-Dopa-Test, klinische Ausprägung
  • bildgebende Verfahren: cCT/cMRT bei V.a. zentralen Prozess, evtl. IBZM-SPECT
  • Labor: Retentionsparameter (Harnstoff, Elektrolyte, Kreatinin), Leberparameter (Transaminasen, Cholestasewerte, Quick, Albumin, Bilirubin) Blutbild, evtl. Medikamentenspiegel, Toxikologie aus Blut und Urin, Cu und Coeruloplasmin, evtl. molekulargenetische Diagnostik bei V.a. Chorea Huntington

Klinik

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Extrapyramidale Syndrome können eine oder mehrere der folgenden Symptome zeigen:

  • Antivertiginosa und Neuroleptika:
    • akinetisches Parkinson-Syndrom = medikamentöses Parkinsonoid
    • Tremor
    • Akathisie (quälende Sitzunruhe)
    • Frühdyskinesien
    • Spätdyskinesien nach Monaten bis Jahren = orale Hyperkinesen mit Schlundkrämpfen (besonders bei Ablenkung und in Entspannungsphasen)
    • akuter Tortikollis
  • Ca-Anatagonisten vom Flunarizin-Typ:
    • reversible Parkinson-Symptome
  • Parkinson-Medikamente:
    • choreoathetoische Bewegungen
  • Diphenylhydantoin, Carbamazepin, Primidon, Metcoclopramid, Succinimiden:
    • ballistische, choreatische, athetotische und myorhythmische Hyperkinesen
  • Glukokortikoide, Sulfonamide, Schilddrüsenhormone, Lithium:
    • Steigerung des essentiellen und physiologischen Tremors

Therapie

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Die therapeutischen Möglichkeiten bei den extrapyramidalen Syndromen umfassen folgendes:

  • Gabe atypischer Neuroleptika wie Clozapin mit geringeren extrapyramidalen Nebenwirkungen
  • Gabe von Domperidon bei Kindern und Parkinson-Patienten bevorzugen
  • Therapie der Hyperkinesien, Dystonien und Spätdyskinesien: Biperiden 3-4 x 1 Tbl. pro Tag p.o. oder i.v. bei akuten Schlundkrämpfen

Komplikationen

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Bei den extrapyramidalen Syndromen kommen folgende Komplikationen vor:

  • quälende Bewegungsstörungen, die koordinierte Bewegungen unmöglich werden lassen
  • Schlundkrämpfe mit Aspiration

Zusatzhinweise

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Zu den extrapyramidalen Syndromen liegen derzeit keine weitere Zusatzhinweise vor.


Literaturquellen

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1. Poeck K, Hacke W (2006) – Neurologie, 12. aktualisierte und erweiterte Auflage – Springer Medizin Verlag, Heidelberg

2. Gleixner C, Müller M, Wirth S (2007) - Neurologie und Psychatrie - Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach

  • (2007) Berlit P - Basiswissen Neurologie - Springer
  • (2007) Masuhr K.F.,Neumann M - Neurologie,6. Aufl. - Thieme Verlag, Duale Reihe
  • (2007) Buchner H - Neurologische Leitsymptome und diagnostische Entscheidungen - Thieme
  • (2007) Bitsch A - Neurologie "to go" - Wissenschaftliche Verlagsges
  • (2006) Poeck, Hacke, - Neurologie - Springer, Berlin
  • (2006) Mumenthaler M, Mattle H, - Kurzlehrbuch Neurologie - Thieme Verlag

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